Der Dirigent Christoph Eschenbach bekommt dieses Jahr den Ernst-von-Siemens-Musikpreis. Eschenbach sei eine künstlerische Ausnahmeerscheinung und ziehe nicht nur vom Dirigentenpult herab Orchester, Solisten und Publikum in seinen Bann, teilte die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung als Begründung mit. Er überzeuge als Dirigent genauso wie als Pianist.

Das Leben des 1940 in Breslau geborenen Christoph Eschenbach ist von Musik geprägt: Nachdem Eschenbachs Mutter bei der Geburt und der Vater wenige Jahre später in einem Strafbataillon an der Kriegsfront gestorben waren, wurde er von Wallydore Eschenbach, einer Cousine seiner Mutter, adoptiert. Die Sängerin und Pianistin brachte dem verstummten Kind die Musik nahe. Die Musik habe seinem Leben den Sinn zurückgegeben, sagt Eschenbach einer Mitteilung der Musikstiftung zufolge. "Ich bin deshalb dankbar, ganz in ihrem Dienst zu stehen."

1951 begann Eschenbach sein Klavierstudium bei Eliza Hansen in Hamburg, es folgten die Ausbildung an der Musikhochschule Köln und ein Dirigierstudium bei Wilhelm Brückner-Rüggeberg in Hamburg. 1962 gewann er den ARD-Musikwettbewerb, zahlreiche weitere Preise folgen. Sein Repertoire reicht von Barock bis zu zeitgenössischen Werken. Seine Triebfeder ist die frühe Begegnung mit dem Tod, die Musik seine Ausdrucksform.

Internationale Engagements

Von George Szell und Herbert von Karajan gefördert, wurde Eschenbach Chefdirigent des Züricher Tonhalle-Orchesters. Er leitete zudem das NDR Sinfonieorchester in Hamburg und das Orchestre de Paris, war musikalischer Direktor der Houston Symphony, künstlerischer Leiter des Schleswig-Holstein Musik Festivals und hat Gastaufträge in aller Welt. Seit 2010 hat er die doppelte Leitung des John F. Kennedy Center for the Performing Arts sowie des National Symphony Orchestra in Washington – und damit einen der attraktivsten Doppelposten, die Amerika zu bieten hat.

Die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert und wird Eschenbach am 31. Mai im Herkulessaal der Münchner Residenz überreicht. Insgesamt vergibt die Stiftung drei Millionen Euro an Preis- und Fördergeldern.