Der Gewinner des ESC-Vorentscheids Andreas Kümmert © Britta Pedersen/dpa

Beim Eurovision Song Contest wird in diesem Jahr Newcomerin Ann Sophie für Deutschland singen. Dabei hatten die ARD-Fernsehzuschauer Andreas Kümmert zum Sieger des ESC-Vorentscheids in Hannover gewählt. Der 28-jährige Sieger der Castingshow The Voice of Germany (2013) nahm die Wahl jedoch nicht an, weil er nicht in der Verfassung dazu sei.

Das überraschte Publikum in der Halle in Hannover reagierte mit Buhrufen. Moderatorin Barbara Schöneberger sagte, sie könne Kümmert wohl nicht mehr umstimmen. Der hatte sich zuvor gegen sieben weitere Künstler durchgesetzt.

Die zweitplatzierte Ann Sophie singt jetzt am 23. Mai beim ESC-Finale in Wien ihren Soul-Popsong Black Smoke. Die 24-Jährige hatte sich beim ESC-Clubkonzert in Hamburg die Wildcard für den Vorentscheid gesichert. Internationale Erfahrung bringt die Hamburgerin mit. Sie wurde in London geboren und ging mit 20 nach New York, um Schauspiel zu studieren. Daneben startete sie ihre Musikkarriere, sang in Bars und nahm ihre ersten selbst geschriebenen Songs auf.

Die Sängerin Ann Sophie beim ESC-Vorentscheid © Peter Steffen/dpa

Ann Sophie nahm Kümmert in Schutz: "Er sollte sich keine Vorwürfe machen, nur weil er sich selbst treu geblieben ist." Sie finde, man solle ihm seine Entscheidung nicht übel nehmen und nannte Kümmert einen Wahnsinnssänger, den sie sehr schätze.

Der für die Show verantwortliche NDR war von Kümmerts Entscheidung komplett überrascht worden. "Wir haben da mit offenem Mund gestanden", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Es sei Kümmerts Idee gewesen, beim ESC dabei zu sein, betonte er.

Das Team um Kümmert verwies nach der Show auf den öffentlichen Wirbel, dem der Sänger ausgesetzt sei. "Die Lampe ist zu groß, die da angeht", sagte Siggi Schuller von der Plattenfirma Universal in einem ARD-Video. Kümmert habe alles gegeben und irgendwann festgestellt, dass er es einfach nicht packe. Er glaube, Kümmert habe einfach spontan entschieden.

Für den Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), ist der Rücktritt des eigentlichen Siegers kein Problem. Es gebe keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler auszuwählen hätten, sagte der EBU-Sprecher Jarmo Siim der Zeitung Die Welt. Als Kandidat gelte derjenige, der im Mai zum Head-of-Delegation-Meeting in Wien erscheine, so Siim.

Beim Vorentscheid bestimmen allein die Fernsehzuschauer per Anruf oder SMS den Gewinner. Neben den beiden Kandidaten traten in Hannover auch der Chartstürmer Mark Foster (Flash mich) sowie die Schweizer Pop- und Soulsängerin Stefanie Heinzmann auf.

Eröffnet wurde die Show durch die Gewinnerin des Eurovision Song Contests 2014, Conchita Wurst. Die bärtige Dragqueen aus Österreich wirbt seit ihrem ESC-Triumph weltweit für Toleranz. In Hannover stellte Wurst zum ersten Mal ihren neuen Song vor.

Seit 1956 findet der europäische Sängerwettstreit jedes Jahr statt, bei der 60. Jubiläumsausgabe darf einmalig Australien mitmachen. Deutschland hat zweimal gewonnen: Nicole siegte 1982, Lena Meyer-Landrut 2010. Im vergangenen Jahr hatte das deutsche Frauentrio Elaiza für Deutschland nur den 18. Platz belegt. Der ESC gilt als größter Musikwettbewerb der Welt. Acht Solokünstler und Bands kämpften um das Ticket nach Wien. Dort steigt am 23. Mai das ESC-Finale.