Bis vor einer Woche galt Christian Thielemann als Anwärter auf den Chefposten bei den Berliner Philharmonikern. Der Dirigent der Dresdner Staatskapelle musste sich allerdings durch Kirill Petrenko geschlagen geben. Nun darf er sich immerhin offiziell Musikdirektor der Bayreuther Festspiele nennen. Die Gesellschafter der Festspiele hätten Thielemann kürzlich mit einem entsprechenden Vertrag ausgestattet, sagte Festival-Sprecher Peter Emmerich am Montag. Welche Aufgaben mit dem neuen Titel konkret verbunden sind, werde man auf einer Pressekonferenz zum Festspielstart erläutern. Bislang war der 56-Jährige musikalischer Berater der Festspielleitung. Als Musikdirektor dürfte er einen deutlich erweiterten Verantwortungsbereich haben.

Thielemann wird am 25. Juli zur Festspieleröffnung die Richard-Wagner-Oper Tristan und Isolde in der Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner dirigieren. Hier kam es erst vor wenigen Tagen zu einer überraschenden Umbesetzung: Anja Kampe gab ihre Rolle als Isolde zurück, Evelyn Herlitzius springt ein und wurde am Montag zu den ersten Proben in Bayreuth erwartet.

Der Wechsel in der Titelpartie wenige Wochen vor der Premiere wurde von heftigen Spekulationen begleitet, da die Festspiele keine Gründe für die Umbesetzung genannt haben. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Emmerich. Kampe wird aber dennoch bei den diesjährigen Festspielen auftreten, sie singt die Sieglinde in Die Walküre. Die Inszenierung stammt von Frank Castorf, Kirill Petrenko dirigiert die Produktion diesen Sommer zum letzten Mal. 

Zwist zwischen Petrenko und Thielemann?

Nach der Wahl der Berliner Philharmoniker wird nun in Musikkreisen darüber spekuliert, ob hinter Anja Kampes Absage ein Konkurrenzkampf zwischen Petrenko und Thielemann steckt. Der Münchner Merkur will außerdem wissen, dass Anja Kampe Petrenkos Lebensgefährtin ist. Zwischen ihr und Thielemann sei es zu einem Zusammenstoß gekommen. Der Festspiel-Sprecher Peter Emmerich nennt diese Gerüchte hingegen "Gossenjournalismus". Dem Nordbayrischen Kurier sagte er, es handele sich um haltlose Spekulationen.

Vorbei in Bayreuth sind unterdessen die Diskussionen über ein angebliches Hügelverbot für Eva Wagner-Pasquier (70), die zum Ende der diesjährigen Festspiele aus der Festivalleitung ausscheidet. Anfang des Monats hatte es Berichte gegeben, wonach sie aufgefordert worden sein soll, in der finalen Probenphase nicht anwesend zu sein.

Eva Wagner-Pasquier sei im Festspielhaus präsent und erledige ihre Arbeit – "und das bis Ende August", sagte Emmerich. Dann läuft ihre Amtszeit aus. Die erfahrene Opernmanagerin und ihre Halbschwester Katharina Wagner (37) hatten 2008 die Festivalleitung übernommen. Von diesem Herbst an ist Katharina Wagner nun allein Chefin – mit dem Musikdirektor Christian Thielemann an ihrer Seite.