Hat man eine Frage zur Musik, geht man zu Gereon Klug. Unser Autor kennt jedes Album, jede Band, weiß alles über die Songs und vor allem: Er war dabei, als Musikhistorie geschrieben wurde. Jedes Mal, wirklich! Und das, obwohl er nie seine staubige Wohnung verlässt. Hier offenbart er die großen Geheimnisse der Popgeschichte.

Was für ein Höllenstress für Taylor Swifts Personal Personality Consultant. Jüngst blinkte die iWatch unablässig, im Zehn-Minuten-Takt wurden irgendwelche Popbiz-Vögel beim Countrymädchen vorstellig. Wirklich alle kamen, um die neue Königin des Pop um Hilfe zu bitten. Erst Beyoncé und ihr Mann Jay Z, Rihanna, Lady Gaga und Madonna, dann Kanye West, Daft Punk, Jack White und die Typen von Arcade Fire und Coldplay, die mit dem Solarfahrrad den Berg zum holzfarbenen (früher beige genannten) Swift-Anwesen hinaufsurrten.

Sie wandten sich an Taylor, weil sie fürchteten, dass Apples neues iMusic ihren Hi-Fi-Streaming-Dienst Tidal, den sie erst vor drei Monaten mit Multimillionenaufwand lanciert hatten, einfach so zerquetschen würde. Die aber ließ sie fast alle mit einem strahlend weißen "Na und?"-Lächeln abblitzen. Die Swift ist ja damals nicht gefragt worden, ob sie bei Tidal mitmachen wolle. Ganz eventuell würde sie sich jetzt erbarmen, wenn die Hupfdolen alle in ihrem nächsten Video mit dem Knallertitel F(or)ever eine Nebenrolle übernähmen. Smile, smile, da ist die Tür. Das war vor ein paar Wochen.

Aber dann kam auch noch die Liga der alternativen Großkopferten: Thom Yorke, Peter Gabriel, David Byrne, Michael Stipe. Selbst Neil Young mit seinem Buick auf Bio-Diesel-Basis. Leute, von denen Taylor Swift gehört hat, dass sie neben Geld auch ein Gewissen haben. Genau wie sie!

Alle einte die Klage: "Wir müssen was tun, Sweetheart. Diese kalifornischen Apfelhändler, die wollen uns ab Juli für umme in die Welt streamen! Wir sind doch noch nicht alle Milliardäre! Wir haben laufende Kosten. Die Versicherungspolicen gegen Waldbrand in Villengebieten, die steigen doch wieder! Kannst du nicht was machen, Taylorchen?"

Und die Swift ist eine Frau der Tat, das hat sie von ihren Eltern, den Weihnachtsbaum-Farmern aus Pennsylvania. Wenn sie ein Rohr repariert, tropft es nie wieder. Was sie flickt, hält. Pfusch macht sie krank. Wo andere unten wurschteln, geht sie locker oben lang. Und was sie antwittert, wird automatisch zum Machtwort.

Raute war gestern, heute ist Tannenbaum

Aber erst mal ein Foto für Instagram mit jedem der UTS-Stars. (UTS = Swiftintern für Under Taylor Swift). Haben sie alle gemacht, sogar mit ihrem neuen Swift-Symbol: Statt mit beiden Händen ein Herz zu formen, hält man die Finger so, dass eine Tannenbaum-Silhouette entsteht. Das wird um die Welt gehen! Die ganzen Milliarden Fans, die Swifties, werden es machen, sich vielleicht sogar die Finger extra so operieren lassen. Taylor ist sich selbst sicher.

Sie ist eben nicht nur Multimegastar, sondern auch Feministin, role model, Stil-Ikone, Grammy-Gewinnerin, Katzenbesitzerin, Landei und Urban Lady in einem. Country und Pop, Cheerleader und Schwester, Heartbreaker und Hatebreaker. Pfefferminz, Himbeer, Teddybär. Bauch, Beine, Po.

Und nun auch noch die Mutter Teresa der Musikindustrie? Oder Mutter Courage? Donna Quichotte? Ghandilette? Egal, wie man sie nennen wird, eine neue soziale Facette steht ihr jedenfalls gut, sagt auch ihr Personal Personal Advisor, sonst holen wir Angelina Jolie nie ein.

Die Swift überlegt, wie sie es angeht. Warum machen die Feiglinge eigentlich nicht selbst was gegen Apple? Schon bei ihrer Kritik an Spotify war sie allein. Aber besser allein was erreichen, als gemeinsam nichts. Genial einfacher Gedanke von ihr selbst, hihi. Gleich mal schützen lassen.

Fünf Minuten später ist der Tweet draußen. Einen Tag später lenkt Apple ein. Zwei Tage später skypt ihre Erzfeindin Katy Perry bei ihr an, ob sie nicht als Late Afternoon Cupcake Organizer für die Swiftschen Katzen anfangen kann.

Votzgeile Idee. Swift schmunzelt. So einen Kraftausdruck hätte sie sich selbst nicht zugetraut, aber geträumt hat sie davon neulich schon mal. Und Träume sind dazu da, wahr zu werden.

Die neue Single "Streams are Dreams" von Taylor Swift gibt es ab 1. Juli bei Apple Music. Und sie soll dafür sogar Geld bekommen.