Xavier Naidoo wird im kommenden Jahr nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm für Deutschland singen. Der NDR hat seinen entsprechenden Vorschlag zurückgezogen.

Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator und Leiter des Programmbereichs Fiktion und Unterhaltung im NDR, sagte: "Xavier Naidoo ist ein herausragender Sänger, der nach meiner Überzeugung weder Rassist noch homophob ist. Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt."

Der Eurovision Song Contest sei ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter müsse unbedingt erhalten bleiben, sagte Schreiber. Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. "Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten. So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird", sagte Schreiber.

Xavier Naidoo sagte, die Entscheidung, dass er nun doch nicht beim ESC antreten werde, sei ohne seine Beteiligung getroffen worden. Er sagte: "Wenn sich nun kurz nach unserer vertraglichen Einigung mit dem NDR und dem Abschluss aller Vorbereitungen die Planungen der ARD durch einseitige Entscheidung geändert haben, dann ist das ok für mich."

In der Mitteilung schrieb er außerdem: "Meine Leidenschaft für die Musik und mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander wird hierdurch nicht gebremst."

Ernennung ohne üblichen Vorentscheid

Der NDR hatte den 44-jährigen Naidoo ohne den üblichen Vorentscheid nominiert. Stattdessen sollte in einer Fernsehshow am 18. Februar nur noch das Lied ausgewählt werden, mit dem der Sänger aus Mannheim am 14. Mai in Stockholm am ESC-Finale teilnehmen sollte.

Schreiber hatte Naidoo bei der Verkündung der Nominierung am Donnerstag als "Ausnahmekünstler" gewürdigt, der seit knapp 20 Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben habe.

Xavier Naidoo hat in seiner langjährigen Musikerkarriere häufig polarisiert. Während seine Single Dieser Weg zur Hymne des deutschen Teams bei der Fußball-WM 2006 wurde und Naidoo viele Preise erhielt, darunter mehrere MTV Music Awards und den Echo Pop, beschrieben Kritiker einige Texte Naidoos als gewaltverherrlichend und menschenverachtend. Dafür musste sich der Sänger bereits vor Gericht verantworten. Auch mit radikalen politischen Aussagen löste er Kontroversen aus. So trat er 2014 vor den rechtspopulistischen "Reichsbürgern" auf, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen.