Hat man eine Frage zur Musik, geht man zu Gereon Klug. Unser Autor kennt jedes Album, jede Band, weiß alles über die Songs und vor allem: Er war dabei, als Musikhistorie geschrieben wurde. Jedes Mal. Rätselhaft, aber wahr. In seiner Kolumne "Klug weiß es" offenbart er die großen Geheimnisse der Popgeschichte.

Jan Böhmermann hat den Rapper Haftbefehl mit seinem Video Ich hab Polizei parodiert. Der reagierte am Dienstag mit dem Song CopKKKilla. Wie soll das nur weitergehen? Was kommt als nächstes im Sängerkrieg der Blasehasen? Hier der hundertprozentig authentisch verifizierte Ausblick:

Jan Böhmermann wird mit 112, spritz mich an, Feuerwehrmann kontern. Bushido greift ein mit SchlauchwiXXXer und macht sein Abi nach. Das lässt Olli Schulz nicht auf sich sitzen und haut seine neue Single raus: Dürften wir unsere Afterballen hier platzieren, Du Muhme? featuring Einsamer-Edeka-Opa. Hafti nennt sich um in U-Hafti und erwidert mit E-Musik: Bimmsch, Du Schlickser, brandschatze mich!, eingespielt mit dem Orchester für Artige Musik, Offenbach. Sido bringt den Song Kollegah kommt gleich! raus. Aber Kollegah kommt nicht. Er versteckt sich in der Küche von Steffen Henssler, das XXL-Proteinschnitzel ist gleich gebraten. Das Bo antwortet mit nichts.

Marek Lieberberg schaltet eine Anzeige für alle in der Barbara. Die Schöneberger fordert ein Autogramm von sich selbst an, vergisst aber das Rückporto. Egal, ihre kreuzgelaunchten Add-ons Barbalollo und Barbabubu gehen eh Gold.

Gereon Klug arbeitet als Tourmanager (Studio Braun, Rocko Schamoni), Autor (von u.a. dem Deichkind-Hit "Leider geil)" und Erfinder (des ersten essbaren Kochbuchs der Welt). Er betrieb acht Jahre in Göttingen einen Plattenladen und gründete 2007 die Hanseplatte in Hamburg. Seine Newsletter für dieses auf Hamburger Musik spezialisierte Geschäft erschienen als Buch im Verlag Haffmans & Tolkemitt: "Low Fidelity – Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream". © Benjakon

Universal bringt eine 17-CD-Box mit unveröffentlichten Rautezeichen von Angela Merkel raus, aber das hat damit gar nix zu tun, sagt Franz Beckenbauer, der köstliche Fleischlappen. Er wird Ehrenpräsident bleiben. Zurück zur Musik, der schönsten aller Kunstformen! Das darf man bei all dem Gemache nicht vergessen, sagt Herbert Grönemeyer, der bislang mit Musik nichts zu tun hatte, aber sich damit in Zukunft beschäftigen will, wenigstens theoretisch.

Die Frau, die im Edeka-Spot so weint, möchte auch bei Olli Schulz mitmachen, verwechselt ihn aber im Telefonbuch mit Olaf Scholz, der hocherfreut ist, seine Hamburg-Olympia-Schlappe imagemäßig wettzumachen. Ergebnis: Der gemeinsame Track Wie hätte ich Euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?, untermalt mit Geheule und generischen Pianoläufen aus der Hölle. Platz 1 zu Weihnachten in Deutschland.

Gefühle oder Feelings, immer gut

Daraufhin bricht eine Welle sentimentalster Songs mit Crossover-Potenzial über das Land herein und revolutioniert die deutsche Sprache sowie ihre Rhetorik über Nacht. Heino hat Mitleid mit Matussek, Cro mit Casper, Casper mit Melchior. König Herodes mit Till Lindemann wegen der Thomalla, sorry, war ein Witz. Alle machen Lieder über ihre Gefühle oder Feelings mit gesellschaftlicher Relevanz.

Sprache trifft auf Worte, Musik auf Töne. Eine frische kulturelle Brise fegt den Deutschen die Möbel durch. Alle sind offen, ganz nah bei sich und kommen aus den Stützstrümpfen.

Revolverheld singen über ihren facettenreichen Alltag mit einer beispiellosen Eloquenz, ohne auf teure Inspiration zurückgreifen zu müssen. Clueso vertont Goethe, aber nur die Präpositionen. Wegen der Fallhöhe oder reduzierter Bandbreite online, man weiß es nicht.

Sarah Connor tröstet die Onkelz, die Beef mit ihren ehrlichen Fans wegen einer verlogen, teuren Schmuck-Kollektion haben, indem sie den ganzen Tand aufkauft. Den Einschmelzvorgang nimmt sie im Tonstudio auf und lässt Fler drüberrappen. Ich werde vergessen haben, was genau. Futur Zwei nennt man diese Bewegung, etwas schon vorher gehabt zu haben. Da machen jetzt immer mehr mit, Mark Zuckerberg wird 1 Prozent seines Vermögens reinstecken und nicht wieder rausholen.

Am Ende fühlt sich Marcus "Rap" Staiger für den ganzen Schlamassel verantwortlich und führt offene, schonungslose Interviews mit der Szene, in denen er alles an Credibility und Hip-Hop-Wissen abruft.

Jan Böhmermann legt sich Zweit- und Dritt-Twitter-Accounts an, um der Sache jede Minute bissig-ironisch kommentierend Herr zu werden. Irgendwo bellt ein Löwe und jemand wässert seine Flunder.