Der französische Dirigent und Komponist Pierre Boulez ist tot. Boulez starb am Dienstag im Alter von 90 Jahren im baden-württembergischen Baden-Baden, wie seine Familie am Mittwoch mitteilte. Er war einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten der Welt und genoss als Orchesterleiter hohes Ansehen.

In einer Pressemitteilung der Pariser Philharmonie würdigte seine Familie seine "kreative Energie", seinen "künstlerischen Anspruch" und seine "Großzügigkeit". Seine Präsenz werde lebendig und intensiv bleiben.

Boulez verstand sich in erster Linie als Komponist, wurde aber auch für seine Interpretationskunst und seine präzisen Orchestrierungen gerühmt. Zudem war Boulez Kulturmanager, Musikphilosoph, international gefragter Lehrer und Gründer des Pariser Forschungsinstituts für Akustik/Musik IRCAM. Sein Repertoire reichte von klassischer über mikrotonale Musik mit Computer bis hin zu Konzerten mit Bruce Springsteen oder Frank Zappa.

Der Sohn eines Stahlfabrikanten aus Montbrison entwickelte die Zwölftontechnik von Arnold Schönberg zur sogenannten seriellen Musik weiter, einer Strömung der Neuen Musik, die auf Zahlen- oder Proportionsreihen aufbaut. Seine in den 1950er Jahren rigide konstruierte Musik war umstritten.

Die Modernität seiner Kompositionen wie Notations oder Le marteau sans maître wurde häufig als atonal, chaotisch und ungeordnet empfunden.

Boulez' Weltkarriere führte ihn vom Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks in Baden-Baden über das BBC Symphonic Orchestra in London bis hin zum New York Philharmonic Orchestra. Er wurde mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt.