Bianca Casady & The C.I.A.: Oscar Hocks (Fantasy/Indigo)

© Fantasy/Indigo

Bianca Casady braucht keine popkulturellen Profis, um sich Bedeutung anschwurbeln zu lassen. Das macht die Französin aus Prinzip selbst. Die eine Schwester von CocoRosie, deren aufgemalten Kringelschnurrbart nur echte Fans von dem der anderen Schwester Sierra unterscheiden können, wickelt ihr Soloalbum in eine Art Manifest, das selbstverständlich mehr verwirrt als erklärt. "I, Bianca Irish Casady, am working from the shadows", schreibt sie da beispielsweise und meint damit sicherlich nicht bloß die Versenkung, aus der heraus ihre Band mitsamt Kinderinstrumenten, Quetschgesang und feministischen Schmutztexten seit Jahren operiert.

Live lässt sie sich deshalb vom sogenannten Porno Thietor umspielen, einer Performance aus Cabaret, Breakdance und runden Hüten, die die Leerstellen des neuen Albums Oscar Hocks auffällig umtanzt. Dessen einsame Geigen und folgenlose Klimpereien klingen tatsächlich düsterer als die Momente, in denen die Casady-Schwestern zuletzt Spaß mit Beats und Melodien hatten. Eher für Leute, deren bessere Träume von kaputten Klavieren handeln.



Silver Snakes: Saboteur (Pelagic/Cargo)

©  Pelagic/Cargo

Silver Snakes aus Los Angeles sind eher gleißende Wüstensonne als schattiges Plätzchen und die richtige Band für alle, die Musik gern mit Lederjacke und verschränkten Armen hören. Von Posthardcore über Sludge und Industrialrock bis zu alternativem Metal haben der streng gescheitelte Alex Estrada und seine Posse so ziemlich alles auf ihr drittes Album gepackt, was in CD-Geschäften auf der harten Seite steht. Sie konnten aber so viel Cool-Boy-Bescheidenheit hinüberretten, dass auch die Vinyl-Kids sich nicht zu schämen brauchen.

Die Bässe knarzen auf Saboteur, der Sand reibt Gitarrensoli auf, und alles schleppt und zerrt und wuchtet sich so ziel- wie stilsicher voran, verliert sich dank grandioser Tightness aber nie zwischen den eigenen Beinen. Das könnte Menschen gefallen, die sich jederzeit anrufen und fragen ließen, was Chris Cornell gerade macht, ebenso wie solchen, denen das egaler nicht sein könnte. Gute Posen im Rock sind schließlich kein Monopol der Ü40er, sondern immer noch das beste Gegengewicht gegen all die Leichtigkeit da draußen.



Basia Bulat: Good Advice (Secret City/Rough Trade)

© Secret City/Rough Trade

Übertrieben locker nimmt Basia Bulat das Leben auch nicht, aber sie hat ihre Nische besonders luftig, großzügig und nach ganz vielen Seiten offen in den Folk gebaut. Der Ehrenplatz darin gehört auch auf dem vierten Album wieder ihrer Autoharp, mit der sich die Kanadierin schließlich schon Sufjan Stevens zum Fan und Auftraggeber gemacht hat. Dem reichten die schrulligen Instrumente allein irgendwann nicht mehr, und auch Bulat steht zweieinhalb Jahre nach dem Kritikererfolg von Tall Tall Shadow der Sinn nach ein wenig mehr als Singer-Songwriter-Ruhm.

Good Advice bläst seine schönen Liebeslieder deshalb mit Saxophon und Synthies zu üppigem 70s-inspiriertem Pop auf, innendrin immer noch nachdenklich genug, aber außenrum ein bisschen feierlicher als die alte Holzhütte in den Hügeln. Bulats nützlichste Eigenschaft bleibt aber ihre Stimme, mit der sie sich so angenehm durch all den Glanz jubelt, summt und tiriliert, dass sich Gemütlichkeit kurz mal gar nicht wie der Tod anfühlt.



Sunflower Bean: Human Ceremony (PIAS/Fat Possum/Rough Trade)

© PIAS/Fat Possum/Rough Trade)

Sunflower Bean schließlich glänzen am liebsten im Dunkeln. Das sehr junge Trio wird durch die geschmackvoll gentrifizierten Kellerclubs von Brooklyn gereicht, vor allem von jenen, die es damals bei The Velvet Underground nicht direkt gemerkt haben und den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen wollen. Die Band traumrauscht währenddessen durch surfigen Shoegaze und Garagenkrach.

Am aufregendsten sind die Momente, in denen Julia Cummings ihre hübsche Kopfstimme wegzippt, damit sie nicht an der nächsten Verzerrungswand zerbricht. Immer wieder stürzt sich das Album Human Ceremony so von loopigem Psychpop in stürmischen Krawall, nur um anschließend unversehrt und nahezu unschuldig wieder von vorn anzufangen. Ach, noch mal jung sein!