Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist tot. Der Cellist, Dirigent und Spezialist für alte Musik starb am Samstag im Alter von 86 Jahren, wie seine Familie am Sonntag mitteilte. Harnoncourt sei nach einer schweren Erkrankung friedlich im Kreis seiner Familie entschlafen, hieß es in einer Erklärung der Familie. "Trauer und Dankbarkeit sind groß. Es war eine wunderbare Zusammenarbeit", schrieb seine Frau Alice im Namen der Verwandten. Harnoncourt hatte sich erst im Dezember aus gesundheitlichen Gründen vom Dirigentenpult zurückgezogen.

Der 1929 in Berlin geborene und in Graz aufgewachsene Spross eines luxemburg-lothringischen Adelsgeschlechts studierte Cello in Wien und wurde 1952 bei den dortigen Symphonikern aufgenommen. 1953 gründete er mit seiner Ehefrau Alice Hoffelner und Orchesterkollegen den Concentus Musicus Wien. Das Ensemble verschrieb sich einer Aufführungspraxis, die auf Originalinstrumenten dem ursprünglichen Klang von Renaissance- und Barockmusik so nahe wie möglich kommen wollte. Bahnbrechend waren seine Einspielungen von Monteverdi-Opern und Kantaten von Johann Sebastian Bach.

Gegen heftigen Widerstand des etablierten Musikbetriebs sorgte Harnoncourt so für eine Blüte des werkgetreuen Musizierens. Später wandte sich der Spezialist für Renaissance- und Barockmusik auch der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts zu.

1972 begann Harnoncourt auch zu dirigieren. 1975 startete die langjährige Zusammenarbeit mit dem Concertgebouw Orchester in Amsterdam. 1983 debütierte er am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker, 1984 bei den Wiener Philharmonikern, 1987 an der Wiener Staatsoper und 1992 bei den Salzburger Festspielen. Als Gastdirigent zahlreicher Spitzenensembles zählte Harnoncourt zu den weltweit angesehensten Orchesterleitern. 2001 und 2003 dirigierte er das zum Weltereignis gewordene Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Als Autor viel beachteter Bücher und als Dozent versuchte Harnoncourt außerdem, seine Einsichten über Musik zu vermitteln. 20 Jahre lang unterrichtete er als Professor für Aufführungspraxis an der Musikuniversität Mozarteum in Salzburg.