Das Bundesverfassungsgericht urteilt heute zum Urheberschutz im Hip-Hop und im Rap. Verhandelt wird in Karlsruhe ein jahrelanger Streit zwischen der Elektropop-Gruppe Kraftwerk und dem Rapper, Produzenten und Komponisten Moses Pelham. Die Musiker streiten vor Gericht darüber, ob Pelham 1997 ohne Erlaubnis einen zweisekündigen Rhythmus aus dem Kraftwerk-Titel Metall auf Metall kopieren durfte. Diesen Ausschnitt hatte er als Beat in Endlosschleife unter das von Sabrina Setlur gesungene Lied Nur mir gelegt. Diese Übernahme von kurzen Tonsequenzen aus anderen Songs nennt man Sampling, was elementarer Teil von Hip-Hop-Musik ist.

Während der Verhandlung berief sich Pelham auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Kunstfreiheit schützt. Wenn er grundsätzlich nicht sampeln dürfe, könne es seine Kunstform nicht geben, sagte er. Unter zehn Tonträgern seit 1989 enthielten seiner Meinung nach neun ein Sample.

Kraftwerk-Gründungsmitglied Ralf Hütter wirft Pelham allerdings Diebstahl geistigen Eigentums vor. Unter Kollegen hätte es sich gehört, vorher anzurufen, hatte er im November in der Verhandlung in Karlsruhe gesagt. Vor dem Bundesgerichtshof erreichte er 2012 in letzter Instanz, dass der Setlur-Song nicht mehr vertrieben werden darf. 

Dagegen haben Pelham und Setlur Verfassungsbeschwerde eingelegt. Etliche Produzenten und Musiker haben sich angeschlossen, darunter die Sängerin Sarah Connor, der Rapper Bushido und der Reggae-Musiker Gentleman. Sie wollen erreichen, dass die Interpretation fremder Beats in neuem musikalischen Kontext ohne Genehmigung möglich bleibt. Sie sehen Hip-Hop als Musik sonst grundsätzlich gefährdet.

Vor dem Urteil warnte der Bundesverband Musikindustrie vor einer Aufweichung branchenüblicher Standards. "Sollte durch die Entscheidung der Eindruck entstehen, 'Kunstfreiheit sticht immer', könnte das Folgen haben, die über den konkreten Streit weit hinausreichen", sagte Geschäftsführer Florian Drücke. Das sei Wasser auf die Mühlen derer, die sagen, im Internet solle alles erlaubt sein.

Aus Sicht des Verbands, der nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent des deutschen Musikmarktes vertritt, sind solche Streitfälle selten. In aller Regel gebe es eine Einigung zwischen den betroffenen Künstlern, und zwar vor dem Sampling. "Jetzt wird daraus leider eine Grundsatzdiskussion gemacht, die in die falsche Richtung führen kann", sagte Drücke. Er befürchtet eine Entwertung des kreativen Schaffens, sollte sich Pelham durchsetzen.