Jaki Liebezeit ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Der Schlagzeuger der Band Can erlag einer Lungenentzündung, wie seine Band auf ihrer Facebookseite schrieb: "Er ist friedlich eingeschlafen im Kreise seiner Lieben. Wir werden ihn unglaublich vermissen." Sein jahrelanger musikalischer Wegbegleiter Burnt Friedman bestätigte ZEIT ONLINE den Verlust.

Liebezeit hatte Can 1968 gemeinsam mit Irmin Schmidt, Holger Czukay, David C. Johnson und Michael Karoli gegründet. Er nahm sämtliche Studioalben mit Can auf. Gemeinsam mit der Band Neu! prägte die Gruppe in den 1970er Jahren eine avantgardistische Spielart des westdeutschen Rock. In Großbritannien nannte man sie Krautrock. Sie bezog komplizierte Harmonien und elektronische Effekten mit ein, orientierte sich auch an Jazz und Klassik und wurde zum Vorreiter von New Wave und Elektropop. Liebezeits Schlagzeugkunst war berühmt für ihre nahezu technoide Exaktheit und Reduziertheit – damit prägte er auch die Kollegen von Kraftwerk.

Can sei von Anfang an ein bunt zusammengewürfelter Haufen gewesen, sagte sein Kollege Czukay mal in einem Interview. Alle hätten wild drauflos gespielt. "Dann bestand Jaki, der so etwas wie unser Trainer war, darauf, dass alle sich reduzierten. So entstand dann plötzlich ein gemeinsamer Sound", sagte er. "Alles, was nicht einen Bombenrhythmus hatte, wurde sofort den Löschköpfen zum Fraß vorgeworfen."

Vor seiner Zeit bei Can war Liebezeit als Jazzmusiker tätig. Er spielte unter anderem mit Chet Baker und arbeitete in den späten 1960er Jahren in Westdeutschland mit dem Manfred-Schoof-Quintett. Er war auf Brian Enos Before and After Science zu hören und auch auf den Soloalben des Musikers Michael Rother von der Band Neu!.

Später arbeitete er unter anderem mit Robert Coyne, Holger Mertin und Hans Joachim Irmler. Er kollaborierte mit Depeche Mode und Eurythmics und gründete Schlagzeugerensembles wie Drums Off Chaos und Club Off Chaos. Unter dem Namen The Can Project sollte er gemeinsam mit Irmin Schmidt und Malcolm Mooney im April für ein Konzert anlässlich des Bandjubiläums wieder auf der Bühne stehen.