Es ist vollbracht: Nach zehnjähriger Bauzeit ist die Hamburger Elbphilharmonie mit einem Festakt und einem Konzert eröffnet worden. Zwar ist das Gebäude bereits seit November teilweise öffentlich zugänglich. Aber sein Herz, der große auf Federn gelagerte Saal, wurde jetzt erstmals dem Praxistest unterzogen. Dabei musste sich zeigen, ob die Ausgaben von knapp 800 Millionen Euro sowie die Detailversessenheit der Akustiker und Architekten tatsächlich zu einem Musikerlebnis beitragen konnten, das auf der Welt einzigartig sein soll.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte beim Festakt direkt vor dem Konzert, aus der Elbphilharmonie könne das werden, was viele Hamburger sich wünschten: "Das Wahrzeichen einer weltoffenen, vielfältigen Metropole – und ein Juwel der Kulturnation Deutschland".

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in der Konzertpause von einem fantastischen Konzertsaal. Es sei ein beeindruckender Abend. "Eines Tages werden wir alle sehr stolz sein, dass auch zu unseren Zeiten mal etwas gebaut wurde, wo Menschen vielleicht in 50 und 100 Jahren noch sagen: Guck mal, das war damals im Jahr 2017 am 11. Januar."

Zur Eröffnungsfeier wurden 2.100 Gäste geladen, darunter Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, der Architekt Jacques Herzog und der Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter sprachen beim Festakt. Mit Betonpollern, Sprengstoff-Spürhunden und vielen Einsatzkräften sicherte die Polizei die Eröffnung ab.

Das erste Konzert in dem großen Saal mit der besonderen Innenverkleidung durfte das NDR Elbphilharmonie Orchester, der NDR Chor und der Chor des Bayerischen Rundfunks unter Leitung des Chefdirigenten Thomas Hengelbrock geben. Zum Auftakt stand Pan auf dem Programm, das erste Stück der Sechs Metamorphosen nach Ovid des englischen Komponisten Benjamin Britten. Bei den ersten Klängen war der Saal in Schwarz getaucht. Draußen begann parallel ein zur Musik passendes Lichtspektakel auf der Außenfassade.

Der Abend stand unter dem von Richard Wagner entliehenen Motto Zum Raum wird hier die Zeit und umfasste Stücke von der Renaissance bis in die Gegenwart. Der bedeutende zeitgenössische Komponist Wolfgang Rihm hatte für diesen Anlass das Werk Reminiszenz komponiert, das seine Uraufführung erlebte. Abgeschlossen wurde das Programm mit dem Finalsatz aus Beethovens 9. Sinfonie und dessen Schlusschor Freude schöner Götterfunken


Zeitgleich zum Konzert wurde die Musik optisch umgesetzt und als Lichtinstallation auf die Außenfassade der Elbphilharmonie übertragen. Am 12. Januar wird das Konzert noch einmal wiederholt.

Die sogenannte Gläserne Welle auf einem alten Kaispeicher an der Spitze der Hamburger HafenCity wurde schon vor der Eröffnung als Architekturwunder und Jahrhundertbau gefeiert. Der Saal mit 2.100 Plätzen ist ähnlich wie die Berliner Philharmonie nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Dank des akustischen Konzepts des Japaners Yasuhisa Toyota sollen die Besucher auf allen Plätzen gleich gut hören können. Neben dem großen Konzertsaal umfasst das Gebäude noch einen kleinen Konzertsaal, ein Hotel mit 244 Zimmern und 44 Eigentumswohnungen.

Der Grundstein für die Elbphilharmonie wurde am 2. April 2007 gelegt, ursprünglich war die Eröffnung für 2010 geplant. Bauverzögerungen und Kostensteigerungen machten den Bau zum Politikum. Die durch Steuern getragenen Kosten stiegen von 77 auf 789 Millionen Euro. Mittlerweile haben bereits 500.000 Menschen die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe besucht, die seit dem 5. November geöffnet ist. Die erste Konzertsaison bis Anfang Juli ist nahezu ausverkauft. Das NDR Elbphilharmonie Orchester wird rund 30 Prozent aller Konzerte im großen Saal bestreiten.

Eine Aufzeichnung des Eröffnungskonzerts ist am 15. Januar ab 17.40 Uhr auf arte und am 21. Januar ab 20.15 Uhr auf 3sat zu sehen.

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