Die Spendenbereitschaft der Hamburger war von Anfang an groß. Michael Ottos Vorbild schlossen sich nach 2005 andere an, etliche mit Millionenbeträgen. Darunter die hanseatischen Immobilienkönige Helmut und Hannelore Greve, nach denen nun ein Foyer benannt ist. Am Ende mussten 77 Millionen Euro von Mäzenen zur Deckung der Baukosten aufgebracht werden, neun Prozent der Gesamtsumme. Helmut Greve gehört zu denen, für die das Projekt zu lange auf sich warten ließ. Er starb im vergangenen Sommer.

Über die Selbstlosigkeit eines solchen Engagements herrscht allgemein Uneinigkeit. Doch die Bedeutung von Mäzenen nimmt über die Elbphilharmonie hinaus zu. Der Staat wendet etwa zehn Milliarden Euro jährlich für Kulturaufgaben auf. Die Summen privater Geldgeber belaufen sich Schätzungen zufolge auf eine Milliarde Euro.

Mäzene würden sich "Denkmäler" errichten, sagte der Reeder Peter Krämer einmal. Sie gründen Stiftungen, um Kapitalerträge der Steuer vorzuenthalten und in ihre Leidenschaften zu stecken. Ihr gutes Recht, aber ein bisschen egoistisch.

In Else Schnabels Villa gibt es vieles doppelt. Vor dem Fernseher stehen zwei bequeme Sessel, zwei kleinere an einem Teetischchen und auch zwei gepolsterte Armstühle vor den großen gepanzerten Terrassenfenstern, paarweise arrangiert. Wie überflüssig sie sich als Einzelne vorkommen mag. Die Elbphilharmonie und die Beschäftigung mit anderen Projekten geben ihrem Alltag etwas, das wichtig ist.

Das erste Halbjahr ist ausverkauft, 480.000 Tickets

Dass nun selbst Freunde aus dem fernen Amerika sich bei ihr erkundigen, wie weit der Bau gediehen sei, ob sie hingehe und ob sie selbst kommen dürften, zeigt ihr, dass die "schmutzige Hafenstadt" nun anders wahrgenommen werde in der Welt. Es sind Leute aus New York, die wie sie selbst eine Wohnung im Trump Tower besitzen. Diese Menschen reisten nach Sydney, London, Mailand, Berlin. Die Hansestadt hatten sie bislang links liegen lassen. Sie war kein Gesprächsstoff gewesen.

Jetzt prophezeit der Chefdirigent der Hamburger Staatsoper Kent Nagano, dass die "Elphi" der "beste Konzertsaal der Welt" werde. Längst sind sämtliche 480.000 Karten für das erste Halbjahr ausverkauft. Die führenden Orchester verhandeln um Konzerttermine.

Else Schnabel hat den Behörden längst alle erforderlichen Daten für den Festakt durchgegeben. Der Bundespräsident und die Kanzlerin haben ihr Kommen zugesagt. Else Schnabel wird wie gewöhnlich von ihrem Fahrer im Maybach zu dem Ereignis kutschiert. Sie wolle bereits nachmittags vorfahren, meint sie. Denn mag sie auch gezögert haben, diesmal will sie zu den Ersten gehören.