Köln muss ja auch mal in Führung gehen. Köln kann ja nicht immer nur den Spott auf sich ziehen. Köln ist ja für mehr gut als für bundesweites Kopfschütteln, sei es über den Einsturz des Stadtarchivs oder die legendäre Silvesternacht. Am vergangenen Samstag hat Köln im Verein mit dem Land Nordrhein-Westfalen der Republik mal gezeigt, was es auch ist: eine Hauptstadt der Kultur, die Berlin und Hamburg locker hinter sich lässt.

Köln übernimmt die Führung im Jazz, einer musikalischen Sparte, die in ganz Deutschland von großer Bedeutung ist. Festivals gibt es landauf, landab. Viele sind sehr gut besucht wie das alljährliche Jazzfest in Bonn oder das in Berlin. Es gibt phantastische Talente, aufregende Platten, Clubkonzerte, letzthin auch ein jüngeres Publikum. In der medialen Wahrnehmung spiegelt sich das kaum wider, weil Radio und Fernsehen sich vor anspruchsvoller Musik drücken. Und so hat es der Jazz vielerorts schwer, wenn es um die öffentliche Förderung von Spielstätten und Auftritten geht.

Mit dem kleinen Loft und dem großen Stadtgarten verfügt Köln über gleich zwei Spielstätten von internationalem Rang, die – da hier ständig Platten aufgenommen werden – selbst vielen Jazzfreunden bekannt sind, die noch nie in der Stadt waren. Das Loft wurde 2016 vom Londoner Guardian zu den zehn besten Jazzclubs Europas gezählt, der Stadtgarten erfährt jetzt noch höhere Weihen.

400 Konzerte im Jahr

Die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen fördern das Haus vom kommenden Jahr an zu gleichen Teilen mit einem jährlichen Zuschuss von insgesamt 600.000 Euro. Ziel ist es, ein "Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik" zu schaffen, das die internationale Szene mit den lokalen Musikern verknüpft – für ein Publikum aus Köln und aller Welt.

Damit enteilt Köln sowohl Berlin, wo über die Schaffung eines Jazzhauses gerade erst nachgedacht wird, als auch Hamburg, das jetzt zunächst einmal die Elbphilharmonie abstottern muss. Das beachtliche Elbjazz-Festival hat man in Hamburg vergangenes Jahr einfach ausfallen lassen. Einstweilen versucht man sich mit der Echo-Jazz-Verleihung zu trösten, deren Möchtegern-Grandezza weder hollywoodesk noch hanseatisch ist, sondern einfach nur peinlich.

Stadt und Land am Rhein hingegen prämieren eine Spielstätte, die Musiker über Jahrzehnte hinweg unter nicht immer einfachen Bedingungen etabliert haben.

Gerade hat der Stadtgarten sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Auf drei Bühnen finden im Jahr an die 400 Konzerte statt, viele davon sind ästhetisch anspruchsvoll. Dabei regiert kein Purismus. Populäre Veranstaltungen helfen, neues Publikum anzulocken und – in Zusammenarbeit mit der Gastronomie – die Kasse des Hauses zu füllen. Pop und Flammkuchen befördern das musikalische Experiment in einer Mischkalkulation, die über die Zeit ganz gut funktioniert hat.

Eine Million Euro beträgt das jährliche Budget des Hauses, wie dessen Künstlerischer Leiter Reiner Michalke bei einer Pressekonferenz am Samstag wissen ließ, an die 300.000 Euro davon sind bisher aus öffentlichen Quellen gekommen. Dieser Anteil wird nun verdoppelt und zugleich verstetigt und ermöglicht mehr von dem, was im Fokus des Kulturhauses steht.