Die geplante Veröffentlichung von bisher unveröffentlichten Songs des vor einem Jahr gestorbenen Popstars Prince ist gerichtlich gestoppt worden. Ein Bundesrichter im US-Bundesstaat Minnesota erließ eine einstweilige Verfügung, wonach das Kurzalbum mit dem Titel Deliverance nicht wie geplant an diesem Freitag auf den Markt gebracht werden darf.

Die Klage hatten Prince' Geschwister eingereicht. Sie werfen dem Toningenieur und Musikproduzenten George Ian Boxill vor, mit der geplanten Veröffentlichung der Songs gegen eine Vereinbarung zu verstoßen. Boxill habe sich verpflichtet, dass Prince-Lieder "im ausschließlichen Besitz" des Musikers bleiben sollen. Die Aufnahmen befänden sich "unrechtmäßig in seinem Besitz"; Boxill wolle sie schlicht "ausschlachten". Das Gericht folgte dieser Argumentation.

Boxill wollte die EP pünktlich zum ersten Todestag von Prince herausbringen. Angekündigt wurden sechs Lieder, die er zwischen 2006 und 2008 mit dem Musiker aufgenommen hatte. Dazu gehört der Titeltrack Deliverance ebenso wie ein vierteiliges Medley und eine Langversion des Songs I Am.

Für den Toningenieur ist die Veröffentlichung auch die Weiterführung von Prince' Auflehnen gegen die Musik- und Vermarktungsindustrie: Seit den neunziger Jahren arbeitete der Sänger ohne Plattenlabel. "Prince sagte mir einmal, dass er nachts im Bett ständig darüber nachdenkt, wie er seine Musik an den großen Labels vorbei direkt an die Öffentlichkeit bringen könne", so Boxill in einer Pressemitteilung. Die Songs bei einem unabhängigen Label zu veröffentlichen, hätte Prince wohl gutgeheißen, mutmaßt Boxill, der die neue EP zusammen mit dem kleinen kanadischen Musiklabel RMA herausbringen wollte.

Der Musiker war am 21. April 2016 leblos auf seinem Anwesen Paisley Park in der Nähe von Minneapolis gefunden und kurz darauf für tot erklärt worden. Als Todesursache wurde eine Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl festgestellt. Prince starb im Alter von 57 Jahren.