Portugal hat zum ersten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Sänger Salvador Sobral landete mit seinem Lied Amar Pelos Dois beim Finale in Kiew mit 758 Punkten deutlich vor den Kandidaten aus Bulgarien und Moldau auf dem ersten Platz. Mit einer von seiner Schwester geschriebenen Jazzballade gewann der Portugiese die Wertungen von Jury und Zuschauern. Nach seinem Sieg plädierte er dafür, wieder "Musik, die etwas bedeutet", anstelle von oberflächlicher Musik in den Vordergrund zu stellen.

Deutschland enttäuschte nach den zwei letzten Plätzen der Vorjahre erneut. Starterin Levina wurde mit ihrem Lied Perfect Life Vorletzte und war dabei nur einen Punkt besser als Schlusslicht Spanien.

Überschattet wurde der bunte, eigentlich unpolitische Wettbewerb vom Konflikt zwischen dem Gastgeberland Ukraine und Russland. Der russischen Kandidatin Julija Samoilowa wurde wegen eines Auftritts auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim die Einreise in die Ukraine verwehrt.

Präsident Petro Poroschenko sagt ESC-Besuch ab

Nach neuer blutiger Gewalt in der Ostukraine hatte Präsident Petro Poroschenko kurz vor Beginn der Show seinen Besuch beim ESC abgesagt. "Wegen des Beschusses in Awdijiwka und des Todes friedlicher Einwohner habe ich diese Entscheidung getroffen", teilte das Staatsoberhaupt per Facebook mit. Zuvor hatte das Militär mitgeteilt, dass vier Zivilisten bei einem Artillerieangriff prorussischer Separatisten in der Industriestadt getötet wurden. Ein Bewohner des Wohngebietes wurde schwer verletzt.

Seit mehr als drei Jahren bekämpfen sich Regierungstruppen und von Moskau unterstützte Aufständische in der Ostukraine. Knapp 10.000 Menschen sind UN-Angaben zufolge in dem Konflikt gestorben. Das ESC-Finale fand rund 600 Kilometer vom Frontgebiet entfernt statt.

In Kiew gab es rund um das internationale Ausstellungszentrum, in dem der ESC über die Bühne ging, strenge Sicherheitsvorkehrungen. Hunderte Polizisten und die Nationalgarde bewachten die Straßen. Zufahrtswege waren mit Betonblöcken geschützt.

Im vergangenen Jahr hatte die Kandidatin Jamala mit 1944 – einem Lied über das Schicksal der Krimtataren – gewonnen und so den ESC in die Ukraine geholt. Die Rockgruppe O.Torvald (Time) zog in diesem Jahr für den Gastgeber direkt ins Finale ein. Auch Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien waren als größte Geldgeber, die Big Five, bereits für das ESC-Finale gesetzt.