Der Sänger der US-Rockband Linkin Park, Chester Bennington, ist tot. Das teilte die Gerichtsmedizin im Bezirk Los Angeles mit. Demnach wurde der 41-Jährige in seinem Haus bei Los Angeles gefunden. Der zuständige Rechtsmediziner Brian Elias sagte, Benningtons Tod werde als mutmaßlicher Suizid behandelt. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. 

Ein Anruf aus dem Haus des Rockers in Palos Verdes Estates sei am Donnerstagmorgen (Ortszeit) bei der Polizei eingegangen, hieß es. "Schockiert und untröstlich", beschrieb Bandkollege Mike Shinoda in einem Tweet seine Gefühle nach der Todesnachricht. Bennington war sechsfacher Vater und in zweiter Ehe verheiratet. Ende Juli wollte die Band auf Tournee gehen, bis November waren Konzerte in den USA, Kanada und Japan geplant. 

Bennington hatte in der Vergangenheit offen über seine Depressionen und Suchtprobleme gesprochen. In Interviews gab er auch an, als Junge von einem älteren Bekannten sexuell missbraucht worden zu sein. 

Linkin Park verkauften mit einer Mischung aus Hardrock, Hip-Hop und Rap Millionen Alben. Allein ihr Debütalbum Hybrid Theory aus dem Jahr 2000 verkaufte sich zehn Millionen Mal. In Deutschland schaffte es die Band mehrfach in die Top Ten, unter anderem mit dem Stück Numb/Encore, das Linkin Park gemeinsam mit dem US-Rapper Jay-Z aufgenommen hatte.

Erst im Mai hatte die 1996 in Los Angeles gegründete Band ihr neues Album One More Light auf den Markt gebracht. Es war ihr siebtes Studioalbum. In der Single Heavy singt Bennington schwermütig über seine Gedanken. Im Refrain fragt er, warum alles so schwer sei. Balladen (One More Light) stehen neben eingängigem Poprock (Talking To Myself) oder gefühliger Akustikgitarre (Sharp Edges).

Die Rockband schlug damit sanftere Töne an als in früheren Jahren. Das brachte ihr auch Kritik von Fans ein. Sein Ziel sei nie gewesen, möglichst viele Platten zu verkaufen oder Stadien zu füllen, sagte Bennington im Mai im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Unsere Absicht ist, Musik zu machen, die wir lieben."

Erstmals hatte die Band die Aufnahmen nicht mit musikalischen Proben begonnen, sondern mit Gesprächen. "Worüber mache ich mir Gedanken? Was ist für mich gerade am wichtigsten?", seien Fragen dieser Gespräche gewesen, aus denen sich die Ideen für neue Lieder ergeben hätten: Depression und Tod, aber eben auch das manchmal banale Familienleben mit Kindern. Hast du die Zähne geputzt? Wo ist dein Rucksack? "Das ist ein typischer Tag, wenn du Kinder hast", sagt Bennington. Aber dies seien auch Themen, die vor 15 Jahren niemand in der Band verstanden hätte. 

Zahlreiche Wegbegleiter äußerten sich bestürzt. "Chester war einer der nettesten Männer, die ich in meiner Show hatte", schrieb Star-Moderator Jimmy Kimmel auf Twitter. "Man wird ihn schrecklich vermissen." In einer Mitteilung würdigte die Recording Academy, die alljährlich die Grammy-Trophäen verleiht, die Verdienste des zweifachen Grammy-Preisträgers. Er sei ein "Held des Hard Rock" mit einer enormen Stimmbreite und einer starken Bühnenpräsenz gewesen.