© Sub Pop

Iron & Wine: Beast Epic (Sub Pop)



Es gab einmal – vielleicht gibt es sie auch noch, aber der Tonfall unverdienter Nostalgie passt gut zu diesem Album – eine Facebookseite namens ernsthafte junge Männer, auf der mit spöttelnder Zärtlichkeit die Eigenarten dieses oft bärtigen Typus gesammelt wurden. Inzwischen, so ist anzunehmen, sind diese Männer wenigstens nicht mehr ganz so jung, aber es ist noch nicht zu spät, den Singer-Songwriter Sam Beam zu ihrem Anführer zu erklären.
 Der als "Iron & Wine" auftretende Beam – der Name entstand, wie viele Dinge, bei einem Supermarktbesuch – sitzt seit Beginn seiner Karriere zwischen allen Korbstühlen. Nicht verwurzelt genug für Americana, nicht merkwürdig genug für Weird Folk, nicht schmachtend genug für Kerzenschein. Auch auf seinem Album Beast Epic dümpelt er herum. Kein Boden unter den Füßen, aber auch kein Kopf in den Wolken, nur schmerzhaft unironisches Alltagsgesinge ohne wirklich schneidende und stechende Zeilen, dafür mit einigen unangenehm eingängigen Melodien. Die großen Fragen der Zeit werden jedenfalls nicht durch Iron & Wine entschieden.


 


© Jagjaguwar

Gordi: Reservoir (Jagjaguwar)


Die Suchoption Sounds like... ist großer Fluch und großer Segen jeder jungen Musik. Die Australierin Gordi bringt einen ganzen Packen Erwartungshaltung mit. Das fängt beim Namen an, der an eine junge Popsängerin aus Ozeanien erinnert, und geht mit den Credits ihres Debüts Reservoir weiter, das von Tim Anderson produziert wurde, einem der beiden Hausproduzenten von Banks. 
Gleich vom ersten Atem an macht Gordi deutlich, dass sie nicht in diese Fußstapfen treten, sondern eigene hinterlassen will. Es ist das ganz große Thema, dem sich Gordi widmet: Liebe in Zeiten der Kälte, denen sie etwas Wärme entgegen setzen will. Die emotionalen Konflikte unter ihren Texten sind an der Grenze der Schmucklosigkeit, und sollen genau daraus Pathos schöpfen.
 Gordis eigentliches Schlachtfeld ist ihre Stimme, die sie digital verzerrt, mit sich selbst koppelt und dann, in den rohsten Momenten, ganz nah an ihre Hörer bringt. Die vermeintlich großen Pop-Momente und die Talkbox-Sample-Exzesse stoßen sich gegenseitig etwas ab. Das Ergebnis ist kein belebend widerspenstiges Album, sondern einfach ein blasses.





© Matador

Queens of the Stone Age: Villains (Matador)




Eins der mehr oder minder offenen Geheimnisse der Rock-Geschichte ist ja, dass das Album Fun House der Stooges ohne den Einfluss von James Brown nicht denkbar wäre, und ohne Fun House wiederum Generationen von riff-lastigem Rock nicht. Dazu zählt auch die Band Queens of the Stone Age, deren Kopf Josh Homme als Produzent dem Oberstooge Iggy Pop zu einem großen Spätwerk verhalf. Zwischendurch versuchte sich Homme solo in den Desert Sessions an der Verbindung von Funk und Rock. Aber erst jetzt schließt sich der Kreis: als Produzent für ihr siebtes Album Villains hat sich die Band aus Kalifornien Mark Ronson ins Studio geholt, den Hit Uptown Funk im Hinterkopf.
 Da sind wir, je nach Sicht, direkt drin in der Geschichte lebendiger Musik mit Vergangenheitsbewusstsein oder im Herz der Finsternis, im muffigsten Winkel lebloser Nostalgie-Acts. Die Band selbst will mehr sein als Aushängeschild für den verzweifelten Traum, dass Gitarren noch etwas bedeuten. Die Arbeit mit Ronson ergab sich aus dem Wunsch, tanzbare Musik zu machen. Ronson bringt weniger Funk als vielmehr Glam und Disco mit: T. Rex und Ziggy-Bowie sind die Bezugsgrößen. Die Riffs sind durch Plastik-Produktion verwässert, die Tanzbarkeit gleicht einem Laufband auf niedrigster Stufe. Und wenn beides doch zusammenkommt, klingt das Album nur wie etwas, das in einem schlechten Matrix-Sequel aus dem Jahr 2003 in einer Clubszene laufen könnte. Das Ergebnis ist tatsächlich scheußlicher als es regressiver Rockisten-Rock je sein könnte.





© Silver Cross Records

Shelby Lynne & Allison Moorer: Not Dark Yet (Silver Cross Records)




Wo wir gerade bei Musikgeschichte sind: die Sängerin Shelby Lynne ist so etwas wie der missing link zwischen Nashville und Memphis. Als Teil der Pop-Country-Welle in den späten Neunzigern war sie kurz oben und gewann einen Grammy als beste neue Künstlerin, um dann nicht zu fallen, sondern einfach im guten Mittelfeld ihre Musik zu ihren Bedingungen zu machen, darunter ein Tribut-Album für Dusty Springfield. Ihre jüngere Schwester folgt nicht ihrem Weg, sondern steht tiefer im Alternative Country.
 Auch ihr erstes gemeinsames Werk ist ein Cover-Album. Die Schwestern haben sich Songs aus allen Genres gewählt, Klassiker und deep cuts, die vor allem eine gewisse Nähe zum Tod eint. So bringen sie Lungs von Townes Van Zandt, Lithium von Nirvana und eben Not Dark Yet von Bob Dylan in ihre geschmackvolle Akustik-Country-Welt.
 Niemand käme auf die Idee, hier nicht gelegentlich von Kitsch zu sprechen. Interessant ist, was funktioniert und was nicht: aus My List der Killers holen sie allen Gospel heraus, den sie finden können, aber über Into My Arms von Nick Cave stolpern sie. Am Ende stehen ein paar gelungene Cover und, vielleicht wichtiger, ein paar interessante Fehlschläge da, die genausoviel über die Neuinterpreteten wie über die ursprünglichen Künstler verraten.