ZEIT ONLINE: Ihr neues Album heißt Diaspora und Sie, Abdi, rappen im Titelstück: "Auf die Frage, ob ich Deutscher bin, kann ich in jedem Fall sagen, dass ich gerne in Deutschland bin." Was hält Sie davon ab, sich als Deutscher zu bezeichnen?

Abdi: Die Deutschen. Weil sie mir nicht das Gefühl geben wollen, dass ich ein Deutscher bin. Die Marokkaner in Marokko sagen ja, dass ich ein Deutscher bin.

Celo: Er ist ein Deutscher mit Migrationshintergrund. Fertig. Er ist kein Deutscher. Er ist Marokkaner mit deutschem Pass.

Abdi: Ich bin Marokkaner.

Celo: Er wird nie ein Deutscher sein.

Abdi: Ich kann es nicht.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Abdi: Die Deutschen wollen das Deutschsein für sich behalten und ich will es ihnen auch irgendwie lassen. Man möchte etwas für sich haben, etwas, mit dem man sich persönlich identifizieren kann. Ich will nicht sagen, dass alle deshalb Nazis sind.

Celo: Das Hauptproblem ist, dass jede Kultur Angst hat …

Abdi: … von einer anderen Kultur gegessen zu werden.

Celo: Genau. Aber wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Kulturen vermischt sind. Jetzt gibt es …

Abdi: … eine Halb-Iranerin und Halb-Mexikanerin mit einem amerikanischem Pass …

Celo: … aber an einem dritten Ort. Man trifft sie nicht in Mexiko oder im Iran …

Abdi: … sondern auf den Bahamas …

Celo: … und da entsteht eine ganz andere Kultur.

ZEIT ONLINE: Ihre Eltern kamen aus Bosnien und Marokko. Sie beide sind in Deutschland geboren, bezeichnen aber Deutschland als einen Ort der Fremde. Warum fühlen Sie sich hier fremd?

Abdi: Weil wir als Fremde bezeichnet werden und das uns eingetrichtert wurde. Wir befinden uns im Konflikt darüber, ob wir nun Fremde sind oder nicht.

Celo: Sobald ich in irgendeiner Behörde bin und mein rollendes R rauskommt …

Abdi: … oder in der Diskothek …

Celo: … denken die Menschen: "Das ist kein Deutscher." Die Gesellschaft ist voreingenommen.

Abdi: Man muss es akzeptieren und damit umgehen können.

ZEIT ONLINE: Einerseits beschreiben Sie ernste Themen wie Migration, dann rappen Sie 199 Sekunden über rillé – ein Frankfurter Idiom für Drogen- und Alkoholrausch. Wie passt das zusammen?

Celo: Rap beschreibt verschiedene Lebenssituationen, ob Diaspora oder rillé. Beide gehören zu uns. Die Frage ist: Wären wir so, wenn wir in unserer Heimat aufgewachsen wären? Nein. Das hier ist die Diaspora.

ZEIT ONLINE: Nur in der Diaspora lungern Sie mit einer Whiskey-Cola-Dose auf den Straßen herum?

Celo: Genau. Wir beschreiben das Leben der Einwanderer hier in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Ist das auch die Lebenswelt Ihrer Zuhörer?

Abdi: Wir sind ja wie unsere Zuhörer. Wir leben doch für sie. Wenn Abdi im Videoclip auf Alkohol ist und am Rad dreht, dann gucken sie sich das vom Laptop aus an, schlürfen ihren Kakao, gehen schlafen und denken sich: "Abdi hat schon für mich getrunken, das reicht mir auch. Ich selbst würde es nicht machen, denn ich bin vernünftig."