Nach der umstrittenen Verleihung des Echos an die Rapper Kollegah und Farid Bang zieht sich der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, aus dem Beirat des Musikpreises zurück. Er wisse zwar, dass der Gangsta-Rap auf Provokation und Grenzüberschreitung angelegt sei, sagte Höppner. Aber die Texte der beiden Rapper finde er "widerlich".

Höppner kritisierte zudem die Entscheidung des Beirats, der sich in diesem strittigen Fall für die Einladung der Rapper zur Preisverleihung entschieden hatte. Die künstlerische Freiheit werde in dem entsprechenden Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt sei, begründete der Rat die Entscheidung vor der Veranstaltung. "Diese Entscheidung war ein Fehler", sagte Höppner nun.

Vergangenen Donnerstag hatten die beiden Rapper für ihr Album Jung, brutal, gutaussehend 3 einen Echo erhalten. Das Album wird als antisemitisch und frauenverachtend kritisiert. Auch die Vergabe am 12. April – dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden während des Holocaust erinnert wurde – sorgte für Empörung.

Künstler geben Preise zurück

Aus Protest gegen die Echo-Verleihung reagierten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler mit der Rückgabe ihrer Auszeichnungen. Der Dirigent Enoch zu Guttenberg sagte, keinen Preis zu wollen, der auch "Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten" verliehen wird. Er würde es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis zu besitzen. Zuvor hatten bereits der Klassik-Preisträger Notos Quartett und der Musiker Klaus Voormann entschieden, ihre Preise nicht zu behalten.

Der jährlich verliehene Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis. In den meisten Kategorien richtet sich die Verleihung nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauffolgenden Juryabstimmung. Mittlerweile kündigte der Bundesverband der Musikindustrie als Veranstalter an, das Konzept zu überarbeiten.