Oh Urs, was für eine Story! Ich kenne das dazugehörige Buch leider nicht. Aber der Plot ist stark. Bücher! Ich liebe sie. Ich liebe es insbesondere, Antiquariate zu durchsuchen.

Vor wenigen Tagen war ich auf einem dieser schönen Bücherflohmärkte in Mainz, der Buchdruckerstadt, und entdeckte ein Faksimile des enzyklopädischen "Weinbuchs" von Wilhelm Hamm, erschienen 1865 (ein grandioses Jahr, nebenbei, wie auch 1864, jedenfalls was die Qualität des Bordeaux betrifft. Der 1865er Lafite, den ich vor wenigen Jahren probieren durfte, zeigte sich in bester Verfassung!). Über den Agrarwissenschaftler Hamm gäbe es noch viel zu erzählen, Märzliches zum Beispiel, stattdessen sei jedoch eine Passage aus der Einleitung seines Weinbuchs zitiert, in der er die Wirkung des Weingenusses beschreibt: "Die geistigen Getränke beleben vorzugsweise die Einbildungskraft. Die Steigerung dieser Tätigkeit hat eine Erleichterung der Ideenverbindung, eine Schärfung des Gedächtnisses zur Folge. Auch die Sinne werden in ihrer Empfänglichkeit geschärft, die Eindrücke werden schnell und klar wahrgenommen. Das Urteil wird leichter gebildet, weil die Tatsachen, aus denen es geschöpft wird, durch die lebendige Vorstellung und das geweckte Gedächtnis näher beisammen liegen. Daher in Dingen, welche keine lange, besonnene Prüfung erfordern, die Klarheit und Bestimmtheit des Urteils, die uns oft selbst überrascht. Gewandter als sonst spricht man in fremden Sprachen. Die Erleichterung der Denkbewegungen, die Beweglichkeit der Vorstellungen ist von großer Leichtigkeit aller willkürlichen Muskelbewegungen begleitet; die Stimme wird voller und kräftiger; die Müdigkeit und Abspannung verschwindet. So entsteht ein Gefühl von Wohlbehagen und Lust, von erhöhter Kraft und neugestähltem Mut, das auch die geistigen Verstimmungen, Sorge, Gram und Furcht, verscheucht. Fremde Angelegenheiten finden mehr Teilnahme und Nachsicht, die man umgekehrt auch bei anderen erwartet. Um diese zu vermehren, spricht man mit Selbstvertrauen von sich, und nicht nur bereits geleistetes, sondern auch künftige Unternehmungen werden mit Selbstgefälligkeit ausgeplaudert."

Tja, der Hamm. In diesem Buch finden sich alsdann detaillierte Beschreibungen des Weinbaus in aller Welt, Überseeisches eingeschlossen. Vergessene Rebsorten tauchen wieder auf, und manch alter Bekannter wird treffend eingeschätzt – 1865! So heißt es über den Nebbiolo: "ein delikater Wein mit Himbeerparfüm, zuckerreich, doch aber angenehm pikant schmeckend." Wohl wahr, und das leitet nun absichtsvoll zu ein paar Verkostungsnotizen über. Nebbiolo lässt nämlich nicht nur den großen Barolo und seine benachbarten Verwandten entstehen, sondern auch kleinere, feine Weine. Dies hatte kürzlich der "Feinschmecker" in einer Blindprobe von 59 Weinen aus den Jahren 1999 und 2000 demonstriert; das Ergebnis stand im Novemberheft. An dieser Probe habe ich teilgenommen, und für alle, die sich für die Details interessieren, kommen nun, zum guten Schluß, meine Notizen über jene Nebbiolo-Weine, die ich für trinkbar hielt. Zunächst die 2000er, in absteigender Qualitätsreihenfolge.

Sehr gelungen:

2000 Nebbiolo d' Alba "Parigi", Mauro Sebaste: Vielversprechendes, noch zurückhaltendes Bouquet. Im Geschmack deutliche Frucht, Tiefe, Harmonie. Kraftvolle Tannine, langer Nachhall. Ausgesprochen gelungen, wenngleich nicht regionaltypisch.

2000 Nebbiolo d’Alba "San Pietro", Emilio Marsaglia: Dunkles Violett, Baumkuchenbouquet, kraftvoll, noch verschlossen.

Hochinteressant: