Hilferuf
Gero von Randow isst auf Reisen. Leider schlecht. Darum bittet er um Ratschläge von Ihnen
Reisen ist schön, speisen ist schön, aber die Kombination ist ausgesprochen problematisch. Der Autofahrer wird von sogenannten Raststätten in die Falle gelockt, der Flugzeugpassagier von Stewardessen gequält, und im Zug schwankt unsereins zwischen der Scylla ausgepackter und muffender Butterbrote und der Charybdis der Essenskarikaturen im Speisewagen.
Muss das so sein? Bleiben wir im Zug, nur diesmal soll es ein japanischer sein. Dort geht es folgendermaßen zu: Die Tür zum Großraumwagen öffnet sich, eine junge Dame erscheint, spricht etwas Japanisches, verbeugt sich und bietet jedermann und jeder Frau ein allerliebstes Körbchen an, ein "Bento" eben, mit fein verpackten und ansehnlichen Bissen, die schmecken und nicht riechen. Mancher möchte kein Bento kaufen, denn er hat schon eins: Es gibt sie an jedem Bahnhof. Was haben wir an unseren Bahnhöfen? Weithin riechende Croissants, Würste, sowie Käsebrötchen. Die sind merkwürdigerweise auch mit Tomate und Salat belegt. Die Tomate dient dazu, den Käse auszulaugen und in Matsch zu verwandeln, der Salat wiederum soll das Verspeisen erschweren. Ach ja, und dann kann man Aal- oder Krabbenbrötchen bekommen sowie allerhand mehr, das als Reiseproviant nicht taugt, weil es - wie die notorischen hartgekochten Eier - olfaktorisch belästigend wirkt.
Ich habe vieles versucht, um bei Bahn- und Flugreisen auf genussvolles Essen nicht verzichten zu müssen. Es ist mir nicht gelungen. Und deshalb richte ich meine ganze Hoffnung auf die Leser dieser Kolumne: Was tun? Bitte schreiben Sie an randow@zeit.de
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