Beaujolais wird von vielen Weinkennern verachtet. Das mag daran liegen, dass sie sich an die schweren, komplizierten und allzu oft anstrengenden Rotweine gewöhnt haben, die das obere Preissegment bevölkern.Was ihnen verloren geht, ist der Genuss leichter, frohgemut zu trinkender und feiner Weine, wie eben Beaujolais.

Wenn er denn gut ist.

Das ist er meistens nicht.

Aber es ist ja niemand gezwungen, die Nouveau -Plörre zu trinken. Es existieren zu unserem Glück die Grands Crus wie Moulin-à-Vent oder Morgon, Fleurie nicht zu vergessen und weitere mehr, die zu explorieren sich unbedingt lohnt. Sie entstehen südlich der Bourgogne, eben im Beaujolais, und zwar sämtlich aus der niedrig wachsenden Gamay-Traube, die allerdings auch in der Touraine angebaut wird.

Die Besonderheit des Beaujolais ist nicht zuletzt die Methode der Weinbereitung, die so genannte maceration carbonique , in Deutschland als Kohlensäuremaischung bekannt und hier und da auch angewandt - eine Methode, deren Ergebnis sich stets an dunkelviolett glänzenden Rotweinen mit Veilchen- und gegebenenfalls Bananenduft erkennen lässt. Das Prinzip der Beaujolais-Methode besteht darin, die unversehrten kompletten Trauben in einen flachen Behälter zu applizieren, der so lange mit Kohlensäure begast wird, bis aller Sauerstoff vertrieben ist. Unter diesen Bedingungen nun wird ungefähr zwei Wochen lang innerhalb der Zellen des Fruchtfleisches ein wenig Zucker in Alkohol umgewandelt sowie etwas Apfelsäure abgebaut. Durch wen? Durch Hefen, die durch kleine Poren und Risse der Beerenhaut in die Frucht eindringen und dort ihr segensreiches Werk verrichten. Sie extrahieren auch Farbstoffe und tun was für’s Aroma. Ein wenig verbliebener Restsauerstoff hilft ihnen auch noch dabei. Allmählich bildet sich in dieser anaeroben Welt eine Maische. Die oben schwimmenden Beeren werden farblos, und nun zieht der Winzer den Most ab, um ihn schnell zu vergären.

So entstehen die guten Weine aus dem Beaujolais. Die meisten, die schlechten, werden großindustriell hergestellt und wir wollen sie noch nicht einmal aus der Ferne betrachten, nicht wahr?

Trinken sollte man die guten leicht gekühlt (ja doch, glaubt es mir), weshalb sie im Sommer sehr wohl der Erfrischung dienen können. Mein Tipp: 2003. Großartiges Jahr, aber leider sehr kleine Ernte wegen Windüberfällen und Hagelkatastrophen - der Wein ist wunderschön geraten, aber etwas teurer (freilich: Beaujolais kostet nicht die Welt). Ansonsten beschaffe man sich bald die 2004er und trinke sie in den kommenden zwei Sommern.