»Ich sitze im Restaurant, soll den Wein probieren, kann aber nicht sagen, ob er korkt - weil ich gar nicht genau weiß, wie das schmeckt. Woher auch? Erklärt einem ja keiner«
Zahlreiche Leser und Leserinnen



Liebe Leser,

Nur Mut! Im Restaurant bezahlen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht. Schmeckt der Probeschluck fies, dann ist es Ihr gutes Recht, es dem Kellner mitzuteilen. Das hat mit Korkgeschmack erst einmal nichts zu tun. Zwar gibt es viele verschiedene Weinvorlieben, aber ein ordentlicher Wein schmeckt niemals unangenehm sauer oder sonstwie eklig. Finden Sie den Wein ungenießbar, dann hat er mit hoher Wahrscheinlichkeit einen der vielen möglichen Fehler, für den aber mitnichten Sie verantwortlich sind.

Dieser Fehler liegt in der Mehrzahl der Fälle am Korken. Halten Sie sich an die Regel, dass der Wein vermutlich korkig ist, sobald er irgendwie mufft. Aber Sie müssen sich nicht darauf festlegen, wenn Sie reklamieren. Sagen Sie einfach: "Ich fürchte, dieser Wein ist fehlerhaft. Was meinen Sie, liegt es am Korken?"

Nützlich ist es gleichwohl, sich ein für allemal den Korkgeschmack zu merken. Es ist übrigens kein echter "Korkgeschmack", sondern der eines mikrobiellen Stoffwechselprodukts namens Trichloranisol. Irgendwann werden Sie einmal dabei sein, wenn eine Weinrunde sagt: "Eindeutig korkig". Das ist Ihre Gelegenheit! Versäumen Sie es nicht, den abgelehnten Wein gründlich zu erschnüffeln und zu probieren. Sie werden das Erlebnis nicht mehr vergessen.

Manchmal reicht einem der Kellner den soeben aus dem Flaschenhals gedrehten Korken, damit Sie ihn prüfen. Das ist aber so lange sinnlos, solange Sie kein ausgesprochener Fachmann sind. Außerdem ist es kein gastronomisches Highlight, an so einem Dings zu riechen. Lassen Sie den Stopfen lieber unbeachtet. Nur der Wein zählt.

In guten Restaurants nimmt der Weinkellner vorher einen Probeschluck. Das sollte Sie nicht beeindrucken: Gibt Ihnen der Mann einen Wein, der unfroh stimmt, dann hat er einen Fehler gemacht, nicht Sie.
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