»Darf ein Mann den obersten Hosenknopf offen lassen, wenn die Hose mal wieder unbequem spannt?«
Thorsten Fischer, Köln

Lieber Thorsten Fischer,

Da mag man denken: Der arme Mann - soll er doch den Hosenknopf öffnen, wenn es ihm nach dem Essen zu unbequem wird. Wozu sich schließlich quälen? Er kann ja dafür sorgen, dass je nach Anlass ein Pullover oder das Hemd, beim Stehen sogar die Jacke, so über den Bund fällt, dass niemand seine Not mit ansehen muss. Keiner möchte, dass er leidet. Darin sind wir uns einig.

Sie ahnen sicher, dass ich noch weitere Anmerkungen hinzufügen möchte. Sie stellen das Verhalten - Knopf offenlassen in der Öffentlichkeit - in Frage; deswegen schreiben Sie uns. Sie wissen oder ahnen zumindest, dass es über offenstehende Hosenbünde unterschiedliche Meinungen geben kann. Des weiteren stehen Sie offensichtlich regelmäßig vor dem Problem. Das lässt sich aus Ihrer Formulierung "mal wieder" herauslesen. Wenn man wollte, könnte man nun schließen, Sie wissen von einer persönlichen Unart, hätten aber gerne, dass Sie von der Öffentlichkeit nicht als solche wahrgenommen wird - darin vielleicht dem Niesen ähnlich.

Es ehrt Sie, dass Sie sich nicht einfach über die möglichen Gefühle Ihrer Mitmenschen hinwegsetzen wollen. Den Hosenknopf offen lassen geht dennoch nicht. Dabei spielt die Möglichkeit - und sei sie noch so gering - eine entscheidene Rolle, dass er gesehen werden könnte. Und vom Niesen unterscheidet sich das Knopföffnen in der Bewusstheit des Vorgangs. Wenn Sie nun schon fürchten müssen, dass Ihnen - nach dem Restaurantbesuch beispielsweise - regelmäßig der Bauch zwickt, dann ziehen Sie doch eine Hose an, die lockerer sitzt. Oder überprüfen Sie, ob Sie künftig nicht einfach eine Konfektionsgröße höher nehmen sollten.

Nun mag jemand einwenden, den offenen Knopf sähe doch keiner (dass ihn keiner sehen will , liegt an den Assoziationen, die er hervorrufen würde). Dazu kann man jetzt moralphilosophische Betrachtungen anstellen - oder ein drastisches Beispiel anführen: Getragene Unterwäsche sieht man auch nicht.

Ihre Wenke Husmann
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