»Wie sieht es mit der sommerlichen Kleiderordnung für Männer in Unternehmensbereichen aus, in denen ein Anzug nicht Pflicht ist?«,
fragt ein Leser

Lieber Leser,

die Frage mag im ersten Moment leicht wie eine Sommerbrise erscheinen. Doch das Problem ist knifflig, und indem Sie es eingrenzen, kommen Sie auch direkt auf den Kern des Problems: den Mann. Frauen können im Sommer tragen, was Sie wollen, solange sie ein paar Regeln beachten: Sie sollten besonders gepflegt bleiben (leider oft stiefmütterlich behandelt: die Füße) und manche Hautpartien besser von Stoff umflattern lassen (Bauchnabel, Brustansatz ...). Schwankungen ergeben sich hier durch Alter und Firmengepflogenheiten.

Den Mann wollen wir heute gewissermaßen von unten her betrachten und mit den Schuhen beginnen, denn alles, was man hier veranschaulichen kann, gilt exemplarisch für den Rest der Erscheinung. Streitfall Sandale. Ob diese Schuhe zulässig sind oder nicht, hat weniger etwas damit zu tun, wie viel vom Fuß zu sehen ist, was man vermuten könnte - Damen können problemlos Riemchensandalen tragen -, sondern vielmehr mit dem Kontext (wie so oft in unserer Kolumne). In welchen Situationen wird der Schuh üblicherweise getragen? Eine schmale Ledersandale ist für den Männerfuß auch unter dem Schreibtisch tragbar, eine Klettverschlusssandale hingegen nicht, weil letztere nicht nur aussieht wie ein recycelter Autoreifen, sondern an Trekking im australischen Outback denken lässt und nicht ans Büro. Aus demselben Grund sind im Herbst auch Wanderstiefel tabu.

Darüber hinaus entscheidet über das Schuhwerk natürlich der engere Kontext, sprich die restliche Kleidung. Sandalen - und seien sie noch so City-like - passen nicht zum Anzug. Niemals.

Kommen wir zu den Hosen. Der heiße Tipp sind kühle Stoffe. Unsere Bekleidungsindustrie hat da in den vergangenen Jahren einiges an technischen Fasern entwickelt, die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren und Luft durchlassen. Aber auch Klassiker wie Baumwolle, Viskose und selbst Wolle wurden in ihrer Garn- und Webtechnik so verfeinert, dass sie zu regelrechten Kühlaggregaten geworden sind und wenig knittern.

Es müssen also keine kurzen Hosen sein. Wer sie dennoch will, sollte gut abwägen, ob Position, Firmenkultur und Selbstbild mit ihnen vereinbar sind. In jedem Fall sollte der Stoff aber mindestens bis zum Knie reichen. Dann muss man - wie beim Schuh - das richtige Stück wählen; also keine abgezippte Bermuda , sondern eine knielange Bundfaltenhose (wozu meines Erachtens im Übrigen ganz hervorragend auch noch Sakko und Krawatte passen würden. Hat was mit dem Spiel der Kontraste zu tun, sieht man nur leider bei uns selten).