Geschmacksfrage Stopfen oder Saugen?
»Wie esse ich korrekt Spaghetti? Ich würde sagen, nur mit einer Gabel ohne Löffel. Aber was passiert, wenn mehrere Spaghetti länger sind und aus dem Mund hängen? Abbeißen, aufsaugen oder mit der Gabel versuchen, sie in den Mund zu drücken?«
,
fragt
A. Verdonck aus Lüdenscheid
Lieber Herr oder liebe Frau Verdonck,
auf manche Geschmacksfragen gibt es keine korrekte Antwort, und dies droht so ein Fall zu sein. Aber von vorne. Sie haben recht damit, dass man Spaghetti nur mit der Gabel isst. Der alte Kniff, sie mit der Gabel auf dem Löffel zu drehen, ist aus der Mode gekommen. Denn mit ein wenig Übung tut es der Tellerrand anstelle des Löffels genau so. Hier gilt das Gesetz der Ökonomie: Vermeide unnötiges Gefuchtel.
Das Problem ist nur, dass in beiden Fällen das Ergebnis der Dreherei unvollkommen bleibt. Gabeln sind einfach nicht gemacht für Spaghetti. Und so geschickt man sich auch anstellt, ein Nudelende steht meistens über. Dann bleiben nur die drei Auswege, die Sie nennen; und jeder hat seine Tücken. Beim Abbeißen benutzt man das Gebiss als Schere. Die durchgebissenen Nudelreste fallen vom Mund zurück auf den Teller oder bestenfalls auf die Gabel. Signal: Da kann einer nicht essen.
Etwas zivilisierter wirken die Einsauger, zu denen auch der Verfasser dieser Zeilen gehört. Gleichwohl ist vor den Nachteilen zu warnen: der Geräuschentwicklung, den Soßenspritzern und der dämlichen Miene, die man beim Unterdruckerzeugen nun einmal macht. Signal: Da spielt einer mit Lebensmitteln.
Das kleinste Übel ist wohl das Nachschieben mit der Gabel. Dabei allerdings weist man dem Werkzeug während des Arbeitsgangs eine neue, primitivere Aufgabe zu. Aus der Spindel wird eine Schaufel. Das ist, als würde einer mit dem Nussknacker auf die Nuss eindreschen, weil er sie nicht eingespannt bekommt. Signal: Da wollte sich einer mit seiner Fingerfertigkeit aufspielen, aber ganz gereicht hat es dann doch nicht.
Offenbar haben uns unsere Manieren in eine Sackgasse geführt. Wechseln wir also die Richtung. Es gibt Menschen, die essen Spaghetti mit dem Messer. Sie schneiden ein paar Mal kreuz und quer durch die Spaghetti, bis sie so kurz sind wie Spätzle und entsprechend leicht zu verzehren. Wir verachten diese Spielverderber und stützen uns dabei auf das Gesetz der Unökonomie: Mach es dir nicht zu leicht.
Damit sind wir beim Grundwiderspruch angelangt: Wir lieben Spaghetti, weil sie schwer zu essen sind; schwer fallen soll es aber nur den anderen. Bei diesem Manierenwettstreit kommt man also nie ans Ziel. Es bleibt ein stetes Ringen. Genauer gesagt: ein Stopfen, Saugen und Spucken. Viel Glück dabei!
Ihr
Michael Allmaier
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- Datum 14.07.2007 - 04:43 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Hier meine veraltete, aber sehr praktische und unerwähnte Variante: Spaghetti mit der Gabel auf dem Löffel aufdrehen, aber dann Gabel herausziehen und die aufgerollten Spaghetti vom Löffel essen. Normalerweise stehen keine Spaghetti über, und ein weiterer Vorteil ist, dass man "Hardware" wie Krabben oder Hackfleischbällchen und sogar etwas Soße mitaufnehmen kann, um einen abgerundeten Bissen zu erhalten.
So kenne ich es auch und es ist sehr praktisch. Auf den Löffel zu verzichten, weil es "aus der Mode" ist, halte ich für einen verzichtbaren Kniefall vor dem "gôut du jour".
Dieses Problem tritt nur auf, wenn man sich nicht die Muße nimmt Spaghetti langsam und genußvoll zu essen.
Wenn man nämlich nur wenige Nudeln auf der Gabel aufrollt und das Kneul dadurch relativ klein ist, passt es als ganzes mit samt der Enden in den Mund und es muss weder ein Nachsaugen, Abbeißen oder Nachschieben geschehen.
Es ist also nicht die Frage danach, was man tut wenn es soweit gekommen ist, sondern wie man eben jene Situation verhindern kann.
Also den Löffel in den Mund nehmen geht schonmal gar nicht - zumindest wenn man sich in Gesellschaft befindet, in der die Leute ein "Knigge-Abo" haben.
Die Regel ist da nämlich ganz eindeutig: Der Löffel ersetzt das Messer. Also kommt der Löffel in die rechte Hand (ja, das Drehen mit der linken Hand muss man üben) und damit ist auch das Löffel-in-den-Mund-nehmen ein absolutes Tabu.
Ob der Löfel in die rechte oder die linke Hand kommt ist eine Frage der Händigkeit. Ich als Linkshänder halte das Messer in der linken und die Gabel in der rechten Hand. Dies tue ich auch in Gesellschaft, da ich der Gesellschaft ein Massaker auf dem Tisch ersparen möchte. Allerdings kann ich ihnen dabei zustimmen, dass der Löffel außer beim Essen einer Suppe nicht in den Mund gehört. Siehe mein Kommentar.
Man muss nur die Nudelmenge reduzieren die auf einmal in den Mund soll. Dann klappt es auch mit der Gabel. Natürlich gilt wie immer, dass Übung den Meister macht.
Ob der Löfel in die rechte oder die linke Hand kommt ist eine Frage der Händigkeit. Ich als Linkshänder halte das Messer in der linken und die Gabel in der rechten Hand. Dies tue ich auch in Gesellschaft, da ich der Gesellschaft ein Massaker auf dem Tisch ersparen möchte. Allerdings kann ich ihnen dabei zustimmen, dass der Löffel außer beim Essen einer Suppe nicht in den Mund gehört. Siehe mein Kommentar.
Man muss nur die Nudelmenge reduzieren die auf einmal in den Mund soll. Dann klappt es auch mit der Gabel. Natürlich gilt wie immer, dass Übung den Meister macht.
Ob der Löfel in die rechte oder die linke Hand kommt ist eine Frage der Händigkeit. Ich als Linkshänder halte das Messer in der linken und die Gabel in der rechten Hand. Dies tue ich auch in Gesellschaft, da ich der Gesellschaft ein Massaker auf dem Tisch ersparen möchte. Allerdings kann ich ihnen dabei zustimmen, dass der Löffel außer beim Essen einer Suppe nicht in den Mund gehört. Siehe mein Kommentar.
Man muss nur die Nudelmenge reduzieren die auf einmal in den Mund soll. Dann klappt es auch mit der Gabel. Natürlich gilt wie immer, dass Übung den Meister macht.
Also ich habe seit 1993 meinen Wohnsitz in Italien und esse nur auswärts (mein Kühlschrankl ist ein reines Modeaccessoire, weil leer).
Außerdem geört es zu meinen Aufgaben (als zur schreibenden Zunft gehörend) Leute zu beobachten - auch beim Essen.
Ich habe die Feststellung gemacht, daß die meisten Italiener nur die Gabel zum "Handling" der Spaghetti benutzen und bei ihrem endgültigen Verzehr eine Mischtaktik aus Saugen, Stopfen und Drücken anwenden.
Jede dieser Tatiken hat natürlich etwas "Animalisches" an sich, aber wir sollten uns damit trösten, daß eben dies sozusagen "spaghettiinhärent" ist.
Herrschaften, ihr habt Probleme.. ich drehe ohne Löffel solange bis nüscht übersteht oder stört oder spritzen oder kleckern kann und dann wird die Portion gegessen. Auch gerne mal ohne Serviette und ohne Unfall. Und in Ruhe. Üben macht den Meister.
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