»Eine der ungemütlichsten Formen des Miteinander-Essens ist m. E. das Buffet. Leider lässt sich eine Teilnahme nicht immer vermeiden, was bei mir unvermeidlich zu folgendem Dilemma führt: Es bereitet mir körperliches Unbehagen, sitzen zu bleiben, wenn sich eine Frau am Tisch erhebt. Andererseits lässt es sich nicht koordinieren, dass man immer gleichzeitig aufsteht, um nachzufassen. Was also tun? Sitzenbleiben oder ständiges Aufspringen während des Essens?« ,
fragt M.D.

Lieber Herr D.,

Buffets vereinen einen Vorteil mit Nachteilen. Letztere aufzuzählen dauert, es sind ihrer viele. Etwa die hohe Anforderung an unsere soziale Intelligenz, den eigenen Vorteil nicht vollkommen zu vergessen und dennoch nicht gierig zu erscheinen. Oder das unästhetisch zerrissene Aussehen der Speisen, nachdem die erste Attacke gegen sie gewütet hat. Und allzu oft der Spiritusgeruch der Heizflammen. Überdies eignen sich nur wenige warme Gerichte für Buffets, und viele kalte oxidieren oder trocknen an, nachdem sie eine Zeit lang herumgestanden sind.

Der von Ihnen erwähnte Nachteil ist indessen nur die Kehrseite des einen Vorteils, den Buffets bieten, nämlich dass es keine feste Sitz- und Speiseordnung gibt. Dieses anarchische Element erlaubt einer Gesellschaft, sich immer wieder neu zu durchmischen und zu konfigurieren, außerdem passt es zu Tanz oder diskreten Auszeiten des einen oder anderen Pärchens. Dieser Formlosigkeit sich nicht zu fügen und also stets aufzuspringen, wenn eine Dame aufsteht oder anrückt, ist unangemessen und wirkt daher albern.

Es gibt eine Variante, den "russischen Service" (also das Nacheinander anstelle des Nebeneinanders der Speisen) mit der Beweglichkeit des Buffets zu kombinieren: das Stakkato. An normalen und an Stehtischen gruppiert sich die Gesellschaft nach Belieben neu, während aus der Küche schön nacheinander immer wieder kleine Gänge und Getränke gebracht und herumgereicht werden. Das ist personalaufwendiger als ein Buffet. Aber wenn Sie die Kosten nicht scheuen, winkt Ihnen, wenn auch alles andere stimmt, ein ungezwungenes und doch kultiviertes Fest.

Ihr
Gero von Randow
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