Geschmacksfrage Mein Freund, der Flegel
»Ein Freund von uns hat leider keine vorzeigbaren Tischmanieren. Wir machen uns Gedanken, welchen Eindruck er etwa bei einem Geschäftsessen hinterließe. Wir fragen uns nun: Weist man ihn darauf hin, und wenn ja, dann wie?«,
fragt
Sabine Weigand
aus Darmstadt
Liebe Frau Weigand,
höflicher ist es zu schweigen. Tischmanieren sind ja nicht die Menschenrechte, sondern ein ziemlich willkürliches Regelwerk. Wir selbst folgen ihm, weil es uns gefällt oder wir schlicht dran gewöhnt sind. Das gibt uns nicht das Recht, andere zu missionieren. Denn jemandem sagen, dass wir seine Manieren nicht mögen, das heißt notwendig: ihn kränken. Und auch wenn wir meinen, es geschehe zu seinem Besten, sind doch eher wir es, die sich jene Peinlichkeiten ersparen wollen, von denen er ja offenbar nichts merkt. Darum empfehlen Benimmbücher gerne, solche Fehler zu ignorieren.
Dieser Standpunkt ist ehrenwert, aber lebensfremd. Das Vergessen aus Taktgefühl ist den meisten Menschen leider nicht gegeben. Im Gegenteil. Wenn wir einmal wissen: Einer frisst wie ein Schwein, dann schauen wir umso gebannter hin. Erst verstohlen, dann offen mit angewiderter Miene. Irgendwann wechseln wir mit anderen Blicke und merken, dass wir nicht mehr auf der Seite unseres Freundes stehen. Wir laden ihn seltener ein, reden hinter seinem Rücken. An so etwas können Freundschaften zerbrechen.
Besser also, Sie reden beizeiten mit Ihrem Freund, wenn es Ihnen denn ein Bedürfnis ist und wenn Sie meinen, dass Hoffnung besteht. Und bei der Suche nach den passenden Worten bedenken Sie eins: Das Problem ist nicht sein schlechtes Benehmen, sondern Ihr Unvermögen, es zu übersehen.
Ihr
Michael Allmaier
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- Datum 19.11.2007 - 05:34 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 16.11.2007
- Kommentare 2
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Wenn der "Nahestehende" sich selbst mit seinen Manieren schaden kann, etwa in seiner beruflichen Karriere, ist man als echter Freund verpflichtet, ihn mit konstruktiver Kritik darauf hinzuweisen. Der Umfang der "Belehrung" hängt nun davon ab, wieweit er sich in gesellschaftliche Konventionen hinein bewegen muss (Geschäftsessen); entsprechend ist eine Anpassung erforderlich. Dass man nicht ins Tischtuch rotzt und sich nicht mit der Gabel kämmt, ist allgemein akzeptierter Verhaltenskodex, weitere Benimmregeln komplizieren sich mit dem gesellschaftlichen Anspruch, wobei es sich somit lediglich um eine quantitatives Problem handelt.
denn eine Zeit war es ja cool so unkonventionell wie irgend moeglich zu sein.Danke,Bitte und andere Hoeflichkeiten sind dabei abhanden gekommen.Auch wenn ich sehe wie manche Leute im Restaurant mit ihrem Besteck hantieren krieg ich das Grausen. Mit solchen Manieren tut sich keiner einen Gefallen.Man sollte einem guten Freund wirklich die Wahrheit sagen ueber sein Benehmen und was es reflektiert.
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