Lebende Kirche
Der Weidendom in Rostock ist das größte lebende Naturkunstwerk der Welt. Und nicht nur seine Fassade ist lebendig: Kindergottesdienste, Eine-Welt-Projekte und Konzerte machen die "grüne Kathedrale" zum Ort der Begegnung und der Lebensfreude
Marcel Kalberer schmunzelt, wenn er von den vielen Pärchen
erzählt, die sich bei den Arbeiten an seinen Projekten wie dem Rostocker
"Weidendom" gefunden haben. "Lebensfreude, Solidarität und Freundschaft - darum
geht es bei meiner Arbeit", sagt der 55-jährige Architekt, "Und manchmal wird
daraus sogar Liebe." Der "Weidendom" ist eine der Attraktionen auf der
Internationalen Gartenausstellung 2003 (IGA). Im Auftrag der evangelischen und
katholischen Kirchen Norddeutschlands bauten über 650 Freiwillige aus 13
Nationen innerhalb von zwei Monaten die grüne Kathedrale. Ohne maschinelle Hilfe
schnitten sie Weidenruten aus der Umgebung, schnürten sie zu 30 cm dicken
Bündeln zusammen und pflanzten sie nach den Anleitungen Kalberers zu dem
weltweit größten lebendigen Bauwerk zusammen.
"Unsere Gesellschaft hat ein gewaltiges Potential an ungenutzter Kreativität", sagt Kalberer mit Blick
beispielsweise auf die Solidarität beim Oderhochwasser und die große Anzahl an
Freiwilligen bei seinen eigenen Projekten. "Die Menschen wollen nicht einfach
passiv daneben stehen, wenn ihnen Experten Gebäude vor die Nase setzten. Sie
wollen gebraucht werden und sie wollen zu ihren Freunden sagen können: guck mal,
da habe ich mitgemacht!"
- Datum 24.02.2009 - 12:26 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT
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