Rose schlüpft in ihr Kostüm und grinst. "Das Kostüm ist praktisch, weil es gut mit meinem Körper mit wächst, schön dehnbar. Die Borten habe ich dran genäht, um es ein bisschen aufzupeppen." Sie schnürt die Eislaufschuhe fest um die Füße, die Kufen sind noch Handarbeit, erzählt sie und hebt einen Fuß, um den eingravierten Schriftzug von Weltmeister Karli Schaefer zu zeigen. Konzentriert läuft sie sich warm, führt Sprünge und Pirouetten vor.

"Jedes Jahr werden die Bewegungen kleiner, das ist klar. Manchmal träume ich in der Nacht, so zu tanzen wie damals, Leute auf der Eisfläche schauen bewundernd zu und klatschen. Das Geträumte nehme ich am Tag mit aufs Eis und versuche mich dem anzunähern. Aber darum geht es nicht, wichtig ist mir die Freude, die ich dabei empfinde, die bleibt.

Eislaufen ist für mich die schönste Bewegung, die es gibt. Müheloses Gleiten, Sprünge und Drehungen. Man ist nahe daran zu fliegen und vom Fliegen träume ich, seit ich ein Kind bin. Im Traum spaziere ich in der Natur, plötzlich fühle ich mich leichter und leichter werden, staune, ach, jetzt kannst du fliegen. Ich hebe ab, gleite über hügelige Landschaften und sehe Häuser von oben, drehe und wende mich in Wellen, es ist wie bei Peter Pan. Mein Vater hatte denselben Traum."

Später lädt Rose uns auf einen selbst gemachten Eierlikör ein und dreht eine Pirouette rückwärts: "Damals, als es in Berlin noch echte Winter gab, wurden die Tennisplätze in der Leibnitzstraße nachts mit Wasser besprengt. Am Tag war das Wasser zu einer wunderbaren Eisfläche gefroren. Meine Eltern trafen sich dort mit Freunden, tanzten Walzer auf dem Eis."