"Vor zwei Jahren", erzählt Frau Holtmann, "sprach mich eine Polin auf der Straße an. 'Ach, ist der süß.' Sie meinte meinen Hund . 'Beißt der?' Erster Fehler meinerseits", sagt Frau Holtmann, "nein, der beißt nicht, er ist ganz lieb. Die Polin wich nicht von meiner Seite und vor meiner Haustür angekommen, beging ich den zweiten Fehler, nur daran denkend, sie los werden zu wollen. 'Hier wohne ich, ich muss jetzt da hoch.'" Frau Holtmann rollt mit den Augen. "Ist doch klar, jetzt brauchte sie nur in einem der Geschäfte fragen, wer die Dame mit Hund ist. Sie hatte sich mir mit Namen vorgestellt, Wanda Sowieso. Am nächsten Tag klingelte sie Sturm. Ich fragte, was denn los sei."

Frau Holtmann ahmt den dramatischen Tonfall der Stimme nach, die durch das Haustelefon an ihr Ohr drang: "'Hier ist Wanda, wir haben uns gestern kennengelernt, mein Hund, der Benny, wird doch nicht etwas sterben? Sie haben bestimmt die Adresse von einem guten Hundearzt. Bitte geben Sie die mir doch!' Als ich ihr den Namen diktierte, tat sie so, als würde sie nicht verstehen und sagte: 'Ich komme schnell rauf.' Bums, stand sie vor meiner Tür. Bums, war sie in der Wohnung. Bums, wollte sie einen Kugelschreiber."

"Sie kam nur bis zur Küchentür. Ich behielt meine Handtasche mit den Papieren und Geld im Auge und dachte, da kommst du mir nicht hin. Sie schrieb und schrieb. Fragte umständlich nach - 'Fasanenstraße mit 'V' oder mit 'F'?' Nur nicht die Tasche aus den Augen verlieren, dachte ich. Sie hatte die Eingangstür offen gelassen, ich fragte: 'Wer ist denn da draußen? Da geht doch immer einer auf und ab?!' '‚Ja, das ist meine Freundin', antwortete Wanda, als wäre das normal, 'komm nur herein, bin gleich fertig', rief sie, bums war die auch hier drin. Nun waren sie zu zweit!"

"Die Zweite zieht ein großes Stück Stoff aus einer Tüte, kommt mir nahe und hält es mir ausgebreitet vor die Augen. 'Ist das nicht ein schöner Stoff', sagt sie, 'habe ich gerade gekauft!' 'Nehmen Sie den Stoff da weg!', ich werde laut, reiße ihn ihr aus den Händen, sie jammert, 'jetzt haben Sie meinen Stoff zerrissen!' 'Mir reicht es. Sie verlassen sofort meine Wohnung!' Überlege, wo ich das nächste Küchenmesser zu greifen kriege.

Ich war nun schon ein bisschen ängstlich. Sie wechselten ein paar polnische Worte und verschwanden. Ha, dachte ich, Tasche und Papiere sind gerettet. Der Hund hatte natürlich nett geschwiegen. Ich ging ins Schlafzimmer - was war denn da los! Der Schreibschrank stand sperrangelweit offen, Papiere lagen auf der Erde, das Geld war weg. Natürlich - ich begriff - da war eine Dritte gewesen. Als ich den Stoff vor den Augen hatte, muss die auf dem Boden entlang direkt ins Schlafzimmer gekrabbelt sein."