MODE-MACHER Nur nackte Haut ist schöner
Yves Saint Laurent verehrt den weiblichen Körper und erfand für ihn das Trapezkleid und den Smoking. Die Frauen dankten es ihm und ließen sein Haus weltberühmt werden
Yves Saint Laurent hat das Prêt-à-Porter wenn nicht erfunden, dann doch zur Selbstverständlichkeit gemacht. Er brachte die Kunst in die Mode und das Folkloristische, und er erfand den Smoking für die Frau. Als Yves Saint Laurent im Januar 2002 seine letzte Haute-Couture-Kollektion vorstellte, nahm mit ihm ein Designer seinen Abschied, der die Mode noch aus den Zeiten des Liniendiktats kannte. Saint Laurent hatte als Assistent des legendären Modemachers Christian Dior begonnen, der 1947 den New Look schuf und in jeder Folgesaison eine vollkommen neue Linie propagierte. Wie Dior entwarf Yves Saint Laurent seine Kollektionen stets im weißen Kittel – ein Purist bei der Arbeit.
Yves Saint Laurent wurde 1936 in Oran in Algerien geboren und besuchte in Paris die Ècole de la Chambre Syndicale de la Couture. Seine Karriere begann mit einem Preis des Internationalen Wollsekretariats, den er – gleichzeitig mit Karl Lagerfeld – für den Entwurf eines Cocktailkleids bekam. Im selben Jahr, mit 18 Jahren, begann er bei Christian Dior. Als der 1957 starb, wurde Saint Laurent sein Nachfolger. Die Trapezlinie war die erste Silhouette, die der schmale, junge Mann mit der gigantischen, dunklen Hornbrille für Dior propagierte: ausgestellt und weit weniger gepolstert als die Kreationen Diors, der stets mit Innenkonstruktionen gearbeitet hatte, unterschieden sich diese Entwürfe von den Figur betonenden Kleidern der Nachkriegsjahre. 1959 schlug Saint Laurent knapp kniefreie Röcke vor, und 1960 lancierte er den Beat Look: Strickmodelle mit Rollkragen und schwarze Lederblousons – für das Haus Dior schließlich Grund genug, sich von seinem Chefdesigner zu verabschieden.
Gemeinsam mit seinem Partner Pierre Bergé eröffnete Saint Laurent daraufhin 1961 seinen eigenen Couture-Salon, in dem er 1963 seine Mondrian-Minikleider vorstellte. 1966 eröffnet er eine Prêt-à-Porter-Boutique auf dem linken Seine-Ufer, dem weniger etablierten Paris: Yves Saint Laurent Rive Gauche. Im Gegensatz zur Couture, bei der jedes Modell eine Anfertigung ist, gibt es beim Prêt-à-Porter – übersetzt schlicht: "Zum Tragen bereit" – Größen, ein Unterschied, der sich im Preis niederschlägt und auch im Charakter der Mode: Der Modemacher rechnet hier mit einer jüngeren Trägerin.
Für sein erstes Herrenparfüm warb Saint Saint Laurent bis auf die Hornbrille nackt. Die Aufregung war riesig und erscheint heute bizarr. Ebenso Anstoß erregte der Name eines weiteren Dufts: Opium, für den das Model Kate Moss warb. Heute gehört das Modehaus YSL zum Gucci-Konzern, als Chefdesigner für das Prêt-à-Porter folgten Saint Laurent erst der Marokkaner Elber Albaz nach, dann der Texaner Tom Ford. Seit 2004 verantwortet der Italiener Stefano Pilati das Design. In den Entwürfe für den nächsten Winter lässt sich die Rückkehr zu den Archiven nachvollziehen, die Pilati von Anfang an betrieben hat: hellgraue, vorn überschlagene, schmale Röcke aus fester Wolle, dazu Blousonjacketts in Salz-und-Pfeffer-Tweed. Die Rückkehr zur Silhouette, von der derzeit die Rede ist, lässt sich auch bei YSL verfolgen. Das ist ganz in der Tradition Yves Saint Laurents, obwohl der einst sagte, das Schönste, was eine Frau tragen könne, sei ihre nackte Haut.
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- Datum 29.08.2006 - 04:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 1.8.2006
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