Wer Weinkenner in Deutschland nach der Hohen Gräte fragt, wird in ratlose Gesichter blicken. Das klingt mehr nach Küste und Hering als nach Wein und Berg. Auch von Karsdorf haben die meisten sicher noch nichts gehört. Dort, im Weinbaugebiet Saale-Unstrut, liegt der Rebgarten, der diesen Namen trägt und einen der besten Rotweine Mitteldeutschlands hervorbringt.

Zum zweiten Mal hat Uwe Lützkendorf aus Bad Kösen mit seinem Spätburgunder aus dieser Lage die gemeinsame regionale Vorentscheidung für die beiden kleinen Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen gewonnen. Auf den weiteren Plätzen folgen: Schloss Proschwitz aus Zadel und das Harzer Weingut Kirmann.

Während die Weine des Adelsgutes von Georg Prinz zur Lippe inzwischen fast schon zu den Klassikern gehören und sich einer wachsenden Beliebtheit in allen Teilen des Landes erfreuen, kommt der Drittplatzierte aus einer jener zahllosen kleinen Weinnischen, die es inzwischen verstreut überall im Norden Deutschlands gibt und die man mangels eines eigenen Qualitätsweinbaugebietes gesetzlich der Saale-Unstrut zugeschlagen hat. Wer weiß schon, dass am Südostrand des Harzes überhaupt Wein wächst und dazu noch ein derart kraftvoller Rotwein wie der von Kirmann.

Noch sind Rotweine aus der Sorte Pinot noir in den kleinen Anbaugebieten im Norden und Osten Deutschlands eher die Ausnahme. Aber sie sind stark im Kommen. In den vergangenen drei Jahren zeigten sie bereits ein erstaunliches und wachsendes Qualitätspotenzial dank engagierter Winzer wie Vater und Sohn Lützkendorf.

Udo Lützkendorf war zu DDR-Zeiten Leiter des volkseigenen Weingutes in Naumburg und nach der Wende einer der ersten, die Chancen der neuen Zeit zu nutzen. Bereits 1995 war er unter den ersten vier Ost-Gütern, die im Gault Millau bewertet wurden. Ein Jahr später erfolgte die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP). Inzwischen kam es zum Generationswechsel. Uwe, der Sohn, führt heute die Regie.