Damit eines klar ist: Weder Stiefmütterchen noch Primeln dürfen auch nur in die Nähe eines eleganten Balkons. Diese Blumen sind nicht sexy. (Geranien sind ein Spezialfall. Dazu später.) In den Baumärkten ist diese Erkenntnis aber noch nicht angekommen. Regalkilometer voll mit Primeln, Stiefmüttern, Ranunkeln.

Da hilft oft nur selber ziehen, im Gartenmarkt ist die Auswahl an Samen und Zwiebeln viel größer und modischer. Das bürgerliche Publikum zieht es hingegen zu Manufactum. Der Goldlack (Cheiranthus cheiri)überzeugt allein wegen seines Namens und auch Marienkäfermohn und Elfenschuh klingen so wunderbar "vintage". Vintage nennen sich Couture-Klamotten aus vergangenen Zeiten. Bei Pflanzen gilt nichts anderes — "historische Sorten" sind angesagt.

Aber Achtung, jetzt nicht einfach wild durcheinander säen oder pflanzen! Es geht hier um Stil auf dem Balkon, die private Outdoor-Lounge soll ja nicht nur für den Chill-, sondern auch für den Neid-Faktor sorgen.

 Nach einer Analyse des Instituts International Trendscouting (IIT) der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim ist im Einrichtungsstil und in der Mode der "Höhepunkt der starken Farbigkeiten und starken Kontraste überschritten". Knalliges Lila und Pink sind passé, weiche, reduzierte und Ton-in-Ton gehaltene Kombinationen angesagt.

Farbe wird also auf dem Balkon auf ein Minimum reduziert, da müssen die Frühlingsgefühle jetzt einfach mal unterdrückt werden. Zum Beispiel nur weiße und gerade noch zartblau blühende Pflanzen:  Schmuckkörbchen, Lavendel, Jungfer im Grünen. Noch einfacher: alle Kästen nur mit einer Sorte füllen: der "Balkonpflanze des Jahres: Die Sommerelfe blüht gleichzeitig in drei Farben: in Rot und zwei Gelbtönen. Andere Farben sind dann aber nicht mehr erlaubt! Ein bunter Sonnenschirm ist sowieso tabu.

Jetzt zur Geranie. Heikel. Die Grenze zur Spießigkeit ist so dünn wie ein Feigenblatt. Deshalb gehen bei Geranien nur neuste Züchtungen — auch hier nur weiche Töne, niemals Pink, Grellrot oder Orange! Das Rot muss so dunkel sein, dass die Blüte ins Schwarze geht. Oder wäscheweiß. Für die Geranie spricht, dass sie oft eine Pelargonie ist und damit eine südafrikanische Heilpflanze. Das kann man locker ins Gespräch einflechten.