Actimel-Joghurt Danone ändert Marketingstrategie

Der Lebensmittelhersteller Danone will seine Werbestrategie für Joghurt-Produkte ändern. Verbraucherschützer hatten den Konzern der "Werbelüge" bezichtigt.

Eine Testerin probiert im Versuchslabor einen Joghurt

Eine Testerin probiert im Versuchslabor einen Joghurt

Dem weltgrößten Joghurthersteller Danone droht ein empfindlicher Rückschlag bei seinen Produkten Actimel und Activia. Die nach Einschätzung von Kritikern "dreisteste Werbelüge des Jahres 2009" soll nicht aufrechterhalten werden: Danone hat in Paris angekündigt, die Marketing-Strategie für beide Joghurt-Produkte zu ändern. Die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften sollen demnach nicht mehr beworben werden. Verbraucherschützer hatten die Werbestrategie von Danone wiederholt beanstandet.

Der französische Konzern zog darüber hinaus seine Anträge bei der europäischen Aufsichtsbehörde zurück, eben diese Eigenschaften der beiden Produkte zu bestätigen. Er behielt sich zwar vor, den offiziellen Stempel zu einem späteren Zeitpunkt einzuholen. In Frankreich und Großbritannien verzichtet das Unternehmen aber bereits ganz darauf, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung der Joghurts anzupreisen. In beiden Ländern hat Danone zuletzt seinen Absatz gesteigert.

Anzeige

Der Konzern begründete seinen Schritt am Donnerstag damit, dass unklar sei, welche Unterlagen die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zur Prüfung der beworbenen Eigenschaften brauche. Die beiden Produkte brachten dem Konzern 2009 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro ein und damit ein Viertel des weltweiten Umsatzes. Etwa 60 Prozent des Umsatzes erzielt der Lebensmittelhersteller mit Milchprodukten.

Zuletzt waren in der Branche Zweifel darüber aufgekommen, ob sich die angepriesenen Eigenschaften bei einer Prüfung durch die EFSA tatsächlich belegen ließen. Die Behörde prüft auf Basis eines Gesetzes aus dem Jahr 2006 Tausende solcher Produktbeschreibungen auf deren tatsächliches wissenschaftliches Fundament. Die Erkenntnisse werden schließlich von der EU-Kommission verwendet, die eine Entscheidung trifft. Im Juli hatte die EFSA bestätigt, dass der Danacol-Joghurt von Danone hilft, den Cholesterinspiegel zu senken.

Würden Actimel und Activia bei der Bewertung durchfallen, könnte das Experten zufolge verheerende Folgen für das Image von Danone sowie die Verkäufe haben. Viel werde auch von der Berichterstattung in den Medien darüber abhängen, sagte Oddo-Securities-Analyst Pierre Tegner. Activia und Actimel werden vor allem in Ländern der Europäischen Union (EU) verkauft. In Frankreich und Großbritannien hat Danone Anzeigen und Spots zu den Gesundheitsaspekten gestoppt, auf den Produkten selbst blieben die Aufdrucke erhalten.

Danone-Finanzchef Pierre-Andre Terisse sagte, ein neuerlicher Antrag bei der EFSA hänge davon ab, ob die Behörde ihre Anforderungen bei Gesprächen am 1. Juni kläre. Der Zulassungsprozess ist bislang alles andere als geradlinig verlaufen. Schon im April 2009 hat das Unternehmen einmal seinen Antrag für die beiden Joghurts zurückgezogen. Auch damals gab es Unklarheiten über erforderliche Unterlagen. Neue Anträge hatte Danone dann Ende 2009 und Anfang 2010 eingereicht.

 
Leser-Kommentare
    • JoeDoe
    • 15.04.2010 um 21:07 Uhr

    wie ich an zwei Beispielen letztens deutlich merkte:

    Eine gehobene Unterschichtenfamilie (sorry, war wirklich eine) kauft ein, mit zwei Kindern und das eine davon tobt und schreit durch die Molkereiabteilung: AAAAAACTIMEEEEELLLL, ich will AAAAAACTIMEEEELLLLLL. Mir geht jeder Spot von denen mächtig auf den S**K, aber die Werbung wirkt super auf den Geist von kleinen Kindern. Widerstand ist zwecklos, ihr werdet actimelisiert...

    Einige Tage später war ich im bahnhofsnahen Supermarkt, der auch gerne von der lokalen Drogen- und der Den-ganzen-Tag-Alkohol-unter-freiem-Himmel-trink-Szene frequentiert wird. Neben den üblichen geistigen Beruhigungsmitteln, stand bei zweien aus letzterer Szene auch noch ein Sixpack Actimel auf dem Kassenband. Für dessen Erwerb sich auch noch Geld gepumpt wurde. Die Werbung scheint also auch auf den Geist von drogen- und alkoholgeschädigten Menschen einen deutlichen Einfluß zu haben... (Wobei ich hier Kinder nicht auf eine Stufe mit Alkis etc. stellen möchte - bevor böse Kommentare kommen.)
    Danone zielt mit seinem Produkt, das wohl möglich keinerlei positive gesundheitliche Wirkung zeitigt, scheinbar bewusst auf bestimmte Zielgruppen ab, die das nicht verstehen (können). Irgendwie pervers...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich hätte es nicht besser formulieren können.

    Man darf natürlich neben Kindern und Alkis nicht die ungebildeten Massen vergessen, die sichen zwischen Barbara Salesch Und Big Brother mit dieser Werbung beriseln lassen und keinerlei Ahnung haben was ihnen da überhaupt eingetrichtert wird.

    Aber hautsache Fit, Vital, Gesund und Grün!

    Sind sonst niemandem die durchgehend positiven und grünen Farbtöne im Hintergrund der "glücklich grinsenden Hindukühe" die Actimel anpreisen aufgefallen?

    Ich hätte es nicht besser formulieren können.

    Man darf natürlich neben Kindern und Alkis nicht die ungebildeten Massen vergessen, die sichen zwischen Barbara Salesch Und Big Brother mit dieser Werbung beriseln lassen und keinerlei Ahnung haben was ihnen da überhaupt eingetrichtert wird.

    Aber hautsache Fit, Vital, Gesund und Grün!

    Sind sonst niemandem die durchgehend positiven und grünen Farbtöne im Hintergrund der "glücklich grinsenden Hindukühe" die Actimel anpreisen aufgefallen?

  1. Ah, ein Glück, sie haben damit quasi dem Übel aller Werbung den Garaus gemacht.

    Endlich können wir dem "Neu" oder "noch cremiger" glauben, dürfen annehmen, dass es so glückliche Menschen wie auf den Produktverpackungen abgebildet wirklich gibt, sind gewiss, dass jede Art von Müsli fit und schlank macht und dürfen endlich gefahrlos hinschauen, wenn - vollkommen fern jedes Kontext' - halb nackte Personen um Produkte herum schwirren.

    Auch verlieren die ganzen perfekten Körper fortan ihren Schrecken und sorgen in heimischen Betten nicht mehr länger für Frust.

    Endlich muss jede riesen Prozentzahl nicht mehr in Frage gestellt werden und der Text in Schriftgröße 3 in grau auf Blau transportiert noch mehr als die entstehenden Kosten.

    Auch das was bisher als Versprechen gemeint, aber als Wahrheit kommuniziert wurde, ist nun endlich alles wahr und es darf wieder unbesorgt eingekauft werden.

    Und das alles, weil jemand nachgeschaut hat, ob der Joghurt sich wirklich dreht ... fantastisch!

  2. Einen Fernseher bekamen wir, als ich 14 war. Einen. Für 5 Personen. Mit Antenne. Kabelanschluss wurde uns dann quasi aufoktroyiert, wurde eh gelegt und das Mietshaus sagte "ja", meine Eltern gaben dann nach, wer weiß, welchen Anteil meine Brüder und ich daran hatten - wir wollten MacGyver, Knight Rider und Airwolf. "Amerikanischer Schund" hieß es da immer. Wenn es um Konsum ging, dann gingen die Diskussionen los, Werbung war böse und Fernsehen war maximal 30 Min. am Tag erlaubt.

    Meine Brüder und ich haben gekämpft, wie man als Kind eben kämpft. Streiks, Sitzblockaden, Wutanfälle, Trotzaktionen, geschwisterliche Geheimkommandos, heimliches Fernsehen, Werbung gucken und Star Trek. Später jobben, eigenes Geld haben, als Schüler, Konsumkram kaufen: Walkmen, Gameboys, coole Turnschuhe und Sauforgien.

    Irgendwann gaben meine Eltern auf und wir überfluteten uns hemmungslos mit allem, was möglich war. Und mit Werbung. Aber es war wohl schon zu spät und die teuflische Saat meiner Eltern scheint aufgegangen zu sein.

    Ich konsumiere viel zu wenig, bin in der Wahl meiner Produkte viel zu eigensinnig, ich verabscheue Werbung, mein Browser blockt sie komplett, Fernsehen tue ich fast nur öffentlich-rechtlich (allerdings wegen des Programms) und Filme kaufe ich auf DVD oder BluRay, Postwurf schmeisse ich unbesehen weg, ebenso Infobriefe von Post, Banken, Stromkonzernen und sonstigem Gesox.

    Und nun das hier. Ich erstarre in Ehrfurcht. Worum ging es noch gleich...?!

  3. wieso nur bei danone?

    bei zahnreinigungsmittel fallen mir ad hoc fünf produkte ein, die nur auf lügen basieren.

    bei hautcremes, die eine anti-alterung versprechen sind es sogar 100%.

    aber nett, daß wenigstens ein hersteller mal aufhören möchte, blödes zeug zu erzählen.

  4. In dem Sinne ist es äußerst lobenswert, wenn Konsumenten zeigen, dass sie nicht so stumpf sind, wie man "dem Konsumenten" bisher gerne nachsagte.

    Recherche ist alles und über Nachhaltigkeit oder nicht bestimmt im Kapitalismus nur der Konsument. Also letzendlich auch, ob er sich ver*****en lässt oder nicht. Es gibt sicherlich Leute die nicht die Kapazitäten haben und denen man solche Lügen nicht auftischen sollte, aber der Rest hat mMn die Verantwortung, bewusst zu konsumieren und folgerichtig solchen Unsinn links liegen zu lassen.

    Zur Entscheidungsfindung sehr hilfreich: das Internet.
    Zum Beispiel http://www.utopia.de/ wo es sich nur um das Thema "bewusstes Konsumieren" dreht.

  5. ... von Danone ist Joghurt wie Joghurt von anderen Herstellern auch. Nur ganz erheblich teurer.

  6. Es wäre prima, wenn die Menschen in unserem Land ihr Gehirn mehr für das gebrauchen würden, für was es normalerweise reichlich ausgestattet ist - zum Denken!

    Wer sich einigermaßen mit den Grundbegriffen unserer Ernährung und deren Auswirkung auf den Körper auseinandersetzt, kann gar nicht erst auf derart dümmliche Werbeaussagen hereinfallen. Der Verbraucher bestimmt doch selbst, welche Werbestrategie für die Hersteller erfolgreich ist, indem er unreflektiert glaubt und kauft.

    Es gibt übrigens eine Organisation, die eben solche Werbelügen veröffentlicht: http://foodwatch.de/

  7. Medienlandschaft nennen, denn wer möchte für eine Zeitschrift zur Unterhaltung schon 8 Euro oder mehr und fürs Fernsehen mehr als z.B. bei Sky zahlen?

    Wenn ich kostenlose Angebote wie im Netz oder im TV nutze, nehme ich Werbung in Kauf und versuche mich so wenig wie möglich von dem Unsinn, der mir 99,9 % aller Keime vertreiben und mit Schokoladeessen die Figur aufhübschen will, animieren zu lassen. Das gelingt nur, wenn man sich klar macht, was der Unsinn soll und bewußt konsumiert.

    Diese Art des Umgangs mit Werbung steht uns allen frei und niemand ist gezwungen die Dinge zu kaufen, mit denen wir mit viel Aufwand berieselt werden.

    Ich finde es nicht allzu schwierig, habe aber wohl eine ähnliche Sozialisation wie Palamedes sie beschreibt und gebe (bisher mit Erfolg) diese Herangehensweise auch an unsere Kinder weiter.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service