Buchautorin Martina Rellin "Männer reagieren gerne mit Schweigen"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Inwiefern unterscheiden sich die Probleme jüngerer und älterer Männer?

Rellin: Böse gesagt hatte es die ältere Generation im Vergleich zur jüngeren leichter, denn die Rollenverteilung war noch eindeutig: hier der Mann als Alleinverdiener, dort die Frau als Hausfrau und Mutter, vielleicht noch als Dazuverdienerin. Schon in dieser Konstellation blieb noch genug Raum für Probleme. Zusätzlich zu diesen haben die jüngeren Männer, sagen wir die Generation zwischen 35 und 45, den Zwiespalt: Die modernen Männer sollen und wollen ihre Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen wahrnehmen und unterstützen, sie sind engagierte Väter, unterdrücken ihre sogenannten weiblichen Seiten nicht und geraten trotzdem in Turbulenzen, nicht zuletzt mit der eigenen Frau. Die möchte zwar einen soften Mann, erwartet aber gleichzeitig, dass er zu Hause mit der Bohrmaschine hantiert und vom sozialen Status her mindestens so hoch gestellt ist wie sie. Außerdem leiden Männer inzwischen auch zunehmend unter den Schönheitsidealen, denen sie entsprechen sollen.

ZEIT ONLINE: Ihr Buch ist natürlich keine repräsentative Umfrage. Konnten Sie dennoch Gemeinsamkeiten bei Ihren Interviewpartnern erkennen?

Rellin: Männer denken auf jeden Fall viel positiver über ihre Frauen, als ihnen gemeinhin unterstellt wird. Zum Beispiel finden die meisten Männer, mit denen ich gesprochen habe, ihre Frauen immer noch attraktiv. Außerdem ist es Männern, jungen wie alten, wichtig, dass ihre Frau sich für ihren Beruf interessiert und dass sie auch selbst aktiv ist. Die Partnerschaften, in denen die Frau sich auf Heim und Herd konzentriert, gestalten sich erstaunlicherweise auch aus Sicht der Männer problematisch, weil sie finden, dass ihre Frauen oft den Anschluss an die Welt – die eher männliche Welt – verlieren.

ZEIT ONLINE: Hätten Sie manchmal gerne dazwischengerufen und den Männern einen Rat gegeben?

Rellin: Nö, ich bin keine Besserwisserin. Und ich bin ja eben nicht die Ehefrau, die Partnerin der Männer, die sich durch jeden Satz zur Replik herausgefordert fühlt. Diese Erfahrung, Männer aussprechen lassen zu können, mitfühlen zu können, sie zu verstehen – das war für mich etwas ganz Großartiges.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch für Ihre Partnerschaft etwas gelernt?

Rellin: Unbedingt. Männern wird ja von ihren Frauen oft vorgeworfen, sie seien bequem, sie seien desinteressiert. Dabei stimmt das überhaupt nicht. Männer sind einfach gelassener, sie können besser Fünfe gerade sein lassen. Diese Gelassenheit trainiere ich seit den Gesprächen ganz bewusst, nicht nur in meiner Partnerschaft. Das heißt auch: Ich versuche, nicht mehr sinnlos Energie damit zu verpulvern und um Dinge zu kämpfen, die ich ohnehin nie ändern werde – und die vielleicht auch gar nicht so wichtig sind.

Die Fragen stellte Helen Germann

Die nächsten Lesungstermine zu "Göttergatten": Mi., 28. April in Neubrandenburg; Di., 4. Mai in Essen; Mi., 5. Mai in Pforzheim; Mi., 19. Mai in Weimar; Do., 20. Mai in Erfurt

 
Leser-Kommentare
  1. Wir haben es doch schon immer gewusst.

  2. für diesen Beitrag! Im Gegensatz zu der in der "Zeit" sonst üblichen Mann-Frau-Debatte sind die Aussagen im Interview, egal ob man diese teilt oder nicht, angenehm und interessant zu lessen und zeugen, meines Erachtens, von einer gewissen Neutralität und Gelassenheit beim Herangehen an die Thematik.

  3. wunderschönen Satz: "Männer denken auf jeden Fall viel positiver über ihre Frauen, als ihnen gemeinhin unterstellt wird" sei Frau Rellin herzlich gedankt und dem Buch viele engagierte Leserinnen gewünscht.

  4. 4. Auch..

    der letzte satz ist sowas von zutreffend...

  5. Der ganze Artikel und wie ich vermute das ganze Buch, leisten mehr für die Emanzipation und gesellschaftliche Orientierung als 10 Jahre gesellschaftliche und politische Emanzipationsförderung.

    H.

  6. Ich werde mir wohl das Buch zulegen und schauen, in wie weit es mit meinen Gedanken übereinstimmt.

    Scheint aber ein Buch zu sein, dass ich wohl meinen Freundinnen ans Herz legen werde... ;-)

  7. Das Interview zeigt, dass Frauen und Männer zueinanderkommen könnten, wenn beide Teile Verständis suchten. Der unaufgeregte Ton hebt sich wohltuend von anderen Wortmeldungen zum Thema ab, welche oft nur Klischhees bedienen. Die Erkenntnisse der Autorin beim Schreiben sollten auch möglichst viele Leserinnen/Eherfrauen/Partnerinnen (und solche die es werden wollen) haben. Es geht eben nicht nur um Emanzipation, sondern auch um Rollenfindung in Partnerschaft und Gesellschaft. Wieso wird bei "Maischberger" soviel Unsinn über die Ehe erzählt, statt Frau Rellin als anscheinend echte Partnerschaftsexpertin einzuladen. Also Männer: Schenkt Eurer Partnerin das Buch. Vielleicht wird es noch besser.

  8. In dem oft von männerfeindlichen Emanzen dominierten öffentlichen Diskurs über Männer und Frauen tut es echt gut, daß mal eine normale Frau sich des Themas sachlich annimmt und auch die Männer fragt anstatt ihnen negative Ansichten zu unterstellen.
    Danke für den Artikel und danke für das interessante Buch.

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