ZEIT ONLINE: Inwiefern unterscheiden sich die Probleme jüngerer und älterer Männer?

Rellin: Böse gesagt hatte es die ältere Generation im Vergleich zur jüngeren leichter, denn die Rollenverteilung war noch eindeutig: hier der Mann als Alleinverdiener, dort die Frau als Hausfrau und Mutter, vielleicht noch als Dazuverdienerin. Schon in dieser Konstellation blieb noch genug Raum für Probleme. Zusätzlich zu diesen haben die jüngeren Männer, sagen wir die Generation zwischen 35 und 45, den Zwiespalt: Die modernen Männer sollen und wollen ihre Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen wahrnehmen und unterstützen, sie sind engagierte Väter, unterdrücken ihre sogenannten weiblichen Seiten nicht und geraten trotzdem in Turbulenzen, nicht zuletzt mit der eigenen Frau. Die möchte zwar einen soften Mann, erwartet aber gleichzeitig, dass er zu Hause mit der Bohrmaschine hantiert und vom sozialen Status her mindestens so hoch gestellt ist wie sie. Außerdem leiden Männer inzwischen auch zunehmend unter den Schönheitsidealen, denen sie entsprechen sollen.

ZEIT ONLINE: Ihr Buch ist natürlich keine repräsentative Umfrage. Konnten Sie dennoch Gemeinsamkeiten bei Ihren Interviewpartnern erkennen?

Rellin: Männer denken auf jeden Fall viel positiver über ihre Frauen, als ihnen gemeinhin unterstellt wird. Zum Beispiel finden die meisten Männer, mit denen ich gesprochen habe, ihre Frauen immer noch attraktiv. Außerdem ist es Männern, jungen wie alten, wichtig, dass ihre Frau sich für ihren Beruf interessiert und dass sie auch selbst aktiv ist. Die Partnerschaften, in denen die Frau sich auf Heim und Herd konzentriert, gestalten sich erstaunlicherweise auch aus Sicht der Männer problematisch, weil sie finden, dass ihre Frauen oft den Anschluss an die Welt – die eher männliche Welt – verlieren.

ZEIT ONLINE: Hätten Sie manchmal gerne dazwischengerufen und den Männern einen Rat gegeben?

Rellin: Nö, ich bin keine Besserwisserin. Und ich bin ja eben nicht die Ehefrau, die Partnerin der Männer, die sich durch jeden Satz zur Replik herausgefordert fühlt. Diese Erfahrung, Männer aussprechen lassen zu können, mitfühlen zu können, sie zu verstehen – das war für mich etwas ganz Großartiges.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch für Ihre Partnerschaft etwas gelernt?

Rellin: Unbedingt. Männern wird ja von ihren Frauen oft vorgeworfen, sie seien bequem, sie seien desinteressiert. Dabei stimmt das überhaupt nicht. Männer sind einfach gelassener, sie können besser Fünfe gerade sein lassen. Diese Gelassenheit trainiere ich seit den Gesprächen ganz bewusst, nicht nur in meiner Partnerschaft. Das heißt auch: Ich versuche, nicht mehr sinnlos Energie damit zu verpulvern und um Dinge zu kämpfen, die ich ohnehin nie ändern werde – und die vielleicht auch gar nicht so wichtig sind.

Die Fragen stellte Helen Germann

Die nächsten Lesungstermine zu "Göttergatten": Mi., 28. April inNeubrandenburg; Di., 4. Mai inEssen ; Mi., 5. Mai in Pforzheim ; Mi., 19. Mai in Weimar; Do., 20. Mai inErfurt