Ein babylonisches Sprachgewirr empfängt den Besucher beim Betreten der Messehallen. Begriffe wie LED, OLED und CRI schwirren zwischen den Ständen von Osram, Philips oder Zumtobel Lighting durch die stickige Luft. Die Frankfurter Lichtausstellung light+building ist eine der größten und bedeutendsten weltweit, Standflächen sind trotz Finanzkrise schon seit November ausgebucht. Denn die Branche steht vor einer gewaltigen Aufgabe: "Wir müssen Licht neu lernen", sagt Lars Stühlen, der Pressesprecher von Osram.

Hintergrund für dieses Umdenken ist das sogenannte Glühbirnenverbot. Die Europäische Union identifizierte die Birne mit dem heißen Faden als eine der Hauptursachen für häusliche Energieverschwendung und ordnete 2009 schrittweise den Umstieg auf andere, energieeffiziente Leuchtmittel an. "Energieeffizienz" lautet daher das Messemotto in Frankfurt, wo sich in diesem Jahr alles um Systemlösungen, Lichttechnologien für die effiziente Energienutzung und umweltfreundliche Gebäudetechnik dreht.

Vor allem eine zentrale Frage gilt es zu beantworten: Was wird die Glühbirne in Heim und Büro ersetzen – und zwar energie- und kosteneffizient bei gewohnter Lichtqualität? Denn dass die Energiesparbirne mit ihrem kalten bläulich-weißem Licht keine Alternative für die heimischen Wohnzimmer sein würde, darüber waren sich Branchenkenner schon lange einig.

Das Zauberwort scheint LED zu sein. Die lighting emitting diode gilt als besonders effizient, da sie gegenüber herkömmlichen Glühlampen mehr als 90 Prozent weniger Energie bei einem Strombedarf von rund 2 Watt benötigt. Die Lichtfarbe von LED ist an sich monochrom, wird aber von den Lampendesignern angepasst und programmiert. Damit können LEDs in jedem möglichen Farbspektrum erscheinen.

Tobias Grau ist sich sicher: "LED is today." Aufgrund ihres speziellen Aufbaus sind nun erstmals Lampen in geschlossenen Formen möglich – eine technische Innovation, die der Hamburger Designer schätzt und liebt. Seine kugelrunde, kleine LED-Lampe hat er Falling in Love getauft. Die Beschreibung des Lichtes nennt er den Colour Rendering Index (CRI). Diese Kennzahl, die die einprogrammierte Farbwiedergabe des LED anzeigt, entscheidet über das Einsatzgebiet des Leuchtmittels – Büro oder Wohnzimmer.
Konsequent mit der Zeit gehen auch der italienische Designer Antonio Citterio und sein französischer Kollege Toan Nguyen. Ihre Schreibtischlampe Kelvin leuchtet mit Hilfe von 30 verbauten LEDs, die ordentlich und gut sichtbar im drehbaren Kopf nebeneinander angeordnet sind.

Auch der "Altmeister des Lichts" Ingo Maurer arbeitet mit LEDs, auch wenn er aus Protest gegen die EU-Richtlinie 2009 ein "Euro-Condom" entwarf, mit dem er – im wahrsten Sinne des Wortes – verhüten wollte, dass die schöne Glühbirnenform aus dem Alltag verschwindet. Erfahrungen mit den neuen technologischen Möglichkeiten mit LEDs sammelte er schon seit 1999.

Auf der light+building ist er wieder seiner Zeit voraus und verbaut in seinem Modell Double C Future Composite neben LEDs auch OLEDs. Diese organic light emitting diode besitzen die Eigenschaft, gleichmäßiges Grundlicht zu erzeugen und ganze Flächen zum Leuchten zu bringen. Für den Massenmarkt sind sie allerdings heute noch zu teuer. Der Pioniergeist dieser Leuchte wird durch die nackte Form unterstützt, die à la Fischertechnik die funktionale Konstruktion sichtbar lässt. Dennoch betonte Maurer erneut seine "unendliche Liebe zur Glühbirne". Sein Entwurf Hoi Polloi wirkt wie eine Collage seines Lieblings: Faden, Fassung und Glas tanzen wie auf einem Seil.

Die innere Zerrissenheit, Neues zu erforschen und gleichzeitig die Formschönheit der Glühbirne beizubehalten, wird bei fast allen Ausstellern der Frankfurter Messe sichtbar. Das Traditionsunternehmen Osram versteckt neue Leuchtmittel wie Halogen, Energiesparmittel im alten Gewand der Glühbirnen-Form. Auch wenn sich alles ändert, bleiben zumindest die klassischen E27-Fassungen.