Calvin Klein in BerlinKein Meister weit und breit

Die Premiere von Calvin Klein auf der Fashion Week war ein tristes Spektakel. Nicht einmal die halbnackten Models interessierten die Gäste. Die guckten lieber das Halbfinale. von 

Die nackten und halbnackten Models bekamen wenig Aufmerksamkeit auf der Calvin-Klein-Präsentation. Die meisten Gäste verfolgten lieber das Halbfinale

Die nackten und halbnackten Models bekamen wenig Aufmerksamkeit auf der Calvin-Klein-Präsentation. Die meisten Gäste verfolgten lieber das Halbfinale  |  © Jessica Braun/ZEIT ONLINE

Wäre Heidi Klum da gewesen, sie hätte aus diesem Abend sicher ein Lehrstück gemacht: Da seht ihr, wie schwer das Leben als Model sein kann! Anstatt bewundernder oder zumindest taxierender Blicke gab es für die Jungen und Mädchen, die für die Präsentation der Kollektionen aus dem Hause Calvin Klein gebucht waren, vor allem Desinteresse. Schuld waren zwei Fernseher, schuld war der Fußball. Dabei war die Premiere von Calvin Klein auf der Fashion Week als einer der Höhepunkte der Berliner Modewoche angekündigt worden. Damals konnte allerdings noch niemand ahnen, dass Deutschland an diesem Mittwochabend im Halbfinale der Fußball-WM stehen würde.

Die Veranstalter hatten (wohl, um überhaupt Gäste anzulocken) zwei Fernseher im Hof postiert. Gegenüber harrten relativ unbeachtet halb- und völlig nackte Calvin-Klein-Models auf einem der zahlreichen weißen Holzmodule aus. Der Berliner Architekt Jürgen Mayer H. hatte die amorphen Installationen extra für die Präsentation angefertigt. Sie dienten als Hinter- und Untergrund für die insgesamt etwa 50 Models, die Calvin Kleins Mode und Unterwäsche nahezu unbeweglich stehend, sitzend und liegend darboten – zum Leben erweckte Anzeigenmotive.

Calvin Kleins Mode-Präsentation war vor allem eine Demonstration jugendlicher Makellosigkeit. Etwas, das sich an diesem Abend Millionen von Zuschauern von der deutschen Elf erhofft hatten. Doch Jugend allein reicht in manchen Situationen einfach nicht aus. 

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Vielleicht lag es auch daran, dass  – abgesehen vom neuen Parfum – viele Teile der puren, in Pastelltönen gehaltenen Kollektion schon bei der New Yorker Modewoche auf dem Laufsteg gezeigt worden waren.

Die Gäste, die es an den vor dem Tor wartenden Autogrammjägern und den Empfangsdamen vorbei bis in die Hallen geschafft hatten, sammelten sich pünktlich zum Anpfiff des Halbfinales vor den zwei Fernsehern. Wer einen Sitzplatz ergattern konnte, blieb sitzen – die Drinks wurden gebracht. Der am häufigsten gesagte Satz des Abends war wohl: "You know, it's like Super Bowl." Was den Amerikanern ihr Super Bowl, ist den Deutschen ihr Fußball.

Selbst der Hollywood-Glanz einer Diane Kruger riss bei der Calvin-Klein-Schau niemand von den Hockern. Die waren zumeist von Fußball-Fans besetzt

Selbst der Hollywood-Glanz einer Diane Kruger riss bei der Calvin-Klein-Schau niemand von den Hockern. Die waren zumeist von Fußball-Fans besetzt  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Ähnlich wie den Models erging es auch der anwesenden Prominenz: weder die Schauspielerin Diane Kruger, das neue Gesicht von Calvin Klein, noch die diversen ehemaligen Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel , hatten große Gelegenheit zu glänzen. Der Meister selbst war ohnehin nicht anwesend – Calvin Klein hat das von ihm gegründete Haus bereits vor Jahren verlassen.

Die Aufmerksamkeit galt deswegen ausschließlich den Stars dieser WM: Podolski, Klose Schweinsteiger. Doch die wirkten mutlos. Zur Halbzeit sah das blonde Mädchen, das nur mit einem Stringtanga bekleidet zwischen zwei jungen Männern im Hof stand, kurz so aus, als wollte es weinen. Am Ende des Abends war sie damit in Deutschland nicht alleine.
 

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Leserkommentare
    • jeises
    • 10. Juli 2010 23:09 Uhr

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Berlin | Calvin Klein | Architekt | Diane Kruger | Fußball | Fußball-WM
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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