Freizeitsport Und, was spielen Sie im Park?
Antiker Frisbeeheld, slawischer Freiland-Schachspieler oder Beachvolleyball-Rampensau: Welcher Parksportler sind Sie? Und wie können Sie's werden?
Frisbee
Wer spielt das?
Die Frisbee-Scheibe spielt ihr hohes Aufforderungspotenzial in vielen Altersschichten und Milieus aus. Selbst Hunde sollen sich als Spezialisten erwiesen haben, besonders Collies.
Was muss ich dafür können?
Um so ein fliegendes Tortenblech auf den richtigen und meist langen Weg zu bringen, bedarf es einer kraftvollen Feinmotorik in den oberen Extremitäten. Könner bringen es bis zu 250 Meter weit. Eine hohe Punktzahl gibt es, wenn man das Ding hinterrücks zwischen den Beinen hindurch fängt. Im Hechtsprung, versteht sich. Besonders wichtig für den Frisbee-Spieler sind auch kommunikative Kompetenzen, landet doch die Scheibe nicht immer auf neutralem Gebiet, sondern gerne mal auf dem Grill der türkischen Großfamilie.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Da Frisbee in den Achtziger hierzulande populär wurde – Frauen, die damit groß geworden sind, zu Langnese-Werbung wie
Like Ice in the Sunshine
zu schmelzen. Also Birgits, Claudias und Anjas.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Der schöne Athlet Hyakinthos, von Apollon geliebt, wurde von Zephyros, dem Gott des Westwindes, aus Eifersucht vom eigenen Diskus am Kopf erschlagen. Aus dem tropfenden Blut erwuchs die Hyazinthe. Gut, man muss nicht die Martialität der griechischen Mythologie in Anspruch nehmen, um sagen zu können: So ein Ding als unvorbereiteter Unbeteiligter an die Birne zu bekommen, kann verdammt wehtun.
© 41618/photocase.com
Boule
Wer spielt das?
Früher Kanzler, heute die dörfliche Bevölkerung Deutschlands, die sich vom Ausflug in die Partnerstadt in der Provence kulturell inspirieren ließ, sowie sonstige Frankophile.
Was muss ich dafür können?
Wichtig beim Boule sind eine gute Auge-Hand-Koordination, Konzentration und Teamfähigkeit, sagen die Experten. Vor allem aber muss der Boule-Spieler giftresistent sein. Nach sieben Pastis endet so manche Kugel im Gehölz.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Söhne, Töchter, Enkelkinder. Und Frauen, die Mireille Mathieu von Edith Piaf unterscheiden können.
Wer nervt dabei am meisten?
Der U30-Bouler, der sich nach seinem Sieg über Gegner, die seine Großeltern sein könnten, für einen Sportler hält. Dabei fehlte ihm bloß das Talent zum Fußballer.
Freiland-Schach
Wer spielt das?
Rentner, vornehmend mit slawischem Akzent.
Was muss ich dafür können?
Freilandschach unterscheidet sich vom normalen Schach dadurch, dass sich die Zuschauer ins Geschehen mit Rochaden guter Ratschläge einbringen. Die müssen entweder ignoriert oder, noch besser, schlagfertig pariert werden.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Den Teil der Menschheit, der die Auffassung teilt, dass die skandinavische Eröffnung eine Vulgarisierung des Schachspiels sei.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Nur wenigen. Allerdings kann der Lautstärkepegel den eines Kinderbeckens kurzzeitig übersteigen.
Kubb-Spiel
Wer spielt das?
Wer schwedische Spiele mit unbehandeltem Naturholz mag, dürfte auch sozialdemokratischen Bildungskonzepten gegenüber nicht verschlossen sein. Nicht auszuschließen auch, dass jeder Holzklotz seinen eigenen schwedischen Vornamen trägt.
Was muss ich dafür können?
Man sollte eine enorme Freude an nicht zu erschließenden Regeln mitbringen. Der Holfzfreund sollte auch haptisch besonders drauf sein.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Mehr so die ganzheitlich Orientierten.
Was tun, wenn's nervt?
Nach Niederlagen eignen sich die Holzklötze hervorragend als Brennholz für das anschließende Grillen.
Wasserrutsche
Wer spielt das?
Erstklässler in Badehose. Geschlechterverhältnis 15:1 pro männlich. Unter den Zuschauern verhält es sich an guten Tagen umgekehrt.
Was muss ich dafür können?
Man nimmt einen langen Anlauf, wirft sich kopfwärts und bauchlängs auf eine mit Wasser bespülte Plastikplane und rutscht auf ihr im Speed zwanzig Meter weit. Den dazu notwendigen Mut und den Glauben an die eigene Unverletzlichkeit, kann man, wenn überhaupt, natürlich nur im Kindesalter aufbringen. Besonders Gewiefte bremsen am Ende der Strecke mit dem Kinn.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Sarah aus der letzten Sitzreihe, die mit dem blauen Schulranzen. Doch sie steht leider auf Drittklässler.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Olaf aus der Dritten, der sich nicht traut.
Beachvolleyball
Wer spielt das?
Leute, die bei der Leibesübung ihre neue Gucci-Sonnenbrille tragen möchten.
Was muss ich dafür können?
Bella figura machen, dynamisch sein, das ist auf Sand schwerer als es scheint. Vorsicht, Freizeitsportler! Beachvolleyball kann anstrengend sein.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Männer: Studentinnen, die einen roten Mini fahren.
Frauen: die ganze (Männer-)Welt.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Neulich hieß es, dass eine Reihe von schwedischen Beachvolleyballerinnen im Hamburger Stadtpark ein Show-Training aufführen wollte. Bei diesem Gerücht fällt einem beim besten Willen nichts Nervendes ein. Vielleicht war es auch nur ein Traum.
Parkfußball
Wer spielt das?
Männer mit ungewöhnlich vielen anatomischen Sperren.
Was muss ich dafür können?
Parkfußball ist die einzige Variante dieses Volkssports, für die das verniedlichende Etikett "Fussi" absolut zutreffend ist. Zum Parkfußball braucht man übrigens keine Fähigkeiten, sonst würde man ja im Verein spielen.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Den Parkfußballern fehlt jedes Sendungsbewusstsein (zumindest ist das für sie zu hoffen).
Größter Nerv-Faktor?
Der Typ, der im Robben-Trikot und mit Schienbeinschonern aufläuft, anderen Anweisungen zur effektiven Deckungsarbeit erteilt – und selbst nur ein Gelenk im Körper hat.
Diabolo
Wer spielt das?
Junggebliebene Neunzehntsemester der Geisteswissenschaften.
Was muss ich dafür können?
Für das Diabolo erweisen sich Erfahrungen im Jojo, im Schlagzeugspielen und im Ausdruckstanz nicht als nachteilig.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Niemanden.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Wie der Jongleur und der Seifenblasenmacher hat man auch beim Diabolo-Artisten den Eindruck, er trage schlecht gelüftete Kleidung. Und verwechsle Große-Augen-Machen mit Ausstrahlung. Im Nerv-Ranking der Kleinkünstler liegt er vor dem Zigarrenkistenmann, aber – das zu seiner Ehrenrettung – noch weit vor dem traurigen Clown.
- Datum 04.08.2010 - 16:28 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Es ist immer wieder schön, dass es Menschen gibt, die scheinbar belanglosen Themen Leben einhauchen können. Da kommt die griechische Mythologie ins Spiel und genau an dieser Stelle lese ich wirklich gerne weiter. Außerdem wären mir, bei ehrlicher Betrachtung, nicht so viele Parksportarten eingefallen. Einzige Kritik: Es sind nicht immer Studentinnen in roten Minis, die von Beachvolleyballern beeindruckt werden. Das ist eben doch mit griechischer Mythologie leichter.
Es fällt offensichtlich vielen Journalisten schwer, Boule oder Petanque regelkonform und inhaltlich relevant zu erklären, das ist in Deutschland schon seit Jahren zu beobachten.
Was in Frankreich Nationalsport und Kulturgut ist, fristet bei uns immer noch ein Schattendasein. Obwohl immer mehr Menschen von dem Spiel der "Annäherung" fasziniert sind.
Einige Fakten müssen gerade gerückt werden. Welcher Kanzler soll Boule gespielt haben, Adenauer kann es nicht gewesen sein, denn der "Alte" spielte in Cadenabbia Boccia, das sich wesentlich vom Boule unterscheidet.
Auch die zitierte scheinbare Kluft zwischen jung und alt gibt es nicht, Boule wird von jung und alt, von Frauen wie Männern, von Arbeitslosen und Managern gleichermaßen ohne Vorurteile gespielt.
Es gibt Ligen und großartige Turniere, bei denen hunderte Spieler zur gleichen Zeit miteinander wetteifern. Boule ist ein demokratischer Sport, weil bei der Königsdisziplin Triplette unterschiedliche Aufgaben in gemeinsamer Abstimmung gelöst werden. Boule ist ein meditativer Sport, denn die Kunst, sich dem Schweinchen so nah wie möglich anzunähern, beruht auf der Balance zwischen Konzentration und Gefühl.
Boule kann übers ganze Jahr gespielt werden, Boule kann überall da gespielt werden, wo einigermaßen fester Untergrund vorzufinden ist, Boule kann zu jeder Tages- und Nachtzeit gespielt werden. Übrigens spielen leidenschaftliche Bouler Petanque, nach dem Ursprung des jeu des boules in Le Ciotat. Allez les Boules.
W. Neisser
Sie mögen mit ihrem Vortrag Recht haben, das kann ich nicht beurteilen. Aber ihnen scheint entgangen zu sein, dass der Artikel durchweg nicht ganz ernst gemeint ist. Ich spiele in meiner Freizeit gerne Frisbee und Beachvolleyball und habe trotzdem nicht das Bedürfnis die leichte Ironie des Autors mit ausschweifenden Gegendarstellungen richtig zu stellen. Also entspannen sie sich doch mal und spielen eine schöne Partie Boule!
Sie mögen mit ihrem Vortrag Recht haben, das kann ich nicht beurteilen. Aber ihnen scheint entgangen zu sein, dass der Artikel durchweg nicht ganz ernst gemeint ist. Ich spiele in meiner Freizeit gerne Frisbee und Beachvolleyball und habe trotzdem nicht das Bedürfnis die leichte Ironie des Autors mit ausschweifenden Gegendarstellungen richtig zu stellen. Also entspannen sie sich doch mal und spielen eine schöne Partie Boule!
FlunkyBall
Wer spielt das?
Studenten in Bierlaune
Was muss ich dafür können?
Nach 10 Bier immer noch Hand und Auge koordinieren können.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Niemanden
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Den Verlierern
hehe ja stimmt, FlunkyBall fehlte...
meine Freunde und ich kommen auch sehr gerne mit Slackline und diversem Jonglierzubehör, wobei das wohl unter die gleiche Kategorie wie Diabolo fällt...
Geisteswissenschaftler sind wir auch, aber das 19. Semester ist noch in weiter Ferne :D
was ich in den hiesigen Parks auch ab und an erleben darf sind Tai Chi Übungen und Schwertkampf (Show-Kampf-Training mit Holzschwertern, wahrscheinlich für Mittelalter-Spektakel)
Die Slagline ist zumindest bei uns
im Park derzeit der absolute Moderenner.
Also:
Wer spielt das?
Sportkletterer und alle anderen durchtrainierten,
die eine Ausrede brauchen, im Park den nackten
Oberkörper zu zeigen.
Was muss ich dafür können?
Absolut wichtigstes Utensil ist eine Wollmütze,
die auch bei 30° im Schatten zu tragen ist.
Körperlich, ist vor allem ein guter Gleichgewichtssinn
nötig.
Wen kann ich damit beeindrucken?
Niemand wird diesen Sport aus dem profanen Grund
betreiben jemanden zu beeindrucken. Sollte es dennoch
passieren: Abwiegeln und von der Highlineerfahrung im
letzten Urlaub in den Pyrenäen berichten.
Wem gehe ich damit auf die Nerven?
Der Mutter die um Ihre Fünfjährigen besorgt ist,
die das gesehene Zuhause auf dem Treppengeländer
nachstellen wollen.
muss man ständig jemanden beeindrucken wollen?
Sie mögen mit ihrem Vortrag Recht haben, das kann ich nicht beurteilen. Aber ihnen scheint entgangen zu sein, dass der Artikel durchweg nicht ganz ernst gemeint ist. Ich spiele in meiner Freizeit gerne Frisbee und Beachvolleyball und habe trotzdem nicht das Bedürfnis die leichte Ironie des Autors mit ausschweifenden Gegendarstellungen richtig zu stellen. Also entspannen sie sich doch mal und spielen eine schöne Partie Boule!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren