Nicht selten, erzählt Dieter Rams, kämen die Leute auf ihn zu, voller Respekt, und sagten: "Herr Braun, ich bin ein großer Bewunderer Ihrer Arbeit." Rams verbessert sie nie. "Ach", sagt er und wischt eventuell vorhandene Eitelkeit mit einer lässigen Handbewegung fort, "eigentlich ist das doch ein Kompliment."

Der "bedeutendste deutsche Produktdesigner", Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Ehrendoktor des Royal College of Art, sitzt an seinem Schreibtisch in Kronberg im Taunus, die weißen Haare gescheitelt, die runde Eulen-Brille auf der Nase, und gibt sich bescheiden. Tatsächlich kann man von Rams nicht sprechen, ohne vom Unternehmen Braun zu erzählen, und andersherum ist die Geschichte der Firma Braun untrennbar mit der Person Rams verbunden.

1955, da war er 23, kam er in die Firma, 1997, mit 65, schied er aus. In den mehr als 40 Jahren dazwischen hat er, zusammen mit einem Team von hervorragenden Designern (das vergisst er nie zu erwähnen), Blitzgeräte gestaltet, Rasierer, Küchenmaschinen, Plattenspieler, Föne, Lockenstäbe, Wasserkocher, Entsafter, Handmixer und Pürierstäbe, also eigentlich alles, was einen Stecker besitzt und im Haushalt gebraucht wird; dazu ein paar Dinge wie Uhren, Taschenrechner oder Aschenbecher. Er war erst Innenarchitekt, dann Produktdesigner, später Leiter der Produktabteilung und schließlich Direktor für Produktdesign.

Längst sind seine Entwürfe zu Sammlerstücken geworden, im MoMA ausgestellt, es gibt Bücher, die sich seinem Schaffen widmen, und erst vor Kurzem war im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt eine große Werkschau zu sehen, die zuvor in Osaka, Tokio und London gezeigt worden war.

Dabei wollte Dieter Rams nie ein Designstar werden. "Der Ausgangspunkt meiner Arbeit war immer, Ordnung zu schaffen", sagt Rams, "das Chaos zu eliminieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren." Rams’ Entwürfe, die Braun-Objekte genauso wie die Möbel, die er für den Hersteller Vitsoe entworfen hat, sind sämtlich vom Standpunkt des Benutzers aus gedacht. Sie sollen ihm dienen, ihn nicht fordern. Sie sind unbunt, sie bestehen aus einfachen geometrischen Formen, die miteinander harmonieren, sie haben Oberflächen, die man gern berührt. Sie sind reduziert, es ist nichts Überflüssiges an ihnen. Sie sind von einer großen Klarheit, in der eine fast Zen-hafte Schönheit liegt.