Als Tom Hanks in dem Robinson-Crusoe-Versatzstück Verschollen mit dem Flugzeug abstürzte und alleine auf einer Insel landete, da griff er sich den Volleyball, der mit ihm auf jener einsamen Insel angespült worden war. Dem Ball malte er ein Gesicht auf und pappte künstliche Haare an. Fortan war Wilson, der Volleyball, der beste Freund des Gestrandeten.

Dieses absurde Manöver hatte einen simplen Grund: Einsamkeit. Das Gefühl, auf einer verlassenen Insel gestrandet zu sein, das kennen auch viele Menschen hierzulande: Das Statistische Bundesamt zählte im vergangenen Jahr über 17 Millionen Singles in Deutschland, Tendenz steigend. Und wenn ab Herbst vor dem Fenster nichts als grau in grau vorzufinden ist und es schon nachmittags dunkel wird, fühlt man sich leicht als Schiffbrüchiger, selbst in der Großstadt.

Doch es gibt Gegenmittel: Emotionale Roboter erobern den Markt, das Forschungsgebiet emotional robotics ist im Wachstum begriffen. Diese Roboter allerdings sind nicht dazu gedacht, Arbeit zu verrichten, sie sollen nur eines: Gesellschaft leisten. Das Prinzip ist, auch wenn die Angebote technisch deutlich ausgereift sind, dasselbe wie bei Volleyball Wilson: ein eigentlich lebloses Ding wird lebendig – zumindest scheinbar. "Man reagiert darauf, auch wenn man weiß, dass es kein echtes Wesen ist", sagt die Frankfurter Japanologin Cosima Wagner – das Verhältnis der Japaner zu ihren Robotern ist ihr Forschungsschwerpunkt.

Der wohl bekannteste Vertreter dieser Gattung ist die Roboter-Robbe Paro , vor sechs Jahren kam sie in Japan auf den Markt: klein und kuschelig ist sie komplett auf's Kindchenschema ausgerichtet . Das mechanische Plüschtier klappert mit den Augen, stößt sanfte Robbenschreie aus, hebt den Kopf und wackelt mit den Flossen, wenn man es streichelt, aufgeladen wird es über den Schnuller.

In Japan kostet Paro etwa 3000 Euro, jeder kann ihn sich kaufen, um zu Hause eine "subjektsimulierende Maschine" zum Kuscheln zu haben, wie der Theologe Christopher Scholtz diese Roboter nennt. Seit dem Spätsommer kann man Paro auch in Deutschland kaufen, allerdings nur für Pflegeeinrichtungen. Die Robbe hat sich seit Ende 2006 in einer Testphase in Altenheimen bewährt – Demenzkranke reden auf einmal wieder, mit dem Kuscheltier, über das Kuscheltier.

"Die Robbe beruhigt", sagt Tobias Bachhausen, der Paro in Deutschland vertreibt. Bachhausen kennt die Altenpflegebranche und war zuerst skeptisch, ob so ein Roboter etwas gegen das Einsamkeitsgefühl der Senioren ausrichten könne – gründete nun aber eine Firma, um die Robbe hierzulande zu vertreiben.

Der Probo , eine Art Alf in Grün, oder der Roboter Kaspar , der an der britischen Universität in Hertfordshire entwickelt wurde und einem kleinen Jungen ähnelt, sind die neuesten Entwicklung dieses Bereiches, künstliche Haut inklusive. Dank Roboskin kann die Maschine Berührungen wahrnehmen und darauf reagieren. Die künstliche Haut simuliert Echtheit und gibt tatsächlich nach, wenn man sie anfasst.

Der direkte Kontakt, Haut an Haut, ist das eine. Jedoch: Die Illusion eines Lebewesens kann nur entstehen, wenn das Ding auch reagiert. Wenn es atmet. Wie auch die zwei wohl eindrucksvollsten Maschinen gegen menschliche Vereinsamung – die interessanterweise beide ohne wirtschaftliches Kalkül entstanden sind.