Urban Gardening ist die zeitgemäße Gewandung eines uralten Konzepts – Freiräume für Pflanzen in den Städten zu erobern und den Anbau von Lebensmitteln in die Wohngebiete zurückzuholen. Darunter fällt das schlichte Balkongärtnern ebenso wie der interkulturelle Stadtgarten oder die Buttermilch-Moos-Attacken von Guerilla-Gärtnern auf nackte Betonflächen. Zu all diesen Spielarten des Buddelns kann man sich auf unzähligen Websites und Foren Tipps holen.

Gärtner & Guerilleros
Guerilla Gardening bezeichnet die oft illegale, jedenfalls subversive Kultivierung städtischer Flächen – Blumen auf zwar offiziell angelegten, aber vergessenen Beeten, Salat auf Verkehrsinseln, Schmetterlingswiesen statt Fußballrasen im Stadtpark oder Kakteen auf Lücken im Straßenpflaster. Die heimliche Aussaat von Pflanzen als politische Geste wurde schon in den siebziger Jahren in der angelsächsischen Welt erfunden. Die Erfinder des Begriffs sind inzwischen weniger klandestin unterwegs und unterstützen offiziell städtische Gartenprojekte. Dafür versammelt Richard Reynolds seit 2004 Untergrund-Agrarier aller Länder auf dem Webprojekt guerillagardening.org . Grüne Welle bringt ein paar deutschsprachige Zusatzinformationen dazu, verlinkt aber sonst auf Reynolds' Forum. Die kanadische Variante spricht von "Graffiti with nature". Ein Held der Garten-Guerilla ist der blinde Sean Canavan .

Besonders geeignet sind die freien Flächen um Straßenbäume, die Baumscheiben. Anhänger der Bewegung zeigen in Webforen und Blogs gern Vorher-Nachher-Bilder und tauschen sich über die unauffälligsten und sichersten Pflanzmethoden aus.  Der Naturschutzbund gibt praktische Tipps, was man wo wie pflanzen sollte.

Stadtgärten und -projekte
Die deutsche Urban-Gardening-Szene konzentriert sich stark auf Berlin. Ihre zentrale Website ist urbanacker , mit Informationen über viele grüne Flecken in der Hauptstadt und wenige in der Provinz (Schäftlarn bei München, Oldenburg-Kreyenbrück). Dem Netzwerk Interkulturelle Gärten der Stiftung Interkultur gehören 112 Gärten in 14 Bundesländern an, weitere 65 Projekte sind in der Planung. Die Stiftung ist ein Projekt der Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis . Deren Gesellschafterin Christa Müller hat gerade das Buch Urban Gardening herausgegeben.

Viele Gartenprojekte haben eigene Websites, etwa die Rosa Rose , die Prinzessinnengärten oder der Pyramidengarten in Berlin oder die Gartencoop Freiburg . Die Welthauptstadt des Urban Gardening ist New York, wo es schon seit 1978 den Clinton Community Garden gibt - Vorbild für Projekte wie die New York Farm City in Brooklyn . Die Eagle Street Rooftop Farms in Manhattan sind eine Inspiration für den deutschen Verein Dachgärten für alle! Stadtnahe Gärten zum Selbstbewirtschaften vermietet seit kurzem das Unternehmen Meine Ernte . Es gibt aber auch den guten alten Kleingartenverein.

Rat & Tat
Nicht jeder, der gärtnern will, ist mit grünem Daumen geboren, deshalb sind dumme Fragen und kluge Antworten Teil aller Stadtgärtner-Foren. Aber auch auf allgemeine Seiten wie Garten-Forum , Forum Garten oder Hausgarten.net findet sich fast immer jemand, der Fragen zu Brennesseln, Brombeeren und Blähton beantworten kann. Das Fachblatt Mein schöner Garten unterhält ebenso ein Forum wie der Verein Naturgarten .