Gardening Subversion auf dem Kompost
Gardening ist der neueste Schrei unter trendbewussten Großstädtern. Zwischen Tulpenzwiebeln und Rosenbeet kommen sie wieder zu sich selbst. Seltsam.
© Chris Hondros/Getty Images

Eine New Yorkerin freut sich über gejätetes Unkraut.
Fortschritt ist auch immer eine Verlustgeschichte. Die Vertreibung aus dem Garten Eden mag Generationen bewogen haben, sich ins Blumenbeet zu krümmen und sich ein Stück vom Paradies zurück zu holen. Doch spätestens seit ein Baumarkt mit vom absurden Theater inspirierten Werbefilmen auf sein Sortiment aufmerksam macht, lässt sich erahnen, dass Gartenarbeit irgendwie anders geworden ist. Am Schluss jedes Spots heißt es: "Mach es zu deinem Projekt!"
Projekte nennen sich ja gemeinhin die Angelegenheiten, an denen Leute zwischen 20 und 35 in urbanen Ballungsräumen so herummachen: Kinderbuch, Theaterstück, Elektropostrockband oder Fotoessays über Industriebrachen in Ostdeutschland. Seit Kurzem gehört nun auch das sogenannte Gardening dazu. Diese Version des herkömmlichen Gärtnerns ist der letzte Schrei großstädtischer Freizeitgestaltung. Radieschen und Mistgabeln schmücken derzeit die Titelseiten mondäner Stadt- und Lifestylemagazine, darin sind dann schöne junge Menschen abgebildet, die inmitten wuchernden Bewuchses berichten, wie sie plötzlich ihren grünen Daumen entdeckten und wie man neulich beim Vertikutieren zu sich selbst fand.
Der wesentliche Unterschied zwischen Gärtnern und Gardening besteht zunächst darin, dass Gardening besser aussieht. Man tut es befreit von Kittelschürze und Einfamilienhaus, erweitert jedoch um hilfreiche iPhone-Apps und hochwertige Spaten von Manufactum. Man trägt dafür angefertigte Flanellhemden schicker Modelabels und Gummistiefel zum Preis von 200 Tulpenzwiebeln. Es ließe sich reimen: Gärtnern hieß, was Mutti tat / Gardening ist Avantgarde.
Vorbei sind die Zeiten, als Gespräche über akkurate Rasenlängen noch als Ausdruck von Pedanterie und Biedersinn verstanden wurden und man froh war, dem in der Großstadt entkommen zu sein. Heute rauscht selbst durch ranzigste Berliner Bars ausgekochtes Spezialvokabular aus der Gartenbauabteilung. Geredet wird über optimale, umweltverträgliche Schädlingsbekämpfung, rosentolerante Unkrautverödung, die Winterhärte von Birnen, das ausgeklügelte Drainagesystem, wie die Bougainvillea glabra blüht (karmesinrot nämlich) und über das Mähergebnis dieses und jenes Fabrikats. Hinterher tauscht man Samen aus.
- Urban Gardening
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Holt das Grün in die Stadt! Urban Gardening ist die Neuinterpretation eines traditionellen Lebensstils: des Gärtnerns.
Doch die neuen Gärtner wollen mehr, als nur Rosen züchten. Mit illegalen Pflanzaktionen, wilden Dachgärten, individuellen Balkonbeeten und offenen Gemeinschaftsgärten versuchen sie, der Natur mehr Spielraum zu geben. Vergessene Areale werden zu Lehr- und Versuchsgärten für Jung und Alt. Hässliche Straßen werden schöner, Nachbarn finden zusammen. Und: Es darf gepflückt werden!
In unserem Schwerpunkt geht es um die unterschiedlichen Auswüchse des Urban Gardening.
- Unsere Geschichten zum Thema
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Das Buch zum Thema: Urban Gardening – Alles, was man wissen muss
Grüne Seiten: Gartentipps aus dem Netz
Die Prinzessinnengärten in Berlin gehen in die dritte Saison
Richard Reynolds, der Guru des Guerilla Gardening, führt durch das grüne London
Firmengärten: Wo Mitarbeiter und Chef gemeinsam graben
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Streitfall Gartenzaun: Was Mieter wissen müssen
Sound-Kolumne: Gärten als akustische Oasen
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Wie Dachgärten das Stadtklima positiv beeinflussen
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Koblenz blüht auf, mit der Bundesgartenschau
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Deutsche Schrebergärten in Bildern
Wenn Städter vom Leben auf dem Land träumen, hat das mit der Realität dort wenig zu tun
So baut man Kartoffeln auf dem Balkon an
Alle Texte, Fotos und Videos finden Sie auch auf der Themenseite Urban Gardening
Diese Mode könnte man leichthin unter grünem Zeitgeist zusammenfassen, der optisch und sprachlich aufgemöbelt nun die jüngeren Großstädter ergreift. Sei es als Ausgleich zu den analogen Haltungsschäden, die die Arbeit am Computer verursacht oder weil Frischluft ja noch nie geschadet hat. Aber auch wenn urbanes Gardening wilder und unangepasster (gibt es sogar als Guerilla-Variante) und lebensfühliger sein will als die gebeugte Plackerei der Vorstädter; auch wenn die Urbangärtner viel mehr darüber reden, als Oma es je täte, so drückt es doch den umso größeren Wunsch nach einer Gemütlichkeit aus, einer Sehnsucht nach dem ehrlichen, bewussten Leben, die unweigerlich ins Konservative kippt.
So wird es sicher nicht lange dauern, bis auch die Modelleisenbahn als nächstes wieder in die Keller Berlins, Hamburgs und Münchens einfährt und als Modelrailroading ihr unverhofftes Revival erlebt. Und bis die Elterngeneration draußen auf dem Lande sich freut, dass auch bei ihren Kindern Subversion endlich nur noch auf dem Kompost stattfindet. Die werden schließlich auch älter. Man kann das nicht oft genug sagen: Fortschritt ist ja immer eine Verlustgeschichte.
Wann hatten Sie zuletzt Dreck unter den Nägeln? Schreiben Sie uns einen Leserartikel über Ihre Erfahrungen.
- Datum 04.05.2011 - 10:36 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 24
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hat schon vor 30 Jahren dieses "Gardenning" betrieben. Allerdings hat sie es eben als "Garteln" bezeichnet. Heutzutage muss es aber immer ein Anglizismus sein, damit es die Deutschen interessiert. Das ist die neue "fashion" in "Germany". Altes Produkt, neue Verpackung. So what.
wahrscheinlich, weil da keine coolen Leute mit Geräten von Manufactum Tomatensorten anbauen, die ihnen in buntigen Lifestylemagazinen "angesagt" werden.
wahrscheinlich, weil da keine coolen Leute mit Geräten von Manufactum Tomatensorten anbauen, die ihnen in buntigen Lifestylemagazinen "angesagt" werden.
wahrscheinlich, weil da keine coolen Leute mit Geräten von Manufactum Tomatensorten anbauen, die ihnen in buntigen Lifestylemagazinen "angesagt" werden.
Der Schrebergarten kommt auch! Bei uns gibt es schon die ersten hippen Kollegen, die (nach und nach hinter weniger vorgehaltener Hand) einen Schrebergarten bewirtschaften. Da wird bald bei den Kolonien zwischen "in" und "out" unterschieden werden. Ich wette...
Auf dem ästhetischen Misthaufen eines Vorstehers gewachsene und mittels eines harten Regimes der Unterordnung durchgesetzte Bepflanzungspläne, und generell die sandburgartige Anlage des Schrebergartens, der nur begrenzt Zutritt gewährt, macht Schrebergärtnern zu einer kleinbürgerlichen Angelegenheit. Dagegen ist zumindest die Guerilla-Variante des Gardening hierarchielos und gemeinnützig. "Open Seed", wenn man so will.
gar nicht spiessig!
je nach anlage des schrebergartens eignet dieser sich teilweise bestens für sommerliche grillabende etc.
wer sagt, dass ein schrebergarten nur gemüse und kräuter beherbergen muss?
Der Schrebergarten kommt auch! Bei uns gibt es schon die ersten hippen Kollegen, die (nach und nach hinter weniger vorgehaltener Hand) einen Schrebergarten bewirtschaften. Da wird bald bei den Kolonien zwischen "in" und "out" unterschieden werden. Ich wette...
Auf dem ästhetischen Misthaufen eines Vorstehers gewachsene und mittels eines harten Regimes der Unterordnung durchgesetzte Bepflanzungspläne, und generell die sandburgartige Anlage des Schrebergartens, der nur begrenzt Zutritt gewährt, macht Schrebergärtnern zu einer kleinbürgerlichen Angelegenheit. Dagegen ist zumindest die Guerilla-Variante des Gardening hierarchielos und gemeinnützig. "Open Seed", wenn man so will.
gar nicht spiessig!
je nach anlage des schrebergartens eignet dieser sich teilweise bestens für sommerliche grillabende etc.
wer sagt, dass ein schrebergarten nur gemüse und kräuter beherbergen muss?
Denglisch klingt nicht modern, sondern nach irgendwelchen nerdigen Gamern und Kellerkindern.
Und nebenbei: Es ist nur im Dreck wuhlen und Pflänzchen reinsetzen. Es macht Spaß oder auch nicht. ;-)
...wenn das Thema so lifestylemässig in der Presse verwurstet wird, ist idR nicht viel dran.
Apropo unabhängige Presse: liebe Redaktion, wieviel habt ihr denn für die Schleichwerbung kassiert?
> Denglisch klingt nicht modern, sondern nach irgendwelchen _nerdigen_ _Gamern_ und Kellerkindern.
Die Ironie Ihrer Aussage ist Ihnen hoffentlich nicht entgangen...
...wenn das Thema so lifestylemässig in der Presse verwurstet wird, ist idR nicht viel dran.
Apropo unabhängige Presse: liebe Redaktion, wieviel habt ihr denn für die Schleichwerbung kassiert?
> Denglisch klingt nicht modern, sondern nach irgendwelchen _nerdigen_ _Gamern_ und Kellerkindern.
Die Ironie Ihrer Aussage ist Ihnen hoffentlich nicht entgangen...
gut ist der Kontakt zum Boden, zu den Pflanzen allemal... So kann sich auch der Nerd von I-Phone, I-Pad und Pipapo-Blog erholen und findet zu sich selbst, sei's gegärtnert, gegardened oder gegart'lt oder auch einfach nur so...
Da können wir noch viel von Projekten in Ländern lernen in denen Urban Agriculture/Horticulture betrieben wird. Bislang ein Thema für die Enticklungszusammenarbeit.
Der Schrebergarten kommt auch! Bei uns gibt es schon die ersten hippen Kollegen, die (nach und nach hinter weniger vorgehaltener Hand) einen Schrebergarten bewirtschaften. Da wird bald bei den Kolonien zwischen "in" und "out" unterschieden werden. Ich wette...
Auf dem ästhetischen Misthaufen eines Vorstehers gewachsene und mittels eines harten Regimes der Unterordnung durchgesetzte Bepflanzungspläne, und generell die sandburgartige Anlage des Schrebergartens, der nur begrenzt Zutritt gewährt, macht Schrebergärtnern zu einer kleinbürgerlichen Angelegenheit. Dagegen ist zumindest die Guerilla-Variante des Gardening hierarchielos und gemeinnützig. "Open Seed", wenn man so will.
... sind die meisten Schrebergartensiedlungen gar nicht. Die Regeln, die tatsächlich oftmals aussehen, als seien hier Zwangsneurotiker am Werk gewesen, werden längst nicht überall so eng gesehen. Es treffen sich hier ganz gemütlich und hierarchiefrei Akademiker und Postboten, Türkisch-, Polnisch- und Deutschstämmige und ich kenne wirklich kaum ein Umfeld, das so kommunkationsfördernd wäre wie eine Schrebergartensiedlung.
Dass nicht jeder Zugang hat, liegt an Diebstahl und Vandalismus, nicht an Angst vor Offenheit. Eine sandburgartige Anlage kann ich nirgends erkennen und es gibt hier wirklich viele Schrebergärten.
Meine Granny hat in ihrem kleinen Village in Bavaria eben genau dieses Guerilla gardening betrieben. Weil es aber in Germany war und nicht in Neu York assoziiert man darunter sofort Schrebergartenuntriebe. Damit es hip und cool in Germany ankommt, muss man eben das Produkt relaunchen. Denn alles Deutsche ist altbacken und spiessig, kommt es aber aus Neu York ist es trendy.
...bisher fast ausschliesslich positive Erfahrungen mit Schrebergärten. Die Regeln nerven, klar, nur darf man nicht vergessen, dass für viele der SG die einzige Chance auf ein bisschen grün ist. Die Nutzer sind also idR nicht schuld.
D ist halt sehr dicht besiedelt und blöderweise drängelt sich alles in einigen wenigen Ballungszentren. Schonmal versucht ein bezahlbares Baugrundstück zu ergattern? Die Kommunen nutzen das als sprudelnden Geldquell hemmungslos aus und die Parzellen sind teilweise so lächerlich klein, dass man bei der Restfläche gar nicht mehr von *Garten* sprechen mag, nachdem ein Haus draufsteht.
Vielleicht stecken da die Juristen aus der Politik dahinter, durch die engebedingten Nachbarschaftskonflikte dürften einige hundertausend Anwälte ein gutes Leben haben (ich sag nur "moschendrahtzaun" ;-)
http://de.wikipedia.org/w...
Erinnert sich noch wer? Beinahe ein Klassiker.
... sind die meisten Schrebergartensiedlungen gar nicht. Die Regeln, die tatsächlich oftmals aussehen, als seien hier Zwangsneurotiker am Werk gewesen, werden längst nicht überall so eng gesehen. Es treffen sich hier ganz gemütlich und hierarchiefrei Akademiker und Postboten, Türkisch-, Polnisch- und Deutschstämmige und ich kenne wirklich kaum ein Umfeld, das so kommunkationsfördernd wäre wie eine Schrebergartensiedlung.
Dass nicht jeder Zugang hat, liegt an Diebstahl und Vandalismus, nicht an Angst vor Offenheit. Eine sandburgartige Anlage kann ich nirgends erkennen und es gibt hier wirklich viele Schrebergärten.
Meine Granny hat in ihrem kleinen Village in Bavaria eben genau dieses Guerilla gardening betrieben. Weil es aber in Germany war und nicht in Neu York assoziiert man darunter sofort Schrebergartenuntriebe. Damit es hip und cool in Germany ankommt, muss man eben das Produkt relaunchen. Denn alles Deutsche ist altbacken und spiessig, kommt es aber aus Neu York ist es trendy.
...bisher fast ausschliesslich positive Erfahrungen mit Schrebergärten. Die Regeln nerven, klar, nur darf man nicht vergessen, dass für viele der SG die einzige Chance auf ein bisschen grün ist. Die Nutzer sind also idR nicht schuld.
D ist halt sehr dicht besiedelt und blöderweise drängelt sich alles in einigen wenigen Ballungszentren. Schonmal versucht ein bezahlbares Baugrundstück zu ergattern? Die Kommunen nutzen das als sprudelnden Geldquell hemmungslos aus und die Parzellen sind teilweise so lächerlich klein, dass man bei der Restfläche gar nicht mehr von *Garten* sprechen mag, nachdem ein Haus draufsteht.
Vielleicht stecken da die Juristen aus der Politik dahinter, durch die engebedingten Nachbarschaftskonflikte dürften einige hundertausend Anwälte ein gutes Leben haben (ich sag nur "moschendrahtzaun" ;-)
http://de.wikipedia.org/w...
Erinnert sich noch wer? Beinahe ein Klassiker.
gar nicht spiessig!
je nach anlage des schrebergartens eignet dieser sich teilweise bestens für sommerliche grillabende etc.
wer sagt, dass ein schrebergarten nur gemüse und kräuter beherbergen muss?
... meine Ironie übersehen (oder auf den falschen Beitrag geantwortet).
... meine Ironie übersehen (oder auf den falschen Beitrag geantwortet).
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