Urban Gardening : Ein Kartoffelacker auf dem Balkon

Gemüse aus dem Supermarkt? Kartoffeln kann man auch auf dem Balkon pflanzen. Die Mitarbeiter des Berliner Prinzessinnengartens erklären, wie’s geht.

Zutaten: Eine Kartoffel. Ein Reissack. 15 Liter Komposterde. 15 Liter Gartenspezialerde. Wasser. Und ein Balkon, eine Terrasse, ein Garten oder irgendein vergleichbarer Platz unter freiem Himmel.

Das gibt’s: Wer eine Knolle pflanzt, kann mindestens 1 kg Kartoffeln ernten.

Dauer: Der Pflanzprozess selbst ist in 15 Minuten erledigt. Bis zur Ernte: etwa ein Vierteljahr.

Die Kartoffel: Die Knolle muss bereits getrieben haben. Dazu sollte sie – wenn mehrere Kartoffelsäcke bepflanzt werden sollen: zusammen mit den anderen Knollen – möglichst trocken lagern. Die Prinzessinnengärtner bewahren die Kartoffeln dafür in Eierkartons auf, damit sie sich nicht berühren. Und sie verwenden Standardsorten wie Linda genauso wie alte Sorten wie "Blauer Schwede" oder "Bamberger Hörnchen".

Die Erde: Für einen Sack benötigt man Komposterde und Gartenspezialerde (Mischung aus Mutterboden, Lehm und Kompost; gibt es fertig zu kaufen) zu gleichen Teilen. Am besten zwei Eimer vorbereiten, das erleichtert das Abmessen wie das Mischen. Abwechselnd je die Hälfte Kompost und Spezialerde auf einen Haufen schütten, dann wiederholen, bis beide Eimer leer sind. (Schon mal merken: Etwa noch mal so viel Erde wird in ein paar Wochen gebraucht.) Dann die Erdmischung in den vorbereiteten Sack schaufeln, gut 5 Gartenschaufeln voll.

Aus einem mit Erde gefüllten Reissack kann man bis zu einem Kilo Kartoffeln ernten. © Anne Haeming

Der Sack: Es sollte ein lebensmittelechter Sack sein. Die Prinzessinnengärtner verwenden dafür Reissäcke. Die gibt’s im Großhandel und im Asialaden. Sie sind wasser- und luftdurchlässig. Und weiß – das reflektiert zudem die Sonne. Die Ränder des Sacks umkrempeln und bis auf etwa 20 cm Höhe herunterrollen. So kommt möglichst viel Licht an die Pflanze, wenn sie noch klein ist. Manche pflanzen Kartoffeln auch in Plastiktonnen, wegen der hohen Ränder liegen die Triebe aber im Schatten. Später, wenn die Pflanzenstängel etwa 30 Zentimeter hoch gewachsen sind, werden noch einmal gut 15 Liter Erde nachgefüllt – und die Sackränder wieder weiter hoch gerollt. Das stützt die Pflanzen praktischerweise auch. Denn immer dran denken: Die Blätter müssen oben gehalten werden, damit die Photosynthese ideal funktioniert.

Das Anpflanzen:
Die Kartoffelknolle mit den Trieben nach oben in die Erde setzen. Etwa sieben Zentimeter tief. Bei Erwachsenen also etwa eine Fingerlänge. Mit gut fünf Liter Wasser angießen. Fertig.


Die Pflege: Kartoffelpflanzen mögen’s warm und sonnig. Jede Woche einmal gießen, morgens oder abends. Wenn’s besonders heiß ist etwa alle drei Tage. Einfach nachprüfen: Wenn man den Finger etwa vier Zentimeter in die Erde steckt und die untere Schicht feucht ist, kann man noch warten. Denn zu feucht darf’s nicht werden, sonst fangen die Wurzeln an zu faulen.

Wer den Prinzessinnengarten unterstützen möchte, kann eine Beetpatenschaft übernehmen .


 

Kommentare

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Frage an die Runde:

Gibt es Erfahrungen wie viel Kilo Kartoffeln geerntet werden können und wie das Verhältnis von Ernte und Materialeinsatz am Ende so ungefähr aussieht?

Wieviel kosten die Selbstangepflanzten Kartoffeln und kann ich die Erde, den Reis im nächsten Jahr wieder verwenden (+ welchen Dünger?)

Vorsicht!

Vorsicht bei der Auswahl der Erde! Für Blumenerde gelten praktisch keine Schadstoffgrenzwerte, während Ackerböden wesentlich aufwendiger überwacht werden. Wer seine Kartoffeln also in einem Sack "Billich-Erde" aus dem Baumarkt heranzüchtet muß damit rechnen, daß er ein ziemlci gruseliges Gemisch aus Klärschamm und Torf bekommt. Das ist rechtlich zulässig, seiner Gesundheit, und übrigens auch unseren Mooren, tut damit aber niemand einen Gefallen.

Statt Reissäcken gibt es in fast jedem Haushalt ...

mittlereile diese blauen Ikea-Tüten. Die eignen sich für Balkone sehr gut und beheimaten bei Freunden seit einigen Jahren beispielsweise Zucchini, Kürbisse und die erwähnten Kartoffeln.

Und nebenbei kann man damit Stadtkinder sehr schön begeistern.

Die dicken Dinge mit den Textiltrageschlaufen...

... sind aus dem gleichen Material wie Reissäcke oder meine Einkaufsbeutel von Tesco oder Sainsbury. Es sind auch keine Einkaufstütchen sondern sehr belastbare Tragetaschen, die man im Uniumfeld gern auch als Tragemöglichkeit für Waschsalonbesuche sieht.

Ob es solche in Deutschland noch in anderen Läden als Ikea gibt, die das in einer Hauszeitung vor Monaten als Idee aus GB zum Heimgärtnern empfahlen, weiß ich allerdings nicht.

Soda-Effekte treten dabei nicht auf.