Urban Gardening Mit Biobrühe gegen Ungeziefer

Chemiekeule gegen Gartenschädlinge? Von wegen: In diesem Sommer heißt es Selbermachen. Die Berliner Prinzessinnengärtner erklären, wie's geht. Folge 3: Brennnesseljauche.

Zutaten: Brennnesseln. Wasser. Eimer. Rosenschere. Gartenhandschuhe.

Das gibt’s: Brennnesseljauche, total bio. Damit hält man nicht nur Ungeziefer von den sorgsam gezogenen Pflanzen fern. Als Dünger sorgt die Flüssigkeit außerdem dafür, dass der Boden mehr Nährstoffe an die Pflanzen abgibt.

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Dauer: Das Ansetzen geht fix; je nachdem, wie schnell man genug Brennnesseln zusammen hat: etwa 10 Minuten. Bis man die Jauche verwenden kann: Je nach Verwendungszweck zwei Tage (Pestizid) bis drei Wochen (Bodenverbesserer).

Der Berliner Prinzessinnengarten

Der Berliner Prinzessinnengarten ist das Aushängeprojekt der Urban Gardening-Szene in Deutschland. Auf diesem 6000 Quadratmeter großen Nachbarschaftsgarten treffen sich seit 2009 Berliner aus allen Nationen, um Kräuter zu säen, Gemüse anzupflanzen – und zu ernten. Es ist kein Sozialprojekt, sondern ein kleines Unternehmen.

Die Idee dazu hatten Marco Clausen und Robert Shaw. Sie sind selbst keine Gärtner, die vielen freiwilligen Helfer auf dem Gelände in der Regel auch nicht. Doch sie haben inzwischen viel Erfahrung gesammelt, wie Städter ihr eigenes kleines Stück Grün beackern können.

Ihre besten Ratschläge teilen die Prinzessinnengärtner ab sofort hier mit den ZEIT ONLINE-Lesern.

Die Brennnessel-Pflückerei: Handschuhe anziehen, Rosenschere rausholen – so geht’s möglichst schnell und schmerzfrei. Jonathan rät: Wer Brennnesseln draußen in der Natur "erntet", sollte die Pflanze immer in der Mitte des Stengels kappen. Der Biodiversität zuliebe: So wächst die Brennnessel schneller nach. Und je größer die Blätter sind, desto besser. Wieviel man braucht, hängt von der Größe des Behälters ab, den man benutzt: Jonathan füllte die Hälfte seines Eimers. Die Blätter und Stengel mit der Rosenschere grob kleinschnippeln. Dann zersetzen sie leichter.

Die Brühe ansetzen: Einfach den Eimer halb mit Wasser füllen, idealerweise Regenwasser. Das Ganze an einem schattigen, trockenen Ort lagern und Gitter über die Öffnung legen, damit keine Tiere oder anderen Blätter reinfallen. Damit man den Überblick behält, am besten ein Schild mit dem aktuellen Datum drankleben. Wer möchte, kann gleich mehr machen: Deckel drauf – dann hält sich der Biodünger bis Ende des Jahres.

Verwendung: Die Brühe mit dem Pürierstab kleinhäckseln. Und nur verdünnt mit Wasser verwenden, im Mischverhältnis 1 zu 10.

Nach zwei Tagen ist die Mischung bereits als Bio-Pestizid verwendbar. Einfach in eine Gießkanne mit Brauseaufsatz füllen und dann direkt über die Blätter gießen: Blattläuse und andere Schädlinge haben einfach keine Lust, sich durch die unangenehm stinkende Schicht zu fressen und lassen es sein.

Nach etwa drei Wochen hat man ein Bodennährmittel. Dafür einmal am Tag mit einem Stock umrühren, bis es schäumt. Wenn es irgendwann nicht mehr schäumt, ist die Jauche fertig. Die verdünnte Flüssigkeit direkt am Pflanzenstamm in die Erde gießen. Wichtig: bitte nur vor der Blüte! Nach der Blütezeit Jauche aus Beinwell (auch bekannt als Comfrey) verwenden. Die wird praktischerweise genauso hergestellt wie der Brennnesseldünger. Und ist besonders beliebt bei Tomaten und Kürbissen.

 
Leser-Kommentare
  1. Durch Bio-Sprossen sind mehr Menschen gestorben als durch die Reaktorkatastrophe in Fuko...

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    Dann sehen wir mal.

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  2. ... "Brennessel" eintippe, mault mein Rechtschreib-Add-on ... – wie jetzt, Zeit-Redaktion? Schreiben wir nach der Schlechtschreibreform, oder lassen wir's ein bißchen wie früher?

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben natürlich Recht, es müsste mit drei "n" geschrieben werden. Wir haben alle Wortkombinationen mit Brennnessel geändert. Die Redaktion/se.

  3. ... soll das denn?

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    • otto_B
    • 17.06.2011 um 0:17 Uhr

    Gegen das urbane Gärtnern ist garnichts einzuwenden. Wenn da nur nicht immer dieses zwanghafte Bio-Gefasel wäre.

    Wenn ich mich im Garten gegen Konkurrenten zur Wehr setze, dann will ich das auch OHNE SCHLECHTES GEWISSEN tun dürfen.

    Wie ist das denn z.B. mit den Schnecken? Bei denen hört ja bekanntermaßen die Freundschaft auf.
    Was ist aus toxikologischer Sicht gegen Metaldehyd oder Eisenphosphat einzuwenden?

    Überhaupt - jeglicher Zulassungspraxis (für Pestizide) ist doch eine Basierung auf evolutionären Erkenntnisgewinn zu unterstellen. Wie sollte das im demokratischen Staat auch anders sein?

    Welcher Erwerbslandwirt wird es sich leisten können, mit Brennesselbrühe zu hantieren?..... wohl kaum auch wenn im Supermarkt "Bio" dransteht......

    Wie gesagt . nichts gegen das urbane Gärtnern. Aber bitte vielleicht mit etwas weniger Ideologie.

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    • jagu
    • 17.06.2011 um 1:43 Uhr

    Ich konnte in dem Artikel nichts von "zwanghafte Bio-Gefasel" oder "Ideologie" erkennen.

    Warum eigentlich (nebenbei verbraucht das auch ne Menge Energie) Chemie, wenn Natur oft schon reicht?

    • jagu
    • 17.06.2011 um 1:43 Uhr

    Ich konnte in dem Artikel nichts von "zwanghafte Bio-Gefasel" oder "Ideologie" erkennen.

    Warum eigentlich (nebenbei verbraucht das auch ne Menge Energie) Chemie, wenn Natur oft schon reicht?

  4. Wieso gibt Boden der mit Brennesseljauche versetzt wurde Nährstoffe besser an die Pflanzen ab? Ist es nicht eher so, daß wie durch jeden Dürger einfach hinterher mehr Nährstoffe im Boden zu finden die an dei Pflanze abgegeben werden können?

    Weiterhin, Brennesseln auf halber höhe abschneiden, damit die schneller nachwachsen? Also meiner dorftkindlichen Erfahrung nach wachsen Brennesseln ungemein schnell nach und auch nach mehrmaligem kurzhalten noch reichlich ausdauernd. Ich denke keiner, der einen halben Topf Dünger ansetzen möchte braucht sich ernsthafte sorgen zu machen eine Pflanzenart auszurotten oder auch nur kurzfristig aus den Nahrungsangebot von Krabbeltieren zu nehmen.

    Eine Warung an Nachahmer wäre auch angebracht.
    "Blattläuse und andere Schädlinge haben einfach keine Lust, sich durch die unangenehm stinkende Schicht zu fressen und lassen es sein."
    Darüber sollte man nocheinmal gründlich nachdenken bevor man Zimmerpflanzen auf diese Art düngt.

    • jagu
    • 17.06.2011 um 1:43 Uhr

    Ich konnte in dem Artikel nichts von "zwanghafte Bio-Gefasel" oder "Ideologie" erkennen.

    Warum eigentlich (nebenbei verbraucht das auch ne Menge Energie) Chemie, wenn Natur oft schon reicht?

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    Antwort auf "Warum unbedingt "Bio"?"
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    So platt geantwortet wie gefragt: Weil auch Natur ohne Chemie nicht funktioniert.
    Das scheinbar doch zwanghafte Gefasel vom Unterschied zwischen Bio und Chemie sowie vom Gegensatz Natur und Chemie hört ja wohl schon bei der simpelsten Biochemie auf.
    Selbst mit Kunstdünger (der ist ja nicht per se schlecht) gedüngtes Grünzeug ist immer noch biologisch und kein Kunstprodukt.

    So platt geantwortet wie gefragt: Weil auch Natur ohne Chemie nicht funktioniert.
    Das scheinbar doch zwanghafte Gefasel vom Unterschied zwischen Bio und Chemie sowie vom Gegensatz Natur und Chemie hört ja wohl schon bei der simpelsten Biochemie auf.
    Selbst mit Kunstdünger (der ist ja nicht per se schlecht) gedüngtes Grünzeug ist immer noch biologisch und kein Kunstprodukt.

  5. nicht auf blattgemüsen ausbringen.

    ich sage das nur prophylaktisch, immerhin habe ich schon viele städter gesehen, die auf den total naturbelassenen altlastenflächen des hamburger hafens ihre brombeeren für bio-marmelade gesammelt haben.

    viele leute finden natur voll süß, haben aber keine ahnung, wie sie funktioniert.

    • dingo1
    • 17.06.2011 um 7:27 Uhr

    @Mothers finest

    Zwischen Brennnessel-Blätter und Brennnessel-Jauche ist aber schon ein Unterschied.
    Die Raupen fressen ausschließlich Teile der Brennnessel-Blätter und nicht die Brennnessel-Jauche.

    Die Brennnessel-Jauche kann auch im größeren Stil in Fässern angesetzt werden und die Verwendung dieses Mittels war früher weitverbreitet.

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