Eine Koalition aus 990066 und FF000 © ZEIT ONLINE

990066 ist eine ganz schöne Zahl, fast ein Palindrom. Also etwas wie "Amore belebe Roma!", was von vorn wie hinten gleich aussieht. Die 990066 muss man dazu nur noch auf den Kopf stellen, dann funktioniert's. Bei FF0000 bringt das wenig. Ein umgedrehtes F sieht nach nichts aus, Schraubzwinge ist das sinnvollste, was freies Assoziieren darüber hervorbringt. Schraubgezwungen sind 990066 und FF0000 wiederum ein aufregendes Paar, denn wer die Farbwerte bei Google eintippt, sieht plötzlich Karminrot und Purpur. Männer rufen da: Das beißt sich. Frauen aber hauchen: Colourblocking! Und besonders in Berlin verspüren politisch interessierte Exemplare ein Kribbeln. Die SPD nämlich hat umdekoriert.

Sie bringt Rot und Purpur jetzt so selbstbewusst zusammen , als könnte sie dank makellosem Teint und moralischer Unantastbarkeit alles tragen. Sogar 990066, dieses waldbeerige Purpur, das man jetzt vor Weihnachten oft auf Kaschmirpullis sieht. Während der Einkäufer an Mutti denkt, denkt die SPD: Frische und Selbstbewusstsein, Wärme und Geschlossenheit. Als Sekundant des klassischen Sozi-Rots soll Purpur für 2013 nun Mehrheiten zusammenbekommen. Eigentlich wie Andrea Nahles, die als Erste vor der Purpurwand gesprochen hat. Ob es gar ihre Idee war? Weil Gucci jetzt für den Herbst diese Kombination so flott über den Laufsteg gejagt hat, mit purpurnen Pelzwesten und leuchtroter Schluppenbluse? Der Ruf als Marke, die sich was traut, war damit rehabilitiert. Klar, das will die SPD auch.

Super J+K heißt die Agentur, die die Partei bei der Farbwahl beraten hat. Sprechen kann man mit den Superagenten leider gerade nicht, zu viel zu tun vor dem Superparteitag, zu dem so viele Teilnehmer erwartet werden wie noch nie. SPD wird Popkultur: François Hollande und Sigmar Gabriel vor majestätischem Purpur! Der Ton hat von jeher die Ehrgeizigen angezogen, der Klerus kommt ja bis heute nicht weg davon. Scheinbar schlägt das Purpur also Brücken in alle erdenklichen Richtungen: Es ebnet den Weg zu den oft in purpurnen Balken oder Tortenstückchen repräsentierten Linken, lässt die christlich-konservativen heimelig werden, macht die unpolitische Lifestyle-Klasse an. Wer einmal in Goethes Farbenlehre nachschlägt, der durchschaut jedoch das eigentliche Ziel: Um eine für den Betrachter angenehme, sinnlich-sittliche Farbharmonie zu erreichen, verlange Purpur nach Grün. Wie man es also dreht und wendet: Alles beim Alten.