FrauenzeitschriftenÖfter mal was Neues blättern

Drei neue Frauenmagazine sollen in diesem Jahr an den Kiosk kommen. Die Verlage experimentieren, weil die deutschen Leserinnen einem Heft eher selten die Treue halten. von Sonja Pohlmann

Treu sind nur die wenigsten Frauen. Fast alle wagen einen Seitensprung, manche sogar monatlich. Zwar kehren viele anschließend wieder reumütig zurück, doch manche lassen sich auf eine neue Beziehung ein. Langweilt auch die, wird eben wieder eine neue gesucht.

Männer, keine Angst. Es geht ausnahmsweise nicht um euch, sondern um Magazine. Zumindest was Zeitschriften betrifft, haben Frauen eine große Neigung fremdzugehen. Für die Verlage ist das Fluch und Segen zugleich, sagt Volker Breid, Geschäftsführer des Bereichs Frauen/Familie/People bei Europas größtem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr: "Ein Fluch, weil sich fast kein Titel sicher sein kann, eine Leserin dauerhaft an sich binden zu können. Und ein Segen, weil auch neue Hefte eine Chance haben und die Verlage in diesem Markt mehr ausprobieren können.“

Anzeige

Wohl in keinem anderen Segment wird so stark um die Gunst der Leserinnen gekämpft wie im Bereich der Frauenzeitschriften. 34 wöchentlich erscheinende Titel (verkaufte Auflage insgesamt: 9,9 Millionen Stück, IVW 3. Quartal 2011), vier 14-tägliche (1,7 Millionen Stück) und 53 Monatstitel (9,9 Millionen Stück) konkurrieren bereits jetzt miteinander. Und trotzdem werden in keinem anderen Segment so viele neue Titel lanciert – denn dank der Experimentierfreudigkeit der Leserinnen dürfen sich neue Magazine Hoffnung machen, nicht nur zum kurzfristigen Flirt, sondern zum dauerhaften Partner auserkoren zu werden.

Das wollen in diesem Jahr gleich mehrere Verlage ausnutzen. Gruner + Jahr startet im Frühjahr den neuen Zwei-Monats-Titel namens Season für Frauen zwischen 30 und 40, dazu ist ein Heft für jüngere Leserinnen geplant. Marquard Media ( Cosmopolitan , Shape ) will mit dem Titel Hot ein Projekt starten, das eine Kombination aus Magazin und Website sein soll. Und nach den zwei gut gelaufenen Testausgaben von Cover mit um die 80.000 verkauften Exemplaren wird Burda den Titel wohl regelmäßig an den Kiosk bringen. Auch an einer deutschen Ausgabe des Modemagazins Harper's Bazaar soll der Verlag Interesse haben.

Warum Verlage mehr neue Magazine für Frauen anbieten als für Männer? "Männer denken viel seltener über sich selbst nach als Frauen, hinterfragen weniger ihr Leben mit Familie, Beruf und Hobbys“, sagt Breid. Während Männer sich mit einem Nachrichtenmagazin, mal einem Wirtschaftsblatt oder einem Heft rund um ihr Hobby und der Tageszeitung begnügten, seien Frauen am Kiosk als Jäger- und Sammlerinnen unterwegs: "Sie suchen in den Magazinen nach neuen Anregungen, Lebenshilfe und Tipps für alle möglichen Bereiche.“

Die MOM-Titelseite

Die MOM-Titelseite  |  © Brigitte

Zugegriffen werde vor allem bei Titeln, die sich auf eine bestimmte Altersgruppe oder ein bestimmtes Lebensgefühl konzentrieren. So wie die kürzlich gestartete Brigitte Mom für junge Mütter , InStyle , die zeigt, was Stars tragen oder die Landlust , die von alten Traditionen berichtet, Strick-, Bastel- und Backanleitungen gibt. Die Brigitte selbst hat es als generationsübergreifender Titel angesichts der spezialisierten Konkurrentinnen immer schwerer. Trotz neuer Rubriken und dem vor zwei Jahren mit viel Aufmerksamkeit begleiteten Schritt, nur noch mit Laienmodels zu arbeiten, sinkt ihre verkaufte Auflage. 660.000 Stück waren es im dritten Quartal 2011, das entspricht einem Minus von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, die Zahl der Abos ging um zehn Prozent zurück. "Neu gelauncht würde ein General-Interest-Titel wie die Brigitte wohl nicht mehr so erfolgreich sein im Markt. Brigitte ist die einzige Zeitschrift, die das heute so schafft, und wahrscheinlich würde man neue Titel nicht so generationsübergreifend anlegen“, sagt Breid.

Auch Season soll spezialisiert sein, über Themen wie Gesundheit, Mode und Beauty mit einem stark saisonalen Bezug berichten und mit dem Erscheinungsrhythmus von zwei Monaten an den Erfolg der Landlust anknüpfen. " Season zieht das Konzept der Entschleunigung auch mit der Erscheinungsweise durch. Das schätzen Leserinnen, die sich manchmal unter Druck fühlen, wenn sie die eine Zeitschrift noch nicht fertig haben und die neue Ausgabe schon wieder erscheint“, sagt Breid.

Dagegen soll Hot rund um die Uhr Neues bieten. Das Multimedia-Projekt basiert auf Magazin und Website. Im monatlich erscheinenden Heft wird über Mode- und Kosmetiktneuheiten berichtet, auf der Website sollen die Produkte zu kaufen sein. Waltraut von Mengden, Geschäftsführerin der MVG Medien Verlagsgesellschaft, will so damit zwei Trends kombinieren: dass Frauen immer mehr online shoppen, aber trotz ihrer Lust am Stöbern und Surfen im Netz nicht auf Magazine verzichten wollen. Zwar gebe es im Internet längst Websites zu allen möglichen Themen und Problemen, bei denen Frauen Anregungen und Beratung finden, "doch danach müssen sie dann gezielt suchen. Mit einer Zeitschrift müssen sie dagegen nicht interagieren, sondern können sich auch mal in Ruhe aus dem Alltag davontreiben lassen und in eine andere Welt hineinträumen.“ Von Mengden ist deshalb überzeugt, dass der Markt der Frauenzeitschriften auch weiterhin einer der vitalsten der Branche bleiben wird – auch gerade wegen der zum Fremdgehen neigenden Leserinnen.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Pyr
    • 03. Januar 2012 13:31 Uhr

    ...dürften eine der größten Hürden des Feminismus sein - zeigen sie doch, wie wundervoll es sich völlig oberflächlich und konservativ leben lässt. Mode, Kinder und Küche sind demnach die Themen, denen sich frau zu widmen hat. Aha.

    Männerzeitschriften sind selbstverständlich auch nicht besser - alles auf Macho getrimmt.

    Können wir endlich mal das Mittelalter verlassen und diese geschlechterspezifischen Zeitschriften einstampfen? Einfach nicht mehr kaufen, bitte?

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Anscheinend gibt es ja ein Markt für beiderlei Zeitungensgattungen. Daher gehe ich davon aus, dass es auch Frauen gibt, die sich freiwillig über Königshäuser und Kindererziehung "informieren" möchten, genauso wie Männer, die sich gerne Bildchen von Autos und durchgeschwitzten Fussballspieler anschauen.

    Vielleicht sollte man dies einfach akzeptieren und die Geschichte selbst entscheiden lassen, in wie weit sie dem Weg des Gendermainstreams folgen möchte. Statt zwanghaft alles gleichmachen zu wollen, lieber gleiche Bedingungen schaffen und sich damit zufrieden geben, wenn Menschen dennoch "geschlechterspezifische" Rollen einnehmen möchten.

    • 2sheba
    • 03. Januar 2012 13:52 Uhr

    [...]

    Tausende Frauen kaufen sich diese Zeitschriften, weil es ihnen gefällt und nicht weil sie sich nur für Küche und Kind interessieren.

    Und ja, auch die Mens Health, Maxim, GQ oder der Playboy können ab und an interessant sein und ich mache mir keine Sorgen, ein Macho zu werden - genauso wenig wie meine Freundin, die sich diese Machoheftchen auch mal durchliest.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen höflichen Tonfall anderen Usern gegenüber. Danke, die Redaktion/mk

    • Yulivee
    • 03. Januar 2012 14:17 Uhr

    Bisher interessiere ich mich höchstens für Rätselhäfte.
    Aber wenn ich in Zukunft mal Kinder habe, interessiere ich mich vielleicht für Mutter-Spezifische Zeitschriften. Und wenn mir langweilig wird, lerne ich vielleicht stricken und kaufe mir eine Strickzeitschrift.
    Ich habe Freundinnen, die sich für so etwas gar nicht begeistern, die kaufen eher eine Computerzeitschrift.

    Ich glaube, hier will niemand jemanden in eine Rolle pressen. Viel mehr wird zu jedem Themenbereich mindestens eine Zeitschrift angeboten. Jedem steht frei zu kaufen, was er möchte. Oder weigert sich der Kiosk eine "Frauenzeitrschift" an einen Mann zu verkaufen?

    • amandaR
    • 03. Januar 2012 16:24 Uhr

    Vielfalt zeigt sich eben auch in diesem Bereich und so lange es genügend entsprechend gestrickte Frauen gibt, die solche Zeitschriften lesen - sollen sie doch.

    Ich denke, der beste Umgang damit ist, es einfach zu ignorieren. Und wie man sieht, wollen nicht alle Frauen gleichberechtigt sein. Auch hier hat doch jede die Wahl. Für viele ist es eben bequemer, einen auf Püppchen zu machen und sich von einem Mann versorgen zu lassen, als ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Stört mich nicht, solange ich so nicht sein muß.

  1. Anscheinend gibt es ja ein Markt für beiderlei Zeitungensgattungen. Daher gehe ich davon aus, dass es auch Frauen gibt, die sich freiwillig über Königshäuser und Kindererziehung "informieren" möchten, genauso wie Männer, die sich gerne Bildchen von Autos und durchgeschwitzten Fussballspieler anschauen.

    Vielleicht sollte man dies einfach akzeptieren und die Geschichte selbst entscheiden lassen, in wie weit sie dem Weg des Gendermainstreams folgen möchte. Statt zwanghaft alles gleichmachen zu wollen, lieber gleiche Bedingungen schaffen und sich damit zufrieden geben, wenn Menschen dennoch "geschlechterspezifische" Rollen einnehmen möchten.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Frauenmagazine..."
    • 2sheba
    • 03. Januar 2012 13:52 Uhr

    [...]

    Tausende Frauen kaufen sich diese Zeitschriften, weil es ihnen gefällt und nicht weil sie sich nur für Küche und Kind interessieren.

    Und ja, auch die Mens Health, Maxim, GQ oder der Playboy können ab und an interessant sein und ich mache mir keine Sorgen, ein Macho zu werden - genauso wenig wie meine Freundin, die sich diese Machoheftchen auch mal durchliest.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen höflichen Tonfall anderen Usern gegenüber. Danke, die Redaktion/mk

    Antwort auf "Frauenmagazine..."
    • Yulivee
    • 03. Januar 2012 14:17 Uhr

    Bisher interessiere ich mich höchstens für Rätselhäfte.
    Aber wenn ich in Zukunft mal Kinder habe, interessiere ich mich vielleicht für Mutter-Spezifische Zeitschriften. Und wenn mir langweilig wird, lerne ich vielleicht stricken und kaufe mir eine Strickzeitschrift.
    Ich habe Freundinnen, die sich für so etwas gar nicht begeistern, die kaufen eher eine Computerzeitschrift.

    Ich glaube, hier will niemand jemanden in eine Rolle pressen. Viel mehr wird zu jedem Themenbereich mindestens eine Zeitschrift angeboten. Jedem steht frei zu kaufen, was er möchte. Oder weigert sich der Kiosk eine "Frauenzeitrschift" an einen Mann zu verkaufen?

    Antwort auf "Frauenmagazine..."
    • amandaR
    • 03. Januar 2012 16:24 Uhr

    Vielfalt zeigt sich eben auch in diesem Bereich und so lange es genügend entsprechend gestrickte Frauen gibt, die solche Zeitschriften lesen - sollen sie doch.

    Ich denke, der beste Umgang damit ist, es einfach zu ignorieren. Und wie man sieht, wollen nicht alle Frauen gleichberechtigt sein. Auch hier hat doch jede die Wahl. Für viele ist es eben bequemer, einen auf Püppchen zu machen und sich von einem Mann versorgen zu lassen, als ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Stört mich nicht, solange ich so nicht sein muß.

    Antwort auf "Frauenmagazine..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Yulivee
    • 03. Januar 2012 22:31 Uhr

    die Frauenzeitschriften kauft, ist also nicht emanzipiert und nur darauf aus, einen Mann auszunehmen?

    Wieso ist eine Frau nicht emanzipiert, wenn sie sich darüber informieren möchte, was z.B. in der Promiwelt los ist?

    Ich habe Mathe studiert, arbeite auch in meinem Beruf (ja, Vollzeit), trotzdem koche und nähe ich gerne und schrecke auch nicht davor zurück, mir entsprechende Zeitschriften zu kaufen. Und Sie sagen mir nun, deshalb sei ich nicht emanzipiert? Das müssen Sie mir erklären!

  2. Neue Frauen braucht das Land!

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Im Grunde bedient doch das ganze Segment das stark ausgeprägte kollektive Abgrenzungsbedürfnis der Frauen gegenüber Männern.

    Ansonsten könnte man die ganze Themenpalette dieser Titel durchaus geschlechtsneutral und ohne einen derartigen geschlechtsbezogenen Monopolanspruch publizieren.

    Nur ein solches kaufrelevantes Abgrenzungsbedürfnis gibt der Kategorisierung "Frauenzeitschrift" überhaupt einen Sinn.

  3. Im Grunde bedient doch das ganze Segment das stark ausgeprägte kollektive Abgrenzungsbedürfnis der Frauen gegenüber Männern.

    Ansonsten könnte man die ganze Themenpalette dieser Titel durchaus geschlechtsneutral und ohne einen derartigen geschlechtsbezogenen Monopolanspruch publizieren.

    Nur ein solches kaufrelevantes Abgrenzungsbedürfnis gibt der Kategorisierung "Frauenzeitschrift" überhaupt einen Sinn.

    Eine Leserempfehlung
    • Yulivee
    • 03. Januar 2012 22:31 Uhr

    die Frauenzeitschriften kauft, ist also nicht emanzipiert und nur darauf aus, einen Mann auszunehmen?

    Wieso ist eine Frau nicht emanzipiert, wenn sie sich darüber informieren möchte, was z.B. in der Promiwelt los ist?

    Ich habe Mathe studiert, arbeite auch in meinem Beruf (ja, Vollzeit), trotzdem koche und nähe ich gerne und schrecke auch nicht davor zurück, mir entsprechende Zeitschriften zu kaufen. Und Sie sagen mir nun, deshalb sei ich nicht emanzipiert? Das müssen Sie mir erklären!

    Antwort auf "Vielfalt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann machen Sie bitte auch der allgegenwärtigen, feministischen Einheitsfront klar, dass Ihr Interesse an Kochen, Nähen und Promi-Klatsch nicht das Ergebnis patriarchaler Unterdrückung, sondern jenseits emanzipathorischer Zielstellungen angesiedelt ist.

    Danke schön!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Burda | Abo | Hobby | Verlag | Zeitschrift
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service