Mädels raus aus der Hochglanzzone!

Mit Hilfe lebensgroßer Schablonen bringt der Graffiti-Künstler seine Models an die Wand. | © XOOOOX/Gestalten Verlag
- Datum 04.05.2012 - 12:32 Uhr
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Mit Hilfe lebensgroßer Schablonen bringt der Graffiti-Künstler seine Models an die Wand. | © XOOOOX/Gestalten Verlag
S.g. Hr. Gartenschläger,
vielleicht sehen Sie das Thema mal etwas differenzierter. StreetArt und Graffiti sind Kunstformen. Beides wird durch Unwissenheit gerne vermischt.
Während Graffities oftmals durch sinnentleertes Beschmieren von Hausfassaden verschandelt werden (und soweit gebe ich Ihnen ja Recht), sehen Sie StreetArt in der Regel an Fassaden und Wänden die nach künstlerischer Bereicherung geradezu lechzen.
StreetArt braucht auch nicht nur gute Ideen, sondern auch einen künstlerischen Anspruch und die Beherrschung allfälliger Techniken.
Graffitits stehen der StreetArt im Grund in nichts nach. Zu bemerken gilt es, dass auch sog. Tagging und stupide Schmierereien mit Spraydose, Marker oder Rolle oftmals das Resultat von schwer pubertierender Jugendlichen darstellen und damit das gesamte Genre beschädigen.
Gegen ein gutes Graffitit oder StreetArt-Arbeit an meiner Hauswand hätte ich nichts einzuwenden. Ist aber Geschmackssache, gell.
Man kann sich auch über jeden Mist beklagen. Muss man aber nicht.
Hm, also ich finde, irgendwie kommt der Gedanke, der dahinter steht, bei den Bildern nicht richtig rüber. Es besteht meines Erachtens sehr die Gefahr, dass jemand ein solches Bild sieht und denkt "na toll, jetzt werd ich hier auch noch mit gestylten Modelkörpern zugeballert".
Wieso "spielt der Künstler mit dem Frauenbild"? Er nimmt doch nur FrauenbildER, projiziert sie als Stencils an Wände...und fügt sein Pseudonym in einer Weise hinzu, als sei der Inhalt des Ticktacktoe-Spiels aus dem Gitter gefallen.
Das sieht mal ästhetisch, mal schrecklich aus...so, wie es halt bei Models der Fall ist.
Zum Schluss noch ein Spruch meines zeitgenössischen Lieblingskünstlers, gewidmet @René [Schreber-]Gartenschläger:
"Twisted little people go out every day and deface this great city. Leaving their idiotic little scribblings, invading communities and making people feel dirty and used. They just take, take, take and they don't put anything back. They're mean and selfish and they make the world an ugly place to be. We call them advertising agencies, town planners, and the government."
Na super, jetzt wird der Schlankheitsterror auch von den Street Art-Künstlern fortgesetzt. Kennt xoooox kein anderes Motiv als zu dünne Mädchen?
Wirklich sozialkritisch und provokant wäre es doch, alte gebrechliche Menschen, Behinderte und stark Übgergewichtige zu sprayen? Diese Menschen werden in unserer Gesellschaft doch gerne ausgegrenzt, trauen sich teilweise kaum mehr aus ihren Wohnungen raus. Diese Menschen zu porträtieren wäre doch quasi, dass die Gesellschaft stets mit dem konfrontiert wird, was sie gerne ausblendert. So aber ist die "Kunst" dieses Street Art-Künstlers leider nichts weiter als ein paar nette Bildchen - nichts, was sich nicht von den gängigen Modemagazinen und TV abhebt. Schade.
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