Wie würde Bauhaus auf dem Laufsteg aussehen? Eine Interpretation liefert diesen Sommer die amerikanische Designerin Carolina Herrera: Ihre vom Bauhaus inspirierte Kollektion stellt fließende Silhouetten, geometrische Drucke und sparsam gesetzte Farbakzente in den Mittelpunkt. Obwohl schon fast 100-jährig, wirkt die Ästhetik der 1919 in Weimar gegründeten Bewegung in Architektur, Kunst und Design noch immer modern. Das belegt derzeit auch eine Ausstellung in London. Bis zum 12. August zeigt die Barbican Art Gallery die größte Bauhaus-Ausstellung in Großbritannien seit 40 Jahren. "Bauhaus: Art as Life" versammelt auf zwei Etagen mehr als 400 Exponate, darunter Ölgemälde von Wassily Kandinsky, Gipsskulpturen von Johannes Itten oder Möbelstücke von Walter Gropius.

Im Zentrum der Ausstellung steht neben Architektur und Design-Objekten auch das Alltagsleben der Künstler. Denn trotz der geometrischen Strenge und Geradlinigkeit, die den Bauhaus-Stil kennzeichnet, war das Miteinander zwischen Künstlern und Schülern geprägt von einem starken Gemeinschaftssinn und die Arbeit an der Kunst ein Ausdruck von Spaß und Lust am Experiment. Der Titel der Ausstellung "Bauhaus: Art as Life" bezieht sich auf diese Verschmelzung von Alltagsleben und Kunst.

Dank der Anleihen, die Mode- und Möbeldesigner immer wieder am Stil des Bauhauses nehmen, ist dessen schlichte und funktionale Ästhetik heute natürlich weit über den einst kleinen Künstlerkreis hinaus verbreitet. Gerade entstehen aus den knalligen Formenspielen in Kandinskys Gemälden mal wieder grafische Muster für Teller oder Kissenbezüge, Bauhausklassiker wie die Chaiselongue LC4 von Le Corbusier (1928) oder der Clubsessel von Marcel Breuer (1925) gesellen sich allerorts im Loft zum Flachbildschirm, und in der Mode liefert das Bauhaus die Inspiration für einen schnörkellosen Sommerlook. Von der Tragbarkeit des Bauhauses ist auch die Barbican Art Gallery überzeugt: Zu den zahlreichen Zusatzveranstaltungen im Rahmen der Ausstellung gehört auch eine Kostümparty.